Feen 1. Aufzug 2. Szene 4

Die Dämmerung ist eingebrochen: Morald tritt auf, in der Gestalt von Arindals verstorbenem Vater.
MoraldArindal!

ArindalGott, was erblick ich!
Dort mein Vater!
Welch neue Täuschung findet statt?

GernotWie täuschen ist das Wesen, die Gestalt!

ArindalSag an, bist du mein Vater nicht?

MoraldDein Vater bin ich nimmermehr,
ich bin nur deines Vaters Geist!
Ich starb dahin aus Gram um dich,
da ich dich für verloren hielt!

ArindalHier waltet keine Täuschung mehr!
O Gott, mein Vater ist dahin!

GernotMich fasst fürwahr ein Grausen an,
so ähnlich sieht er seinem Vater!

MoraldAls Geist komm ich, dich zu ermahnen,
dieweil dein Reich in arger Not!
Der wilde König Murold fiel
nach meinem Tod in unser Reich;
verwüstet ist es rings umher,
nur eine Stadt ist noch geblieben;
sie wird von deiner Schwester jetzt
mit ihrer letzten Kraft beschützt,
derweil du in verliebtem Wahn
dem trägen Müssiggange fröhnst!

ArindalO, welch entsetzliches Geschick!
Dein Vorwurf, Vater, trifft mich schwer!

GernotWie’s ihn ergreisst! Nur zu! Nur zu!

MoraldDarum verlasse diesen Ort
und folge mir nach deinem Reich!
Dein Arm gebricht dem Vaterland
und deine Schwester ruft zu dir!

ArindalO Himmel, wär es möglich?
Mich trifft so schwer Geschick!

MoraldWirst du sogleich mir folgen,
so rettest du dein Reich!
Wenn du noch länger zögerst,
muss alles untergehn!

ArindalSo muss ich sie verlassen,
mich ruft die harte Pflicht!

GernotDies wird ihn wohl erweichen,
er folgt nun sicher uns.
Als Arindal im Begriff ist, Morald zu folgen, wird dieser unter Donner und Blitz plötzlich wieder in seine eigene Gestalt verwandelt.

ArindalWie? Morald? Wiederum Betrug?

GernotO weh! Auch ihm ist es missglückt!
Nun ist der ganze Spass vorbei!

ArindalO, Morald, teurer Freund,
auch du verspottest mich durch solchen Trug?

MoraldO Herr verzeih! Die beste List
ist jetzt durch fremde Macht vereitelt.
Erzürne nicht, und lass als Freund
zum teuren Freunde jetzt mich sprechen!

ArindalSo ist es wahr, mein Vater starb?

MoraldAus bittrem Kummer über dich.

ArindalO hartes Schicksal! Wehe mir!

MoraldWas ich in jener Truggestalt
von deiner Heimat dir gemeldet,
sei jetzt von deinem Freunde dir
als schlimme Wahrheit wiederholt!
In Trümmern liegt das schöne Reich!

ArindalGenug, halt ein! Ich folge euch!
Ach, was allein zurück mich hielt,
ist mir für ewig ja entschwunden!
Geht denn beiseit und pflegt der Ruh,
ich folge morgen euch von hinnen!

GernotO welches Glück, er willigt ein!

ArindalHinweg von hier ruft mich die Pflicht!

GernotSein starrer Sinn hat sich erweicht!

ArindalIch zögre länger nicht!
Ich zögre länger nun nimmermehr!
O, wer ermisset meinen Schmerz,
ich soll die Gattin nicht mehr sehn!

GuntherNach meiner Heimat ziehe ich,
zu unsren hübschen Mädchen hin.

MoraldNach meiner Heimat ziehe ich,
zur heissgeliebten Lora hin!

GernotNach meiner Heimat ziehe ich,
zu meiner treuen Drolla hin!
O welches Glück, er willigt ein,
sein starrer Sinn hat sich erweicht!
Die Nacht ist eingebrochen. Arindal bleibt allein zurück.

Arindal allein
So soll für immer ich nun von dir scheiden,
und du, geliebte Gattin, zeigst dich nicht?
Nicht einen Kuss, nicht eine einz’ge Träne
hast du für deinen scheidenden Geliebten!
O Grausame, leb wohl, leb ewig wohl,
zum Kampfe zieh ich für mein Vaterland,
und meine Hoffnung ist allein der Tod!
Indem er sich zum Abgehen wendet, fühlt er sich plötzlich ermattet und sinkt allmählich auf einen Stein nieder.
Doch was bemächtigt meiner Glieder sich?
Ich will hinweg, doch weigert sich mein Fuss! –
Mein Auge sinkt! – Ist dies der nah’nde Schlummer?
Ich fühl’s! Leb wohl, mein Lieb,
dein Gatte scheidet so! Ade!
Er entschlummert.
Verwandlung