Feen 2. Aufzug 2

Gernot und Gunther kommen.
GernotWie ist dir’s, Gunther, daß du endlich wieder
auf deinen eig’nen Füssen stehen kannst?

GuntherO was für eine schlimme Nacht war dies!
Von solchen Greueln hab ich nie geträumt!

GernotDoch dieser Morgen! War es nicht,
als ob die blut’ge Sonne alles wollt versengen?
Die Erde bebte unter meinem Fuss,
der Blitz verdarb mir mein Gesicht,
der Donner mein Gehör!

GuntherDer König selbst, wie war er doch erschüttert!

GernotUnd was find ich nun hier?
Von Feinden alles voll,
kaum noch ein Fussbreit Lands gehöret uns!

GuntherO böse Zeichen – böse Zeiten!

GernotMir ist’s, als hätt ich einen tücht’gen Rausch gehabt,
so geht der Jammer mir durch alle Glieder!
Wenn ich nur meine Drolla fänd!
Sag mir: ist sie noch jung?

GuntherDu fragst mich ziemlich dumm;
seit du von uns, ward sie acht Jahre älter,
damals – war sie ein Kind!

GernotIch meine hübsch?

GuntherGewiss!
Ich kam oft in Versuchung –

GernotWie?

GuntherNun, sie zu trösten!

GernotDas hättest du lassen können!
blieb sie mir treu?

GuntherIch glaube; frag sie selbst,
dort kommt sie her,
ich lass euch gern allein!
ab – Drolla kommt.

GernotWie? Seh ich recht, ist dies nicht Gernot? / Drolla?
Du bist’s! O welche Freude!
Ach, nach so langen Zeiten
dich endlich wiedersehn!
Dich an mein Herz zu drücken,
ist zum Entzücken ganz!
O sage mir, erzähle,
wie ists dir’s doch ergangen?
O erzähle! O erzähle!
Mir ist’s recht gut ergangen!
Ich war mit meinem Herrn so lang
bei einer schönen Königin.
In ihrem Schlosse war die Wahl
der hübschen Mädchen wahrlich schwer.
Sie waren alle wie zum Küssen,
die eine blond, die andre braun,
mit blauen und mit schwarzem Augen!

DrollaGewiss, gewiss – ganz allerliebst!

GernotUnd da ich auch ein hübscher Bursch,
verliebten alle sich in mich,
und ich, ei nun – und ich –

DrollaJetzt stockt er wahrlich mit der Sprache!
O warte nur, du böser Schelm!
Mir dieses in Gesicht zu sagen,
das ist doch wahrlich unerhört!

GernotJetzt will ich doch von ihr erfahren,
ob sie wohl wirklich mich noch liebt.
Die Eifersucht soll mir es sagen,
glaubt sie, was sie von mir gehört!


Den folgenden Ausschnitt kann man sich anhören!
Drollao lass auch dir von mir erzählen,
wie mir’s so lange Zeit erging!
Bei Hofe war ich hier so lang
als Loras beste Dienerin.
Um sie zu werben zogen her
der schönsten Ritter reiche Zahl;
sie waren alle wie zum Küssen,
der eine blond, der andre braun,
mit blauen und mit schwarzen Augen.

GernotIch werde selber schwarz und blau!

DrollaUnd da ich auch nicht hässlich bin,
verliebten alle sich in mich,
und ich – ei nun, und ich –

Gernot beseite
Jetzt stockt sie wahrlich mit der Sprache –
o warte nur, du böses Ding!
Mir dieses ins Gesicht zu sagen,
das ist doch wahrlich unerhört!

Drolla beseite
Vor Ärger kann er kaum sich fassen!
so ist es recht dem Flattergeist!
Vor Eifersucht soll er verzagen,
glaubt er, was er von mir gehört!

GernotHinweg von mir, du Falscher! / Falsche!
Ich mag dich nicht mehr sehn!
So hieltest du die Treu,
die du mir oft geschworen?
In fremde Männer / Mädchen
sich verlieben,
derweil ich in der Fern bin,
das heiss ich wahrlich doch betrügen,
und seine Liebste / seinen Liebsten
hintergehn! –
Sie laufen zu verschiedenen Seiten davon, bleiben aber an den äußersten Enden stehen und sehen sich aus der Ferne schüchtern an.
Drolla! –

DrollaGernot?

GernotBist du denn noch nicht fort?

DrollaDu bist noch da?

GernotMich dünkt, du weinst?

DrollaWas kümmert’s dich, Treuloser!

GernotIch, treulos? Ach fürwahr, das bin ich nicht!

DrollaHast du’s nicht selbst erzählt?

GernotGelogen, ach, gelogen!
In mich hat keine sich verliebt,
und ich hab nur nach dir mich hingesehnt,
entdecken wollt ich, wie es mit dir stünd?

DrollaUnd ich hab wahrlich auch gelogen,
in mich hat keiner sich verliebt,
wie ich in keinen mich.
Ich bin dir treu geblieben!
Um dich zu strafen, log ich dir was vor.

GernotWas hör ich? Lass uns sogleich umarmen!
Umarmung
Verzeihung!
So sind wir denn vereint,
um nie uns mehr zu trennen,
kein Argwohn, kein Verdacht
soll je uns scheiden können!
Du liebst mich, welche Freude,
ach, welche Seligkeit!
Erdichtet und erlogen
war, was uns jetzt entzweit!
Wir trennen nie uns mehr,
um ewig froh zu sein!
Umarmung und Kuß. Beide ab. – Ada, Farzana und Zemina treten auf.