Götterdämmerung 2. Aufzug 4. Szene 1

Vierte Szene
Gunther steigt mit Brünnhilde aus dem Kahne; die Mannen reihen sich ehrerbietig zu ihren Empfange. Während des Folgenden geleitet Gunther Brünnhilde feierlich an der Hand
MannenHeil dir, Gunther!
Heil dir und deiner Braut!
Willkommen!
Sie schlagen die Waffen tosend zusammen

Gunther Brünnhilde, welche bleich und gesenkten Blickes ihm folgt, den Mannen vorstellend 91Walküre
Brünnhild’, die hehrste Frau,
bring’ ich euch her zum Rhein.
Ein edleres Weib ward nie gewonnen.
Der Gibichungen Geschlecht,
gaben die Götter ihm Gunst,
zum höchsten Ruhm rag’ es nun auf!

Mannen feierlich an ihre Waffen schlagend
Heil! Heil dir,
glücklicher Gibichung!
Gunther geleitet Brünnhilde, die nie aufblickt, zur Halle, aus welcher jetzt Siegfried und Gutrune, von Frauen begleitet, heraustreten

9178Walküre
Unheil
Gunther hält vor der Halle an
Gegrüßt sei, teurer Held; 28Hochzeitsruf
gegrüßt, holde Schwester! 28
Dich seh’ ich froh ihm zur Seite, 16Gastfreundschaft
der dich zum Weib gewann. 16
Zwei sel’ge Paare 16
seh ich hier prangen: 16
Er führt Brünnhilde näher heran
Brünnhild’ und Gunther, 28Hochzeitsruf
Gutrun’ und Siegfried! 28
Brünnhilde schlägt erschreckt die Augen auf und erblickt Siegfried; wie in Erstaunen bleibt ihr Blick auf ihn gerichtet. Gunther, welcher Brünnhildes heftig zuckende Hand losgelassen hat, sowie alle übrigen zeigen starre Betroffenheit über Brünnhildes Benehmen

61257865Schicksal
Hagen
Unheil
Schwert
FrauenWas ist ihr? Ist sie entrückt? 6174Tarnhelm
Brünnhilde beginnt zu zittern

Siegfried geht ruhig einige Schritte auf Brünnhilde zu 81Vergessenheit
Was müht Brünnhildes Blick?

25Hagen
Brünnhilde kaum ihrer mächtig
Siegfried... hier...! Gutrune...?

28Hochzeitsruf
SiegfriedGunthers milde Schwester: 24Gutrune
mir vermählt wie Gunther du.

24
Brünnhilde furchtbar heftig
Ich.... Gunther... ? Du lügst! 61Schicksal
Sie schwankt und droht umzusinken: Siegfried, ihr zunächst, stützt sie
Mir schwindet das Licht ....
Sie blickt in seinen Armen matt zu Siegfried auf 5Brünnhilde
Siegfried – kennt mich nicht!

5
SiegfriedGunther, deinem Weib ist übel! 5
Gunther tritt hinzu
Erwache, Frau!
Hier steht dein Gatte.

Brünnhilde erblickt am ausgestreckten Finger Siegfrieds den Ring und schrickt mit furchtbarer Heftigkeit auf
Ha! – Der Ring – 59Ring
an seiner Hand! 59
Er – ? Siegfried?

13Fluch
FrauenWas ist?

Hagen aus dem Hintergrunde unter die Mannen tretend 51Nibelungenhass
Jetzt merket klug, 51
was die Frau euch klagt!

51
Brünnhilde sucht sich zu ermannen, indem sie die schrecklichste Aufregung gewaltsam zurückhält 51
Einen Ring sah ich an deiner Hand, – 51
nicht dir gehört er, 51
ihn entriß mir 51
auf Gunther deutend 51
– dieser Mann! 51
Wie mochtest von ihm 51
den Ring du empfahn?

51
Siegfried aufmerksam den Ring an seiner Hand betrachtend 51
Den Ring empfing ich nicht von ihm.

518154Vergessenheit
Rheingold
Brünnhilde zu Gunther 51
Nahmst du von mir den Ring, 5199Wehe
durch den ich dir vermählt; 5199
so melde ihm dein Recht, 5121Goldherrschaft
fordre zurück das Pfand!

51
Gunther in großer Verwirrung 51
Den Ring? Ich gab ihm keinen: 5181Vergessenheit
doch – kennst du ihn auch gut?

5181
BrünnhildeWo bärgest du den Ring, 5181
den du von mir erbeutet? 518154Rheingold
Gunther schweigt in höchster Betroffenheit
wütend auffahrend
Ha! – Dieser war es, 99Wehe
der mir den Ring entriß: 59Ring
Siegfried, der trugvolle Dieb! 59
Alles blickt erwartungsvoll auf Siegfried, welcher über der Betrachtung des Ringes in fernes Sinnen entrückt ist

5978Unheil
SiegfriedVon keinem Weib kam mir der Reif; 59
noch war’s ein Weib, dem ich ihn abgewann: 59106Wurm
genau erkenn’ ich des Kampfes Lohn, 11Fafner
den vor Neidhöhl’ einst ich bestand, 57Rheintöchtersang
als den starken Wurm ich erschlug.

1154Fafner
Rheingold
Hagen zwischen sie tretend
Brünnhild’, kühne Frau, 51Nibelungenhass
kennst du genau den Ring? 5154Rheingold
Ist’s der, den du Gunthern gabst, 51
so ist er sein, – 5125Hagen
und Siegfried gewann ihn durch Trug, 5167Siegfried
den der Treulose büßen sollt’!

81Vergessenheit
Brünnhilde in furchtbarstem Schmerze aufschreiend
Betrug! Betrug! Schändlichster Betrug! 59Ring
Verrat! Verrat! – Wie noch nie er gerächt!

597899Unheil
Wehe
GutruneVerrat? An wem?

78
FrauenVerrat? Verrat?

78
BrünnhildeHeil’ge Götter, himmlische Lenker! 90Walhall
Rauntet ihr dies in eurem Rat? 78Unheil
Lehrt ihr mich Leiden, wie keiner sie litt? 51Nibelungenhass
Schuft ihr mir Schmach, wie nie sie geschmerzt? 99Wehe
Ratet nun Rache, wie nie sie gerast!
Zündet mir Zorn, wie noch nie er gezähmt!
Heißet Brünnhild’ ihr Herz zu zerbrechen,
den zu zertrümmern, der sie betrog!

GuntherBrünnhild’, Gemahlin! 44Mannen
Mäß’ge dich!

44
BrünnhildeWeich’ fern, Verräter! 78Unheil
Selbst Verrat’ner – 78
Wisset denn alle: nicht ihm,
dem Manne dort bin ich vermählt.

FrauenSiegfried? Gutruns Gemahl?

78Unheil
MannenGutruns Gemahl?

BrünnhildeEr zwang mir Lust und Liebe ab.

27Hingebung
SiegfriedAchtest du so der eignen Ehre? 78Unheil
Die Zunge, die sie lästert,
muß ich der Lüge sie zeihen? 78Unheil
Hört, ob ich Treue brach! 25Hagen
Blutbrüderschaft 4Blutbrüderschaft
hab’ ich Gunther geschworen: 77Treue
Notung, das werte Schwert, 652583Schwert
Hagen
Vertrag
Blutbrüderschaft
wahrte der Treue Eid; 654
mich trennte seine Schärfe
von diesem traur’gen Weib.

65Schwert
BrünnhildeDu listiger Held, sieh’, wie du lügst! 78Unheil
Wie auf dein Schwert du schlecht dich berufst!
Wohl kenn’ ich seine Schärfe, 65Schwert
doch kenn’ auch die Scheide, 17Gattenliebe
darin so wonnig ruht’ an der Wand 1765Schwert
Notung, der treue Freund, 17
als die Traute sein Herr sich gefreit.

17
Mannen in lebhafter Entrüstung zusammentretend
Wie? Brach er die Treue? 44Mannen
Trübte er Gunthers Ehre?

44
FrauenBrach er die Treue?

17Gattenliebe
Gunther zu Siegfried
Geschändet wär’ ich, schmählich bewahrt, 175199Gattenliebe
Nibelungenhass
Wehe
gäbst du die Rede nicht ihr zurück! 17