Götterdämmerung 2. Aufzug 5. Szene

Fünfte Szene
Die Bühne ist leer geworden. Nur Brünnhilde, Gunther und Hagen bleiben zurück. Gunther hat sich in tiefer Scham und furchtbarer Verstimmung mit verhülltem Gesichte abseits niedergesetzt. Brünnhilde, im Vordergrunde stehend, blickt Siegfried und Gutrune noch eine Zeitlang schmerzlich nach und senkt dann das Haupt. 136511781739947Fluch
Entsagung
Nibelungenhass
Gattenliebe
Vergessenheit
Sühne
Wehe
Mord
Brünnhilde in starrem Nachsinnen befangen
Welches Unholds List liegt hier verhohlen? 7847Unheil
Mord
Schicksal
Welches Zaubers Rat regte dies auf? 7861
Wo ist nun mein Wissen gegen dies Wirrsal? 61
Wo sind meine Runen gegen dies Rätsel? 61
Ach Jammer! Jammer! Weh’, ach Wehe! 99Wehe
All mein Wissen wies ich ihm zu! 68Siegfriedliebe
In seiner Macht hält er die Magd; 17Gattenliebe
in seinen Banden faßt er die Beute, 17
die, jammernd ob ihrer Schmach, 17
jauchzend der Reiche verschenkt! 47Mord
Wer bietet mir nun das Schwert, 7899Unheil
mit dem ich die Bande zerschnitt’?

7899Wehe
Hagen dicht an sie herantretend
Vertraue mir, betrog’ne Frau! 71Speereid
Wer dich verriet, das räche ich.

71
Brünnhilde matt sich umblickend 71
An wem?

71
HagenAn Siegfried, der dich betrog.

71
BrünnhildeAn Siegfried?... Du? 71
bitter lächelnd
Ein einz’ger Blick seines blitzenden Auges, 37Liebesglück
– das selbst durch die Lügengestalt 81Vergessenheit
leuchtend strahlte zu mir, – 37Liebesglück
deinen besten Mut 29Horn
machte er bangen!

HagenDoch meinem Speere 71Speereid
spart ihn sein Meineid?

BrünnhildeEid und Meineid, müßige Acht! 67Siegfried
Nach Stärkrem späh’,
deinen Speer zu waffnen,
willst du den Stärksten bestehn!

47Mord
HagenWohl kenn’ ich Siegfrieds siegende Kraft,
wie schwer im Kampf er zu fällen; 47Mord
drum raune nun du mir klugen Rat, 42Loge
wie doch der Recke mir wich’?

42
BrünnhildeO Undank, schändlichster Lohn!
Nicht eine Kunst war mir bekannt,
die zum Heil nicht half seinem Leib’! 67Siegfried
Unwissend zähmt’ ihn mein Zauberspiel, 67
das ihn vor Wunden nun gewahrt.

HagenSo kann keine Wehr ihm schaden?

47Mord
BrünnhildeIm Kampfe nicht – ; doch
träfst du im Rücken ihn.... 51Nibelungenhass
Niemals – das wußt ich –
wich’ er dem Feind, 67Siegfried
nie reicht’ er fliehend ihm den Rücken: 65Schwert
an ihm drum spart’ ich den Segen.

HagenUnd dort trifft ihn mein Speer!
Er wendet sich rasch von Brünnhilde ab zu Gunther
Auf, Gunther, edler Gibichung! 9978Wehe
Unheil
Sühne
Hier steht dein starkes Weib: 73
was hängst du dort in Harm?

73
Gunther leidenschaftlich auffahrend 73
O Schmach! O Schande! 73
Wehe mir, dem jammervollsten Manne!

6Entsagung
HagenIn Schande liegst du; 78Unheil
leugn’ ich das?

78
Brünnhilde zu Gunther 78
O feiger Mann! Falscher Genoss’! 78
Hinter dem Helden hehltest du dich,
daß Preise des Ruhmes er dir erränge! 47Mord
Tief wohl sank das teure Geschlecht,
das solche Zagen gezeugt!

Gunther außer sich
Betrüger ich – und betrogen! 78Unheil
Verräter ich – und verraten! 78
Zermalmt mir das Mark! 73Sühne
Zerbrecht mir die Brust! 73
Hilf, Hagen! Hilf meiner Ehre! 99Wehe
Hilf deiner Mutter, 6Entsagung
die mich – auch ja gebar!

HagenDir hilft kein Hirn, 78Unheil
dir hilft keine Hand: 78
dir hilft nur – Siegfrieds Tod!

78
Gunther von Grausen erfaßt 78
Siegfrieds Tod!

7899Wehe
HagenNur der sühnt deine Schmach!

7899
Gunther vor sich hinstarrend 4Blutbrüderschaft
Blutbrüderschaft schwuren wir uns!

4
HagenDes Bundes Bruch sühne nun Blut!

4
GuntherBrach er den Bund?

73Sühne
HagenDa er dich verriet!

73
GuntherVerriet er mich?

BrünnhildeDich verriet er,
und mich verrietet ihr alle!
Wär’ ich gerecht, alles Blut der Welt
büßte mir nicht eure Schuld! 78Unheil
Doch des einen Tod taugt mir für alle: 475Mord
Brünnhilde
Siegfried falle – zur Sühne für sich und euch!

47
Hagen heimlich zu Gunther
Er falle – dir zum Heil! 25Hagen
Ungeheure Macht wird dir, 59Ring
gewinnst von ihm du den Ring, 59
den der Tod ihm wohl nur entreißt.

6Entsagung
Gunther leise
Brünnhildes Ring?

17Gattenliebe
HagenDes Nibelungen Reif.

9921Wehe
Goldherrschaft
Gunther schwer seufzend
So wär’ es Siegfrieds Ende!

HagenUns allen frommt sein Tod.

7899Unheil
Wehe
GuntherDoch Gutrune, ach, der ich ihn gönnte! 24Gutrune
Straften den Gatten wir so, 24
wie bestünden wir vor ihr?

24
Brünnhilde wild auffahrend 24
Was riet mir mein Wissen? 24
Was wiesen mich Runen? 24
Im hilflosen Elend achtet mir’s hell: 24
Gutrune heißt der Zauber, 28Hochzeitsruf
der den Gatten mir entrückt!
Angst treffe sie!

Hagen zu Gunther
Muß sein Tod sie betrüben, 82Verlockung
verhehlt sei ihr die Tat. 82
Auf muntres Jagen ziehen wir morgen: 8229Horn
der Edle braust uns voran, 29
ein Eber bracht’ ihn da um.

7899Unheil
BrünnhildeSo soll es sein! Siegfried falle! 7899Wehe
Sühn’ er die Schmach, die er mir schuf! 7351Sühne
Nibelungenhass
Des Eides Treue hat er getrogen:
mit seinem Blut büß’ er die Schuld!
Allrauner, rächender Gott!
Schwurwissender Eideshort!
Wotan! Wende dich her! 71Speereid
Weise die schrecklich heilige Schar, 9025Walhall
Hagen
Mord
hieher zu horchen dem Racheschwur!

47
HagenSterb’ er dahin, der strahlende Held!
Mein ist der Hort, mir muß er gehören.
Drum sei der Reif ihm entrissen.
Alben-Vater, gefallner Fürst!
Nachthüter! Niblungenherr!
Alberich! Achte auf mich! 71Speereid
Weise von neuem der Niblungen Schar, 9025Walhall
Hagen
Mord
dir zu gehorchen, des Ringes Herrn! 47
Als Gunther mit Brünnhilde heftig der Halle sich zuwendet, tritt ihnen der von dort heraustretende Brautzug entgegen. Knaben und Mädchen, Blumenstäbe schwingend, springen lustig voraus. Siegfried wird auf einem Schilde, Gutrune auf einem Sessel von den Männern getragen. Auf der Anhöhe des Hintergrundes führen Knechte und Mägde auf verschiedenen Bergpfaden Opfergeräte und Opfertiere zu den Weihsteinen herbei und schmücken diese mit Blumen. Siegfried und die Mannen blasen auf ihren Hörnern den Hochzeitsruf. Die Frauen fordern Brünnhilde auf, an Gutrunes Seite sie zu geleiten. Brünnhilde blickt starr zu Gutrune auf, welche ihr mit freundlichem Lächeln zuwinkt. Als Brünnhilde heftig zurücktreten will, tritt Hagen rasch dazwischen und drängt sie an Gunther, der jetzt von neuem ihre Hand erfaßt, worauf er selbst von den Männern sich auf den Schild heben läßt. Während der Zug, kaum unterbrochen, schnell der Höhe zu sich wieder in Bewegung setzt, fällt der Vorhang. 789928Unheil
Wehe
Hochzeitsruf