Feen 2. Aufzug 3

AdaO Grausame, so habt ihr kein Erbarmen
und treibt mich kalt zu diesen grausen Taten?

FarzanaVerzeih, wir sind nicht Schuld an dem Geschick,
das dir dein eig’ner Will’ bereitet hat.

AdaDoch da ihr wisst, welch Los mich Ärmste trifft,
wenn ich besiegt, so freut ihr euch der Qual?

ZeminaO glaub es nicht, denn sie entlockt mir Tränen!
Doch höre: du kannst dich allem noch entziehn,
sobald du jetzt dem Sterblichen entsagst!

FarzanaNoch ist es Zeit und offen steht die Wahl:
hier langer Tod und dort ein ewig Leben!
Bedenk, und deine Wahl sei dein Geschick!
Sie verschwinden. – Ada allein

AdaWeh mir, so nah die fürchterliche Stunde,
die all mein Glück und all mein Elend kennt!
O warum weckt ihr noch in meiner Seele
den Zweifel jener herben Wahl!
Unglückliche, wohin soll ich mich wenden?
Wie so gewiss ist nur mein Untergang,
und ach, wie ungewiss mein Sieg! –
Ich häufe selbst die Schrecken an,
die Qualen leit ich auf ihn hin,
ich wecke Zweifel in ihm auf,
die nie ein Sterblicher erträgt!
Von überall stürmt Unglück ein,
sein letzter Stern, die Liebe, sinkt –
Nacht wird’s um seine Sinne her,
er rächt sich und verflucht sein Weib! –
Weh mir! Und dieser Fluch trennt mich von ihm,
und Ewigkeiten treten zwischen uns!
Verzweiflung, Wahnsinn, Tod ist dann sein Los,
und meines fürchterlich: auf hundert Jahr
Verwandelung in Stein! –
Ich könnte allem mich entziehn,
steht mir’s nicht frei! In ew’ger Schöne
unsterblich, unverwelklich blühn? –
Es huldigt mir die Feenwelt,
ich bin ihr Glanz und ihre Zier!
Es ehrt ein unvergänglich Reich
mich, seine hohe Königin!
Ich könnte allem mich entziehn,
in Feen pracht unsterblich blühn!
Betrogne, Unglücksel’ge!
Was ist die Unsterblichkeit?
Ein grenzenloser, ew’ger Tod!
Doch jeder Tag bei ihm
ein neues, ewiges Leben! –
So sei es denn! Geschlossen ist die Wahl,
für jenes Leben opf’r ich alles hin!
Mein Arindal!
Begeistern wird auch ihn die Liebe
und Mut zum Kampfe ihm verleihn;
den Zweifel wird er kühn besiegen,
aus meinen Banden mich befrein!
Die falsche Tücke sei vernichtet,
die mich von ihm zu trennen strebt!
All eu’r Bemühen sei vergebens,
das meine Liebe töten will!
Denn sollte er auch unterliegen,
und mich der Felsen in sich schließen,
so soll die Liebe selbst den Stein
der Sehnsucht Tränen weinen lassen!
Und diese Tränen fühlt mein Gatte,
dieser Seufzer dringt zu ihm,
der Klageruf wird ihn durchbeben,
lässt ihn nicht rasten, treibt ihn her!
Begeistern wird auch ihn die Liebe
und Mut zum Kampfe ihm verleihn,
den Zweifel wird er kühn besiegen,
aus meinem Banden mich befrein!
ab – Die Bühne bleibt eine Zeitlang leer. – Der Chor des Volkes und der Krieger tritt von verschiedenen Seiten auf. – Lora, Drolla, Arindal, Gunther, Morald und Gernot kommen.