Götterdämmerung 2. Aufzug 2. Szene

Zweite Szene
Der Rhein färbt sich immer stärker vom erglühenden Morgenrot. Hagen macht eine zuckende Bewegung. Siegfried tritt plötzlich, dicht am Ufer, hinter einem Busche hervor. Er ist in seiner eignen Gestalt; nur den Tarnhelm hat er noch auf dem Haupte: er zieht ihn jetzt ab und hängt ihn, während er hervorschreitet, in den Gürtel 7429Tarnhelm
Horn
SiegfriedHoiho, Hagen! Müder Mann!
Siehst du mich kommen?

Hagen gemächlich sich erhebend
Hei, Siegfried?
Geschwinder Helde?
Wo brausest du her?

SiegfriedVom Brünnhildenstein! 42Loge
Dort sog ich den Atem ein, 42
mit dem ich dich rief: 42
so schnell war meine Fahrt! 29Horn
Langsamer folgt mir ein Paar:
zu Schiff gelangt das her!

HagenSo zwangst du Brünnhild’?

SiegfriedWacht Gutrune?

Hagen in die Halle rufend
Hoiho, Gutrune! Komm’ heraus! 24Gutrune
Siegfried ist da: 42Loge
was säumst du drin?

42
Siegfried zur Halle sich wendend 42
Euch beiden meld’ ich, 42
wie ich Brünnhild’ band.
Gutrune tritt ihm aus der Halle entgegen 28Hochzeitsruf
Heiß’ mich willkommen, Gibichskind! 28
Ein guter Bote bin ich dir.

28
GutruneFreia grüße dich zu aller Frauen Ehre!

28
SiegfriedFrei und hold sei nun mir Frohem:
zum Weib gewann ich dich heut’.

GutruneSo folgt Brünnhild’ meinem Bruder?

SiegfriedLeicht ward die Frau ihm gefreit.

GutruneSengte das Feuer ihn nicht?

SiegfriedIhn hätt’ es auch nicht versehrt,
doch ich durchschritt es für ihn,
da dich ich wollt’ erwerben.

28Hochzeitsruf
GutruneUnd dich hat es verschont?

SiegfriedMich freute die schwelende Brunst.

GutruneHielt Brünnhild’ dich für Gunther?

4274Loge
SiegfriedIhm glich ich auf ein Haar: 4274Tarnhelm
der Tarnhelm wirkte das, 4274
wie Hagen tüchtig es wies.

4274
HagenDir gab ich guten Rat.

4274
GutruneSo zwangst du das kühne Weib?

4274
SiegfriedSie wich – Gunthers Kraft.

20Gibichungen
GutruneUnd vermählte sie sich dir?

SiegfriedIhrem Mann gehorchte Brünnhild’
eine volle bräutliche Nacht.

GutruneAls ihr Mann doch galtest du?

81Vergessenheit
SiegfriedBei Gutrune weilte Siegfried.

24Gutrune
GutruneDoch zur Seite war ihm Brünnhild’?

Siegfried auf sein Schwert deutend 77Treue
Zwischen Ost und West der Nord: 652583Schwert
Hagen
Vertrag
Blutbrüderschaft
so nah – war Brünnhild’ ihm fern.

4
GutruneWie empfing Gunther sie nun von dir?

SiegfriedDurch des Feuers verlöschende Lohe,
im Frühnebel vom Felsen folgte sie mir zu Tal; 42Loge
dem Strande nah, 42
flugs die Stelle tauschte Gunther mit mir: 4274Tarnhelm
durch des Geschmeides Tugend 4274
wünscht’ ich mich schnell hieher.
Ein starker Wind nun treibt 29Horn
die Trauten den Rhein herauf:
drum rüstet jetzt den Empfang!

GutruneSiegfried, mächtigster Mann!
Wie faßt mich Furcht vor dir!

81Vergessenheit
Hagen von der Höhe im Hintergrunde den Fluß hinabspähend
In der Ferne seh’ ich ein Segel.

SiegfriedSo sagt dem Boten Dank!

GutruneLasset uns sie hold empfangen, 28Hochzeitsruf
daß heiter sie und gern hier weile! 28
Du, Hagen, minnig rufe die Mannen 28
nach Gibichs Hof zur Hochzeit!
Frohe Frauen ruf’ ich zum Fest:
der Freudigen folgen sie gern.
Nach der Halle schreitend, wendet sie sich wieder um
Rastest du, schlimmer Held?

SiegfriedDir zu helfen, ruh’ ich aus.
Er reicht ihr die Hand und geht mit ihr in die Halle