Feen 2. Aufzug 4

AlleHört ihr des Sturmes Brausen,
das vor den Mauern tobt?
Es sind des Feindes Scharen
zu neuer Wut erwacht!

ArindalWie bang erfüllt ist meine Brust!

LoraAuf denn, ihr Freunde, zieht hinauas!

ArindalO wie ertrag ich alle Not!

LoraBefreiet uns von dieser Not!

DrollaSo ziehet froh hinaus
zu dem Befreiungskampf!

ChorSo ziehen wir hinaus
zum letzten Todeskampf!

ArindalZu kämpfen, ach, vermag ich nicht!

MoraldIhr Krieger, kommt, ich führe euch!
ab mit dem Kriegern

LoraWie, Bruder, du vermöchtest es,
dem heil’gen Kampf dich zu entziehn?

ArindalO Lora, krank ist meine Seele,
und siech liegt aller Lebensmut!

GernotSeht ihr des Königs trüben Blick,
wie er umsonst nach Fassung ringt?

ArindalWie soll ich Härt’res noch ertragen,
da diese Not das Schwerste mir?

LoraWie soll ich seine Stimmung deuten,
die ihn so schwer darnieder drückt!
Als sich Arindal abwendet, tritt ihm Ada entgegen.

AdaWeh dir, wenn dies das Schwerste dir erscheint!

ArindalO Himmel, meine Gattin!

AlleWie, dies ist seine Gattin?
Ada gibt ein Zeichen; ihre beiden Kinder erscheinen und stürzen sich in Arindals Arme.

AdaJetzt, Arindal, gedenke deines Schwurs!

ChorO seht die holden Kleinen,
wie lieblich anzuschaun!

GernotDas sind die hübschen Dinger,
die ihm von ihr geschenkt!

ArindalAch, meine Kinder seh ich wieder,
welch freudig unverhofftes Glück!
Ich lasse sie mir nimmer rauben,
und kein Geschick entreißt sie mir!

AlleSeht, o seht die holden Kleinen, etc.

AdaO hättest du sie nie gesehn!
Zum Jammer wird ihr Anblick dir!
Auf ihren Wink öffnet sich ein feuriger Schlund.

GernotWas, Teufel, seh’ ich da?

ChorEntsetzen! Was geschieht?

ArindalHa, was beginnst du?

AdaGib meine Kinder mir zurück!

ArindalHa nimmermehr! Was soll gescheh’n?

AdaLass mich, noch sind sie nicht ganz dein!
Entreißt ihm die Kinder

ArindalEntsetzliche! Sie sind nicht mein?

AdaDer Feuerschlund soll sie empfangen!

ChorHa, was beginnet die Verweg’ne!
Greift an und haltet sie zurück!

AdaZurück von mir, Verweg’ner!

ArindalO Weib, ich lass dich nicht gewähren!
Und ihr hinab!
Sie wirft die Kinder in den Schlund, der sogleich verschwindet.

AlleO Gott, was haben wir gesehn?
War es nur Täuschung, war es Wahrheit?
Entsetzlich Weib, was tatest du?
Kann man dich eine Mutter nennen?

ArindalWie mächtig wühlt’s in meiner Brust,
es paart sich Vorwurf und Verdacht!

AdaWie mächtig wühlt’s in seiner Brust!
O Himmel, schütz ihn vor Verdacht!
Flüchtlinge vom Chor der Krieger kommen.

ChorEntflieht, wir sind besiegt!

AlleWelch neues Unheil stürmt auf uns
und drohet uns mit Untergang!

AdaDies Unheil trifft mich mehr als ihn!
Es weihet mich dem Untergang!

ArindalHier Zwietracht, draußen Untergang,
welch neues Unheil!
Ach, Ada, weißt du keinen Trost
für mich in diesen schweren Leiden?

AdaZu deinem Troste kam ich nicht,
zu deiner Qual bin ich erschienen!

ArindalSie weiset kalt mich sich von ab. –
Wie könnte sie den Gatten trösten,
dem sie die Kinder mordete!

LoraAll meine letzte Hoffnung sinkt!
Der treue Harald bleibet aus mit seiner Hilfe,
die er versprach, vom Nachbarlande herzuschaffen!
O, Hilfe jetzt und niemals mehr!

Chor Volk
Schon näher dringt der Sturm,
hört ihr den grausen Lärm?
Neue Flüchtlinge kommen.

Chor der KriegerVerloren, ach verloren!
Nichts kann uns mehr erretten!

LoraIhr Feigen, was entflieht ihr,
führt euch der tapfere Morald nicht?

Chor der KriegerEr ist verschwunden uns,
gefangen oder tot!

Lora mit einem Schrei
Tot!

AlleZu Trümmern stürze alles hin,
der Beste ist gefallen!

AdaNoch ahnt er nicht, daß ich die Schuld
an allem seinen Elend bin!

ChorSeht, dort kommt Harald her,
der Hilfe uns versprach!

ArindalDer letzte Hoffnungsschein!

AdaWird mir zum Untergang!

LoraSag an, wo sind die Krieger,
die du zur Hilfe bringst?

HaraldWeh euch, ich bringe nichts! -
Vernichtet ist mein Werk!

AlleWas sagt er? Keine Hilfe,
nur neuer Untergang?

HaraldDie besten Krieger hatte ich geworben,
und schon nicht fern mehr waren wir der Stadt,
da stellt sich uns ein Kriegsheer in den Weg,
an seiner Spitze ein gewaffnet Weib.
Sie griff uns an mit unerhörter Macht,
und alles war in kurzer Zeit zerstreut.
Dann sprach das Weib: «Geh heim zu Arindal,
sag ihm, ich sei Ada, die Königin!»;

Ada für sich
O, muss ich dieses noch ertragen!

ArindalWas sagst du? Ist es diese,
die dir den Auftrag gab?

HaraldMein König, ja, sie ist’s!

AlleEntsetzlich! Seine Gattin
ist mit dem Feind in Bund!

ArindalHa, furchtbar tagt’s in mir!
Ich war von je betrogen!
Ha, schändlich Weib, so bist du jetzt entlarvt,
und deiner argen Tücke Ziel ist da!
Von jenen Zauberinnen bist du eine,
die zum Verderben uns mit Lieb’ umstricken!
Du hieltest mich in schnöden Banden fest,
verlocktest mich mit bösem Trug!

AdaMein Arindal!

ArindalUm grausam mich zu quälen,
gabst meinen Kindern du den Feuertod,
zertrümmertest mit arger List mein Reich,
ich selbst bin der Verzweiflung preisgegeben!

AdaHalt ein!

ArindalZu was dich länger schonen,
um dich zu strafen, gabst du mir die Macht!
Verruchtes Weib, sei denn verflucht!

AdaArindal, halt ein! Ah!
entsetzlicher Schrei
Meineidiger, was tatest du!
Zemina und Farzana erscheinen.

FarzanaAda, die Bande sind gelöst,
unsterblich bleibst du, wie zuvor!

AlleO Gott, was hören wir,
was hat das zu bedeuten?

Ada mit wütendem Schmerz
Entsetzlicher! So hieltest du den Schwur?
Mit solchem Mut bewährtest du die Treu?
Verloren, ach verloren! Weh, unglücklich
hast du für Ewigkeit dein Weib gemacht! –
So wisse denn, wie groß die Freveltat!
Von einem Sterblichen und einer Fee
bin ich erzeugt und so der Mutter gleich unsterblich.
Da sah ich dich, und dir Meineidigen
wandt ich all meine heiße Liebe zu!
Sie war so groß, daß ich, um dein zu sein,
freiwillig der Unsterblichkeit entsagte! –
Der Feenkönig zürnte mir darum,
und da den Rücktritt er nicht wehren konnte,
sucht er ihn dadurch zu erschweren mir,
daß er mir dieses als Bedingnis gab:
acht Jahr dir zu verschweigen, wer ich sei,
und dann den letzten Tag auf dich so viel
der Qualen und der Schrecken aufzuhäufen,
als dich verleiten könnte, mir zu fluchen!
Nur, wenn dein Herz standhaft aus Liebe sei
soll ich das Los der Sterblichkeit erhalten.
Wenn nicht, so sollte ich unsterblich bleiben
und dann noch mein Begehren dadurch büßen,
daß ich auf hundert Jahr in einen Stein verwandelt sei!
Nun denn, du kennst mein Los!

ArindalO Gott, wie braust’s in meinem Hirn!
Sag an, bist du nicht schuld an meines Reiches Not?

AdaSie endet schneller noch als sie bereitet!

ArindalNun denn, sind jene Krieger nicht erschlagen,
die dieser mir zu Hilfe brachte?

AdaIch tat’s! Es waren deines Feindes Krieger,
mit denen Harald dich verraten wollte.
Harald wird ergriffen und abgeführt.

ArindalUnd Morald, fiel er nicht, war es nur Schein?

AdaDurch meine Macht besiegt er jetzt den Feind!

ArindalWas frag ich noch? Schon fasst mich Wahnsinn an!
Doch meiner Kinder Mord verdammet dich!
Auf das Zeichen kommen ihre beiden Kinder und stürzen sich in Arindals Arme.

AdaVon ihrer Geburt gereinigt, nimm sie hin,
der Erde schönstes Los beglücke sie;
nur mich nimmt grenzenloses Elend auf!

Arindal sinkt zu Adas Füßen zusammen
Nun denn, Verzweiflung, dir gehör ich an!

Chor der Krieger hinter der Bühne
Triumph! Wir sind befreit,
erschlagen ist der Feind!
Morald kommt mit den Kriegern.

MoraldIch bringe Sieg und Freude,
vernichtet ist der Feind!

AlleWas hör ich! Wir sind befreit!

GernotErtönet, Jubelklänge
zum Himmel hoch empor,
des Sieges Hochgesänge
erschallen jetzt allein!

MoraldIch drücke dich als Sieger
an meine frohe Brust!
Welch unnennbare Freude,
von dir befreit zu sein! / Dich Holde zu befrein!

FarzanaSo ist sie denn gerettet,
zurückgegeben uns.
Nach der Verbannung Leiden
wird sie unsterblich sein!

AdaHinweg von mir, Verräter!
Ich stoße dich von mir!
Noch eh der Tag sich endet,
umschließet mich der Stein!
Arindal windet sich zu Adas Füßen.

ArindalAch Ada, hab Erbarmen,
stoß mich nicht ganz von dir! –
Verzweiflung muss mich fassen,
Wahnsinn mein Ende sein!
Die Bühne verfinstert sich, Ada versinkt mit Zemina und Farzana unter Donner und Blitz. – Dann fällt der Vorhang schnell.