Feen 3. Aufzug 1. Szene

Dritter Aufzug
Erste Szene
Festliche Halle – Morald und Lora auf dem Thron: Drolla, Gernot und Gunther neben ihnen. Chor von Männern und Jungfrauen, festlich geschmückt. Siegesreigen.
ChorHeil sei dem holden Frieden
im sanften Himmelsglanz!
Heil sei dem hohen Siege,
der uns den Frieden gab!
Der du zum Siege uns geführt,
sei uns als König jetzt gegrüsst!
Die du im Leiden unser Trost,
sei jetzt als Königin gegrüsst!
Heil, siegesreicher Morald dir!
Heil, tugendreiche Lora dir!
Heil sei euch!

MoraldGenug, o endet dieser Feste Jubel!
Vor Freude nicht, vor Wehmut bebt mein Herz!
Noch gilt eu’r froher Königsgruss nicht mir!
Denn der mir seine Würde übertrug,
ist dem unseligsten Geschick verfallen.
Des Wahnsinns graue Nacht umhüllet ihn,
und hält die leidenvolle Seel umfangen.
Wenn auch sein Wille mich zum König machte,
so ehrt doch nur so lange mich als Herrscher,
als Arindal dem düstren Wahn erliegt!

LoraAch Bruder! Welch beklagenswert Geschick!
Jetzt, da die Freude jeden Busen schwellt,
muss ich dein fürchterliches Los beweinen!

ChorWir ehren euren Schmerz!
Die Freude halte ein!

MoraldAllmächtiger,
in deine Himmel
send ich mein brünstig Flehn hinauf!
Lass weichen aus des
Bruders / Freundes / Königs / Sinnen
des Wahnes schreckenvolle Macht!
Ein Strahl aus deinem Glanz
erleuchte seiner Seele Nacht!

ArindalHallo! Lasst alle Hunde los!
Dort, dort! Die Hirschin! Seht!
Herbei!
Ihr Jäger herbei!
Du, Waidmann, wandre voran!
Juchhe, es schmettert das Horn!
O seht, schon müde wird das Tier!
Packt an! Ich sende den Pfeil!
Seht wie er fliegt! Ich zielte gut!
Haha! Das traf in’s Herz!
O seht, das Tier kann weinen!
Die Träne glänzt in seinem Aug’!
O, wie’s gebrochen nach mir schaut!
Wie schön sie ist!
Entsetzen! Ha, es ist kein Tier,
seht her! Es ist mein Weib! –
Ich seh den Himmel dort sich öffnen,
die lichten Tore springen auf!
O welcher Duft, o welcher Glanz!
Bin ich ein Gott, dies zu empfinden?
Beschwingt hebt sich mein Geist empor!
Ha, wie der Staub nach unten sinkt!
Es reicht sich eine Hand mir dar,
voll Liebe führt sie mich hinauf,
ich atme milde Götterluft! –
Was soll’s? Noch bin ich Mensch!
Du seist verflucht!
Haha! So ist’s vollbracht!
Jetzt bin ich wieder Staub!
Leg dich zur Ruhe, Staub,
die Erde birgt dich gern! –
Ha, wie es um dich dämmert!
Es ist die milde Nacht.
O schaurig, süsse Luft,
befängst du meine Seele?
Ich lag in deinem Arme,
so sanft war meine Ruhe,
ich kann dich nicht umfangen,
du bist so fern, so fern!
Und dennoch nahst du mir,
ja, ja, ich sehe dich!
Warum den tiefen Schmerz
im tränenvollen Blick?

AdaMein Gatte Arindal,
was hast du mir getan?
Es schliesst ein kalter Stein
die heisse Liebe ein.
Die Träne nur erweicht
der rauhen Hülle Zwang,
durch alle Schranken dringt
die Liebe noch zu dir,
und hörest du die Klage,
so eile her zu mir!

Zauberer GromaAuf, Arindal, was zauderst du?
Sieh, jenen Schild und jenes Schwert
kann dich dem Sieg, doch jene Leier
noch grösser’m Glück entgegenführen.
Bist du von Mut und Lieb’ erfüllt,
so wirst das Höchste du erreichen! –

FarzanaSo wäre unsre Ada denn gerettet,
und der Unsterblichkeit zurückgegeben!
Wohlan, vollenden wir das letzte Werk,
damit kein Rückschritt je zu denken sei: –
den Sterblichen dem sichern Tod zu weihn!

ZeminaFürwahr, mich jammert Arindals Geschick;
schon büsst er durch des Wahnsinns Schrecken
den Meineid schwer.

FarzanaO nicht der Meineid bloss, seine Vermessenheit
weiht ihn dem Tod!
Soll ungestraft ein kühner Sterblicher
des Feenreiches Stolz uns rauben wollen?
Wir führen auf den Weg zu Ada ihn;
sie zu befrein, sei er von uns ermuntert.

ZeminaWas willst du tun? Ihn auf den Weg geleiten,
auf dem er wirklich sie erlösen kann?

FarzanaWas fürchtest, Törin, du? Da er als Mensch
zu siegen nicht vermocht, wie sollt er da
bewähren sich, wo Feenkraft nur siegt?
Im Kampfe wird er sicher unterliegen!
Auf! Erwache, Arindal!

ArindalWer ruft mich? Ha, wohin
hat mich ein wilder Wahn getragen?
Ich hörte meine Gattin rufen!
O Gott, wie ist die düst’re Nacht
durch ihren Ruf zum Tage mir erhellt!

FarzanaNun, Arindal, erkennst du uns?

ArindalEuch seh ich wieder, teure Feen,
die ihr um meine Gattin wart.
Ach, meine Gattin, wo ist sie?

FarzanaHast du den Mut, sie zu befrein?

ArindalWas höre ich? Sie zu befrein
durch meinen Mut könnt es gelingen?

FarzanaWas prahlest du von deinem Mute?
Ist sie nicht deiner Feigheit Opfer?

ArindalO wende deine Hohn von mir!
Sagt mir, ist sie noch zu befrein?

ZeminaIm kalten Steine eingeschlossen
verzweifelt sie an ihrer Rettung.

ArindalIhr foltert mich! – Ich habe Mut!
Wer leitet mich zu ihr dahin?

FarzanaNun denn, wir führen dich zu ihr!

ArindalO Gott, wie fass ich es, zu ihr!
Ach sie, die Gattin zu befrein,
wie füllt es mich mit Freudenglut!
O leitet mich dahin zu ihr,
ihr opf’r ich all mein heisses Blut!

FarzanaHa, diese rasche Freudenglut
wird ihn den sich’ren Tode weihn.
Wir leiten gern ihn hin zu ihr,
denn uns erfreut sein Untergang!
Verwandlung