Feen 1. Aufzug 2. Szene 3

GernotHört zu, ich will’s erzählen!
Arindal sinkt erschöpft auf einem Felsenblock
Romanze
War einst’ne böse Hexe wohl,
Frau Dilnovaz genannt,
die war so hässlich und so alt,
als es nur je bekannt!
Doch trug sie einen Ring am Finger,
der machte jung und schön,
als hätte man in seinem Leben
nicht Schöneres gesehn.
Sie kam zu einem König so,
betört ihn allzumal;
er machte sie zur Königin,
er nahm sie zum Gemahl!
Er war so blind in sie vernarret,
daß er nicht hört’ und sah,
und daß er nimmermehr gewahrte,
was um ihn her geschah.
Einst traf er sie in fremdem Arm
in arger Liebesglut;
da zog er seinen Degen schnell
und hieb nach ihr voll Wut!
Doch traf er nur den kleinen Finger,
an dem sie trug den Ring;
da sah er bald in der Geliebten
ein altes hässlich Ding.
Gunther kommt in der Gestalt eines alten, ehrwürdigen Priesters, indem er seine Maske durch gravitätischen Gang und Gesang begleitet.

GuntherArindal!

ArindalO welch ehrwürdige Gestalt!
Sag an, wer bist du, was begehrst du?

GuntherO welcher Schelmenstreich!
Wer mag den Schalk erkennen?
Den heiligen Priester nennt man mich
und Liebe treibt mich her zu dir!

ArindalIch staune! Rede, heilger Greis!

GernotIch möcht ihn selbst für heilig halten!

GuntherO König, du bist übel dran,
von einem bösen Weib umstrickt!
Ich kam hieher, dich zu ermahnen,
aus ihren Banden dich zu retten:
mit großen Pathos
Wer sich für immer ihr ergibt,
fällt ab von Gott und seinem Reich!

ArindalEntsetzlich! Was muss ich vernehmen!

GernotWas macht der Kerl für schöne Worte!

GuntherDu siehst die wilden Tiere wohl,
die sich in diesen Klüften bergen!
Sie waren Menschen einst, doch jetzt
sind sie von diesem Weib verdammt.
Folgst du mir nicht sogleich von hier,
droht gleiches Schicksal dir!

GernotIhr wisst, ihr wisst! Das Hirschgeweih!

ArindalO Himmel, wär es möglich,
ich sei von ihr getäuscht?

GernotHaha! Das ist zum Lachen,
solch närrischer Betrug!

GuntherWirst du sogleich mir folgen,
sollst du gerettet sein!
Wenn du noch länger zögerst,
so musst du untergehn.

ArindalSo soll ich ihr entfliehn,
die ich so heiss geliebt.
Indem Arindal von Gunther fortgezogen wird, wird dieser unter Donner und Blitz plötzlich wieder in seine eigene Gestalt verwandelt.
Was seh ich! Gunther du?

GernotWas Teufel!

GuntherO weh! Was ist mir geschehn?

GernotNun ist der ganze Spass vorbei!

ArindalWelch unerhörte Freveltat,
so jämmerlich mich zu betrügen!
O dank, geliebte Ada,
noch liebst du sicher mich!
Den Trug seh ich vernichtet,
durch deiner Liebe Macht!

GernotNun ist schon halb verloren
die gutgemeinte List!
Er bleibt bei seinem Sinne
und folgt uns sicher nicht.