Feen 1. Aufzug 3. Szene

Dritte Szene
Reizenden Feengarten, im Hintergrunde ein glänzender Palast. – Ada tritt während des Ritornells aus dem Palaste im reichsten Feenschmuck.

Den folgenden Ausschnitt kann man sich anhören!
AdaWie muss ich doch beklagen,
was sonst so hehr, so schön –
zu traurig hartem Lose
wird mir Unsterblichkeit!
Wie muss ich doch beklagen,
was sonst so hehr, so schön –
zu traurig hartem Lose
wird mir Unsterblichkeit!
Weil ihn allein ich liebe,
gäb ich so gern sie hin!
Doch ganz ihm zu gewinnen,
wie ist’s so hart, so schwer!
Mir bleibt nun nichts als klagen
und weinen um mein Los!
Ihn werde ich verlieren,
um ewig tot zu sein!
Arindal erwacht allmählich.

ArindalWo bin ich? Ach, in welche sel’ge Räume
hat mich ein schöner Traum wohl hingeführt!
Und dort, ha, träum ich nicht, ist meine Gattin?

AdaErkennst du mich? Geliebter, Undankbarer!
Du wolltest mich verlassen?

ArindalAda, dich seh ich wieder?
Übermass von Wonne!
Mir wird das freudige Glück,
dich wieder ganz zu besitzen,
all schweres, bitt’res Leid
in deinem Arm zu vergessen!

AdaO dämpfe deine Glut,
gebiete dem Entzücken!
Zu neuer, herber Qual
bin ich dir jetzt erschienen!

ArindalO warum Pein, o warum Qual?
Du bist für immer mein,
und jede Lust mit dir!

AdaUnglücklicher! Nur kurze Zeit,
für ewig dann getrennt
bin ich von Arindal!

ArindalIch lasse dich nimmermehr
und weiche nie von dir!

Ada mit Angst
Nur noch ein einz’ger Tag,
und du verlässest mich!

ArindalNoch halt ich dich in meinen Armen,
doch dich entreisst das Schicksal mir.
Verderben wird uns beiden drohen,
Wenn unsrer Liebe Macht nicht siegt!
Gunther, Morald, Gernot und der Chor ihrer Gefährten kommen.

MoraldAuf, Arindal, komm jetzt mit uns von hinnen!
Was seh ich? Gott, wohin sind wir versetzt?

GuntherUnd dort, das schöne Weib!

GernotIch kenne alles!
Sein Weib, die hübsche Hexe, hat er wieder;
nun ist’s vorbei, er folgt uns sicher nicht!

ChorFürwahr, welch göttlich schönes Weib!

MoraldSolch milden Zauber sah ich nie!

ChorSah ich wohl je so hohen Reiz?

MoraldIch kann den König wohl begreifen!

ArindalWeh mir, schon hab ich es versprochen,
nach meiner Heimat mitzugehn!

GernotWie blendet ihre Schönheit mich,
wie ihrer Wangen holdes Licht!
Ach, das ist alles ja nicht echt,
und ihre Wangen sind geschminkt!

ArindalWeh mir, schon hab ich es versprochen,
nach meiner Heimat mitzugehn!
Wie soll ich mein Versprechen halten!
Wie kann ich fort, wie soll ich los?

GernotDen König wag ich kaum zu mahnen,
daß er von hier uns folgen soll.
Führwahr, welch göttlich schönes Weib!
Sah ich wohl je so hohen Reiz?
So milden Zauber sah ich nie,
ich kann der König wohl begreifen!

AdaWeh’ mir! Schon naht der Anfang meiner Leiden!
Man kommt, des Vaters Tod mir zu verkünden!
Ein festlicher Zug von Feen aus Adas Reiche tritt auf, vor ihnen her Farzana und Zemina.

FarzanaDein Vater hat das Los
der Sterblichen geteilt.

ZeminaAus deines Reiches Fernen
strömt alles Volk herbei,
zu grüssen dich als Königin!

ChorHeil unsrer Königin!
Heil, schöne Ada, dir!
Gegrüsset sei als Herrscherin
von deines Volkes Schar!
Von fern ertönt der Jubel
unsrer frohen Huldigung.
Heil unsrer Königin!
Heil, schöne Ada, dir!

AdaO hätt ich diese Jubels Klänge
wohl nimmermehr gehört!
Ich fühle nur die neue Fessel
an mein unselig Los!

FarzanaDies fesselt sie mit neuen Banden
an die Unsterblichkeit;
denn will sie wirklich sterblich werden,
verliert sie auch ihr Reich.

GuntherHab ich wohl je etwas gesehen,
was diesem Treiben gleicht!

MoraldWas soll ich wohl von allem halten,
ich kann mich fassen kaum.

GernotDas ist nur alles toller Spuk,
Betrug und Heuchelei!

ArindalSag, meine Gattin, mir
was soll dies Treiben all?

AdaDu hörst mich Königin wohl nennen,
dies wisse denn, doch frage nicht!
Denn das, was Freude dir erscheint,
wird mir zu schwerer Pein!
Ich muss von dir jetzt wieder fort,
du folg den Deine in dein Land!
Für jetzt – wenn nicht für immerdar!
O, könnt ich alles dir vertrauen!
Doch dies verbietet mein Geschick.

ArindalSo sprich!
Wann sehe ich dich wieder?

AdaSchon morgen! Bittres Wiedersehn!

ArindalSchon morgen, morgen! Welches Glück!

AdaZu deinem Unglück siehst du mich! –

Zemina beseite zu Farzana
Du weisst, er muss ihr jetzt schwören
auf keinen Fall sie zu verfluchen!
Farzana
beseite
Doch da er’s nimmer halten kann,
so muss der Meineid ihn verderben!

AdaVernimm denn, was ich dir verkünde:
was du auch morgen sehen magst,
was dich für Schrecken auch bedrohn,
was dir für Unheil auch begegne,
o Arindal, lass nimmer dich so weit verleiten,
mich, deine Gattin, zu verfluchen!

ArindalWas höre ich, du spottest mein!

AdaSei standhaft dann und schwöre mir’s, –
schnell
ach, schwöre nicht! –

ArindalIch schwöre dir’s!

FarzanaHabt ihr’s gehört? Er hat geschworen!

GernotEr schwur!

Ada wendet mit Entsetzen sich ab
Weh mir, er hat geschworen!

GernotEin schreckenvoll Geheimnis
verbirgt wohl dieser Schwur!
Die ihn dazu vermocht,
steht jetzt geängstet da!

FarzanaEr hat es ihr geschworen,
und kann nicht mehr zurück;
der Schwur bringt ihm Verderben
und trennt von Ada ihn.

ArindalWas ich beschworen habe,
sei treulich auch bewährt!
So wie ich heiss sie liebe,
bleibt heilig auch mein Schwur.

AdaO hätt er nie geschworen,
den harten Schreckenseid!
Er wird ihn nimmer halten
und durch ihn untergehn!

ChorDir tönet freudig unser Jubel,
als unsre Fürstin sei gegrüsst!
Es schall’ hinauf in alle Räume
der Preisgesang der Königin!
Heil, schöne Ada, dir! Heil unsrer Königin!

GernotAuf, komm mit uns nach deinem Lande,
zu deinem Reiche kehre heim,
lässt du noch länger hier dich halten,
muss Land und Schwester untergehn!
Auf, König, folge uns
nach deiner Heimat hin!

ArindalSo lass ich dich aus meinem Armen
bis zum beglückten Wiedersehn;
ich schwur dir Treu und will sie halten
und sollt ich druber untergehn!
Leb wohl, du mein Gemahl,
ich bleibe ewig treu!

FarzanaSo reisse dich aus seinen Armen,
das Volk will dich gekrönet sehn!
Lass länger nich zurück dich halten,
der Huldigung entgegengehn!
Auf, komm!
Auf, Ada, folge uns
zum frohen Feste hin!

AdaSo lass ich dich aus meinen Armen,
wir werden bald uns wiedersehn;
o mögest deinen Schwur du halten,
sonst musst du mit mir untergehn!
Leh wohl, mein Arindal,
und bleibe ewig treu!
Ada wird in einem Triumphwagen davongezogen.