Götterdämmerung 3. Aufzug 1. Szene

Dritter Aufzug
Vorspiel und erste Szene
Wildes Wald- und Felsental am Rheine, welcher im Hintergrunde an einem steilen Abhange vorbeifließt.299928485754Horn
Wehe
Hochzeitsruf
Natur
Rheintöchtersang
Rheingold
Wasserspiel
Die drei Rheintöchter, Woglinde, Wellgunde und Flosshilde, tauchen aus der Flut auf und schwimmen, wie im Reigentanze, im Kreise umher98
Die drei Rheintöchter im Schwimmen mäßig einhaltend98
Frau Sonne sendet lichte Strahlen;98
Nacht liegt in der Tiefe:9854Rheingold
einst war sie hell,98
da heil und hehr98
des Vaters Gold noch in ihr glänzte.9854Rheingold
Rheingold! Klares Gold!98
Wie hell du einstens strahltest,98
hehrer Stern der Tiefe!98
Sie schließen wieder den Schwimmreigen98
Weialala leia, wallala leialala.98
Ferner Hornruf. Sie lauschen. Sie schlagen jauchzend das Wasser98
Frau Sonne, sende uns den Helden,98
der das Gold uns wiedergäbe!9854Rheingold
Ließ’ er es uns, dein lichtes Auge98
neideten dann wir nicht länger.9854Rheingold
Rheingold! Klares Gold!98
Wie froh du dann strahltest,98
freier Stern der Tiefe!98
man hört Siegfrieds Horn von der Höhe her

29Horn
WoglindeIch höre sein Horn.

WellgundeDer Helde naht.

FlosshildeLaßt uns beraten!
Sie tauchen alle drei schnell unter – Siegfried erscheint auf dem Abhange in vollen Waffen

98Wasserspiel
SiegfriedEin Albe führte mich irr,
daß ich die Fährte verlor:
He, Schelm, in welchem Berge
bargst du so schnell mir das Wild?

Die drei Rheintöchter tauchen wieder auf und schwimmen im Reigen98Wasserspiel
Siegfried!

98
FlosshildeWas schiltst du so in den Grund?

98
WellgundeWelchem Alben bist du gram?

98
WoglindeHat dich ein Nicker geneckt?

98
Die drei RheintöchterSag’ es, Siegfried, sag’ es uns!

98
Siegfried sie lächelnd betrachtend
Entzücktet ihr zu euch den zottigen Gesellen,
der mir verschwand?
Ist’s euer Friedel,
euch lustigen Frauen lass’ ich ihn gern.
Die Mädchen lachen laut auf

98Wasserspiel
WoglindeSiegfried, was gibst du uns,
wenn wir das Wild dir gönnen?

SiegfriedNoch bin ich beutelos;
so bittet, was ihr begehrt.

WellgundeEin goldner Ring ragt dir am Finger!

5459Rheingold
Ring
Die drei RheintöchterDen gib uns!

6Entsagung
SiegfriedEinen Riesenwurm erschlug ich um den Reif:106Wurm
für eines schlechten Bären Tatzen
böt’ ich ihn nun zum Tausch?

WoglindeBist du so karg?

98Wasserspiel
WellgundeSo geizig beim Kauf?

98
FlosshildeFreigebig solltest Frauen du sein.

98
SiegfriedVerzehrt’ ich an euch mein Gut,98
des zürnte mir wohl mein Weib.

98
FlosshildeSie ist wohl schlimm?

WellgundeSie schlägt dich wohl?

WoglindeIhre Hand fühlt schon der Held!
Sie lachen unmäßig

SiegfriedNun lacht nur lustig zu!98Wasserspiel
In Harm lass’ ich euch doch:98
denn giert ihr nach dem Ring,98
euch Nickern geb’ ich ihn nie!98
Die Rheintöchter haben sich wieder zum Reigen gefaßt

98
FlosshildeSo schön!

98
WellgundeSo stark!

98
WoglindeSo gehrenswert!

98
Die drei RheintöchterWie schade, daß er geizig ist!98
Sie lachen und tauchen unter

98
Siegfried tiefer in den Grund hinabsteigend
Was leid’ ich doch das karge Lob?
Lass’ ich so mich schmähn?
Kämen sie wieder zum Wasserrand,
den Ring könnten sie haben.
laut rufend
He! He, he! Ihr muntren Wasserminnen!98Wasserspiel
Kommt rasch! Ich schenk’ euch den Ring!98
Er hat den Ring vom Finger gezogen und hält ihn in die Höhe – Die drei Rheintöchter tauchen wieder auf. Sie zeigen sich ernst und feierlich

98
FlosshildeBehalt’ ihn, Held, und wahr’ ihn wohl,54Rheingold
bis du das Unheil errätst –

59Ring
Wellgundedas in dem Ring du hegst.

59
Die drei RheintöchterFroh fühlst du dich dann,59
befrein wir dich von dem Fluch.

6Entsagung
Siegfried steckt gelassen den Ring wieder an seinen Finger
So singet, was ihr wißt!

596Ring
Entsagung
Die drei RheintöchterSiegfried! Siegfried! Siegfried!99Wehe
Schlimmes wissen wir dir.

WellgundeZu deinem Unheil wahrst du den Reif!

59Ring
Die drei RheintöchterAus des Rheines Gold ist der Reif geglüht.

5954Rheingold
WellgundeDer ihn listig geschmiedet und schmählich verlor –

59
Die drei Rheintöchterder verfluchte ihn, in fernster Zeit13Fluch
zu zeugen den Tod dem, der ihn trüg’.

13
FlosshildeWie den Wurm du fälltest –59106Ring
Wurm
Fluch
so fällst auch du –

13
Die drei Rheintöchterund heute noch:
So heißen wir’s dir,99Wehe
tauschest den Ring du uns nicht –

5750Rheintöchtersang
Nibelungen
Flosshildeim tiefen Rhein ihn zu bergen:

57
Die drei RheintöchterNur seine Flut sühnet den Fluch!

4822Natur
Götterdämmerung
SiegfriedIhr listigen Frauen, laßt das sein!9861Wasserspiel
Schicksal
Traut’ ich kaum eurem Schmeicheln,98
euer Drohen schreckt mich noch minder!

98
Die drei RheintöchterSiegfried! Siegfried!99Wehe
Wir weisen dich wahr.
Weiche, weiche dem Fluch!22Götterdämmerung
Ihn flochten nächtlich webende Nornen6659Seil
in des Urgesetzes Seil!

6659Ring
SiegfriedMein Schwert zerschwang einen Speer:83Vertrag
des Urgesetzes ewiges Seil,5966Ring
Seil
Siegfried
flochten sie wilde Flüche hinein,596667
Notung zerhaut es den Nornen!65Schwert
Wohl warnte mich einst11Fafner
vor dem Fluch ein Wurm,11
doch das Fürchten lehrt’ er mich nicht!11
Er betrachtet den Ring
Der Welt Erbe gewänne mir ein Ring:90Walhall
für der Minne Gunst miss’ ich ihn gern;98Wasserspiel
ich geb’ ihn euch, gönnt ihr mir Lust.98
Doch bedroht ihr mir Leben und Leib:
faßte er nicht eines Fingers Wert,
den Reif entringt ihr mir nicht!
Denn Leben und Leib,99Wehe
seht: – so – werf’ ich sie weit von mir!59Ring
Er hebt eine Erdscholle vom Boden auf, hält sie über seinem Haupte und wirft sie mit den letzten Worten hinter sich

Die drei RheintöchterKommt, Schwestern!98Wasserspiel
Schwindet dem Toren!98
So weise und stark verwähnt sich der Held,98
als gebunden und blind er doch ist.98
Sie schwimmen, wild aufgeregt, in weiten Schwenkungen dicht an das Ufer heran98
Eide schwur er – und achtet sie nicht.98
Wieder heftige Bewegung98
Runen weiß er – und rät sie nicht!

98
WoglindeEin hehrstes Gut ward ihm vergönnt.

985Brünnhilde
Die drei RheintöchterDaß er’s verworfen, weiß er nicht;

Flosshildenur den Ring, –

Wellgundeder zum Tod ihm taugt, –

Die drei Rheintöchterden Reif nur will er sich wahren!
Leb’ wohl, Siegfried!9859Wasserspiel
Ein stolzes Weib9859Ring
wird noch heute dich Argen beerben:9859
sie beut uns besseres Gehör:9859
Zu ihr! Zu ihr! Zu ihr!98
Sie wenden sich schnell zum Reigen, mit welchem sie gemächlich dem Hintergrunde zu fortschwimmen – Siegfried sieht ihnen lächelnd nach, stemmt ein Bein auf ein Felsstück am Ufer und verweilt mit auf der Hand gestütztem Kinne98
Weialala leia, wallala leialala.

98
SiegfriedIm Wasser, wie am Lande98
lernte nun ich Weiberart:98
wer nicht ihrem Schmeicheln traut,98
den schrecken sie mit Drohen;98
wer dem kühnlich trotzt,98
dem kommt dann ihr Keifen dran.98
Die Rheintöchter sind hier gänzlich verschwunden98
Und doch, trüg’ ich nicht Gutrun’ Treu, –98
der zieren Frauen eine98
hätt’ ich mir frisch gezähmt!98
Er blickt ihnen unverwandt nach

98
Die drei Rheintöchter in größerer Entfernung98
La, la!98
Jagdhornrufe kommen von der Höhe näher13289929Fluch
Hochzeitsruf
Wehe
Horn