| Es ist Abend geworden. Aus der Tiefe leuchtet der Feuerschein allmählich heller auf. Brünnhilde blickt ruhig in die Landschaft hinaus | 12 | Feuerzauber | |||||||||||||||||
| Brünnhilde | Abendlich Dämmern deckt den Himmel; | 12 | |||||||||||||||||
| heller leuchtet die hütende Lohe herauf. | 12 | ||||||||||||||||||
| Der Feuerschein nähert sich aus der Tiefe. Immer glühendere Flammenzungen lecken über den Felsensaum auf | 42 | Loge | |||||||||||||||||
| Was leckt so wütend | 42 | ||||||||||||||||||
| die lodernde Welle zum Wall? | 42 | ||||||||||||||||||
| Zur Felsenspitze wälzt sich der feurige Schwall. | 42 | ||||||||||||||||||
| Man hört aus der Tiefe Siegfrieds Hornruf nahen. Brünnhilde lauscht und fährt entzückt auf | 67 | Siegfried | |||||||||||||||||
| Siegfried! Siegfried zurück? | 12 | 29 | Feuerzauber | ||||||||||||||||
| Seinen Ruf sendet er her! | 12 | 29 | Horn | ||||||||||||||||
| Auf! – Auf! Ihm entgegen! | 12 | ||||||||||||||||||
| In meines Gottes Arm! | 12 | 67 | Siegfried | ||||||||||||||||
| Sie eilt in höchstem Entzücken dem Felsrande zu. Feuerflammen schlagen herauf: aus ihnen springt Siegfried auf einen hochragenden Felsstein empor, worauf die Flammen sogleich wieder zurückweichen und abermals nur aus der Tiefe heraufleuchten. | 12 | 29 | Horn | ||||||||||||||||
| Siegfried | auf dem Haupte den Tarnhelm, der ihm bis zur Hälfte das Gesicht verdeckt und nur die Augen freiläßt, erscheint in Gunthers Gestalt | ||||||||||||||||||
| Brünnhilde | voll Entsetzen zurückweichend | ||||||||||||||||||
| Verrat! Wer drang zu mir? | 25 | 74 | Hagen Tarnhelm | ||||||||||||||||
| Sie flieht bis in den Vordergrund und heftet von da aus in sprachlosem Erstaunen ihren Blick auf Siegfried | |||||||||||||||||||
| Siegfried | im Hintergrunde auf dem Steine verweilend, betrachtet sie lange, regungslos auf seinen Schild gelehnt; dann redet er sie mit verstellter – tieferer – Stimme an | 81 | 20 | Vergessenheit Gibichungen | |||||||||||||||
| Brünnhild’! Ein Freier kam, | 74 | Tarnhelm | |||||||||||||||||
| den dein Feuer nicht geschreckt. | 74 | ||||||||||||||||||
| Dich werb’ ich nun zum Weib: | 81 | Vergessenheit | |||||||||||||||||
| du folge willig mir! | 20 | Gibichungen | |||||||||||||||||
| Brünnhilde | heftig zitternd | ||||||||||||||||||
| Wer ist der Mann, | |||||||||||||||||||
| der das vermochte, | 74 | Tarnhelm | |||||||||||||||||
| was dem Stärksten nur bestimmt? | 74 | ||||||||||||||||||
| Siegfried | unverändert wie zuvor | ||||||||||||||||||
| Ein Helde, der dich zähmt, | 81 | Vergessenheit | |||||||||||||||||
| bezwingt Gewalt dich nur. | 20 | Gibichungen | |||||||||||||||||
| Brünnhilde | von Grausen erfaßt | ||||||||||||||||||
| Ein Unhold schwang sich auf jenen Stein! | |||||||||||||||||||
| Ein Aar kam geflogen, | 99 | Wehe | |||||||||||||||||
| mich zu zerfleischen! | 99 | ||||||||||||||||||
| Wer bist du, Schrecklicher? | |||||||||||||||||||
| Langes Schweigen | |||||||||||||||||||
| Stammst du von Menschen? | 74 | Tarnhelm | |||||||||||||||||
| Kommst du von Hellas nächtlichem Heer? | 74 | ||||||||||||||||||
| Siegfried | wie zuvor, mit etwas bebender Stimme beginnend, alsbald aber wieder sicherer fortfahrend | 81 | Vergessenheit | ||||||||||||||||
| Ein Gibichung bin ich, | |||||||||||||||||||
| und Gunther heißt der Held, | |||||||||||||||||||
| dem, Frau, du folgen sollst. | 20 | Gibichungen | |||||||||||||||||
| Brünnhilde | in Verzweiflung ausbrechend | ||||||||||||||||||
| Wotan! Ergrimmter, grausamer Gott! | |||||||||||||||||||
| Weh’! Nun erseh’ ich der Strafe Sinn: | 78 | Unheil | |||||||||||||||||
| zu Hohn und Jammer jagst du mich hin! | 99 | Wehe | |||||||||||||||||
| Siegfried | springt vom Stein herab und tritt näher heran | 74 | 25 | Tarnhelm Hagen | |||||||||||||||
| Die Nacht bricht an: | 74 | ||||||||||||||||||
| in diesem Gemach | 81 | Vergessenheit | |||||||||||||||||
| mußt du dich mir vermählen! | 81 | ||||||||||||||||||
| Brünnhilde | indem sie den Finger, an dem sie Siegfrieds Ring trägt, drohend ausstreckt | ||||||||||||||||||
| Bleib’ fern! Fürchte dies Zeichen! | |||||||||||||||||||
| Zur Schande zwingst du mich nicht, | 59 | Ring | |||||||||||||||||
| solang’ der Ring mich beschützt. | 99 | 21 | Wehe Goldherrschaft | ||||||||||||||||
| Siegfried | Mannesrecht gebe er Gunther, | 25 | Hagen | ||||||||||||||||
| durch den Ring sei ihm vermählt! | |||||||||||||||||||
| Brünnhilde | Zurück, du Räuber! | ||||||||||||||||||
| Frevelnder Dieb! | |||||||||||||||||||
| Erfreche dich nicht, mir zu nahn! | 59 | Ring | |||||||||||||||||
| Stärker als Stahl macht mich der Ring: | 21 | Goldherrschaft | |||||||||||||||||
| nie – raubst du ihn mir! | 21 | 91 | Walküre | ||||||||||||||||
| Siegfried | Von dir ihn zu lösen, | 13 | Fluch | ||||||||||||||||
| lehrst du mich nun! | |||||||||||||||||||
| Er dringt auf sie ein; sie ringen miteinander. Brünnhilde windet sich los, flieht und wendet sich um, wie zur Wehr. Siegfried greift sie von neuem an. Sie flieht, er erreicht sie. Beide ringen heftig miteinander. Er faßt sie bei der Hand und entzieht ihrem Finger den Ring. Sie schreit heftig auf. Als sie wie zerbrochen in seinen Armen niedersinkt, streift ihr Blick bewußtlos die Augen Siegfrieds. – läßt die Machtlose auf die Steinbank vor dem Felsengemach niedergleiten | 99 | 91 | 17 | 13 | 25 | 37 | 5 | 74 | Wehe Walküre Gattenliebe Fluch Hagen Liebesglück Brünnhilde Tarnhelm | ||||||||||
| Jetzt bist du mein, | 81 | Vergessenheit | |||||||||||||||||
| Brünnhilde, Gunthers Braut. – | 81 | ||||||||||||||||||
| Gönne mir nun dein Gemach! | |||||||||||||||||||
| Brünnhilde | starrt ohnmächtig vor sich hin, matt | 51 | 5 | Nibelungenhass Brünnhilde | |||||||||||||||
| Was könntest du wehren, elendes Weib! | |||||||||||||||||||
| Siegfried treibt sie mit einer gebietenden Bewegung an. Zitternd und wankenden Schrittes geht sie in das Gemach | 25 | 78 | 51 | Hagen Unheil Nibelungenhass | |||||||||||||||
| Siegfried | das Schwert ziehend, mit seiner natürlichen Stimme | 25 | 77 | 65 | 83 | Treue Schwert Vertrag Blutbrüderschaft | |||||||||||||
| Nun, Notung, zeuge du, | 4 | ||||||||||||||||||
| daß ich in Züchten warb. | |||||||||||||||||||
| Die Treue wahrend dem Bruder, | 24 | Gutrune | |||||||||||||||||
| trenne mich von seiner Braut! | 65 | Schwert | |||||||||||||||||
| Er folgt Brünnhilde. – Der Vorhang fällt. | 77 | 74 | 81 | 5 | Treue Tarnhelm Vergessenheit Brünnhilde |
