Götterdämmerung 3. Aufzug 2. Szene

Zweite Szene
Hagen seine Stimme von fern
Hoiho!
Siegfried fährt aus seiner träumerischen Entrücktheit auf und antwortet dem vernommenen Rufe auf seinem Horne

Mannen außerhalb der Szene
Hoiho! Hoiho!

Siegfried antwortend
Hoiho! Hoiho! Hoihe!

Hagen kommt auf der Höhe hervor. Gunther folgt ihm. Siegfried erblickend
Finden wir endlich,
wohin du flogest?

SiegfriedKommt herab! Hier ist’s frisch und kühl! 982928Wasserspiel
Horn
Hochzeitsruf
Die Mannen kommen alle auf der Höhe an und steigen nun mit Hagen und Gunther herab

982928
HagenHier rasten wir und rüsten das Mahl. 982928
Jagdbeute wird zuhauf gelegt
Laßt ruhn die Beute und bietet die Schläuche!
Trinkhörner und Schläuche werden hervorgeholt, dann lagert sich alles 29Horn
Der uns das Wild verscheuchte,
nun sollt ihr Wunder hören,
was Siegfried sich erjagt.

Siegfried lachend
Schlimm steht es um mein Mahl:
von eurer Beute bitte ich für mich.

HagenDu beutelos?

SiegfriedAuf Waldjagd zog ich aus, 9829Wasserspiel
Horn
doch Wasserwild zeigte sich nur. 9829
War ich dazu recht beraten, 9829
drei wilde Wasservögel 9829
hätt’ ich euch wohl gefangen, 9829
die dort auf dem Rheine mir sangen, 9829
erschlagen würd’ ich noch heut’. 7899Unheil
Wehe
Er lagert sich zwischen Gunther und Hagen – Gunther erschrickt und blickt düster auf Hagen

HagenDas wäre üble Jagd,
wenn den Beutelosen selbst
ein lauernd Wild erlegte!

SiegfriedMich dürstet!

Hagen indem er für Siegfried ein Trinkhorn füllen läßt und es diesem dann darreicht
Ich hörte sagen, Siegfried,
der Vögel Sangessprache 88Waldvogel
verstündest du wohl: 88
so wäre das wahr?

88
SiegfriedSeit lange acht’ ich des Lallens nicht mehr. 88
Er faßt das Trinkhorn und wendet sich damit zu Gunther. Er trinkt und reicht das Horn Gunther hin
Trink’, Gunther, trink’! 28Hochzeitsruf
Dein Bruder bringt es dir!

Gunther gedankenvoll und schwermütig in das Horn blickend, dumpf
Du mischtest matt und bleich: 73Sühne
noch gedämpfter
dein Blut allein darin!

7899Unheil
Wehe
Siegfried lachend
So misch’ ich’s mit dem deinen!
Er gießt aus Gunthers Horn in das seine, so daß dieses überläuft 2842Hochzeitsruf
Loge
Nun floß gemischt es über:
der Mutter Erde laß das ein Labsal sein!

Gunther mit einem heftigen Seufzer 42Loge
Du überfroher Held!

Siegfried leise zu Hagen
Ihm macht Brünnhilde Müh?

74Tarnhelm
Hagen leise zu Siegfried
Verstünd’ er sie so gut,
wie du der Vögel Sang!

SiegfriedSeit Frauen ich singen hörte, 98Wasserspiel
vergaß ich der Vöglein ganz.

88Waldvogel
HagenDoch einst vernahmst du sie?

Siegfried sich lebhaft zu Gunther wendend
Hei! Gunther, grämlicher Mann!
Dankst du es mir,
so sing’ ich dir Mären 50Nibelungen
aus meinen jungen Tagen.

GuntherDie hör’ ich so gern. 50Nibelungen
Alle lagern sich nah an Siegfried, welcher allein aufrecht sitzt, während die andern tiefer gestreckt liegen

88Waldvogel
HagenSo singe, Held!

SiegfriedMime hieß ein mürrischer Zwerg: 50Nibelungen
in des Neides Zwang zog er mich auf, 50
daß einst das Kind, wann kühn es erwuchs,
einen Wurm ihm fällt’ im Wald, 106Wurm
der faul dort hütet’ einen Hort. 106
Er lehrte mich schmieden und Erze schmelzen; 10646Mimes Erziehungslied
doch was der Künstler selber nicht konnt’, 106
des Lehrlings Mute mußt’ es gelingen: 106
eines zerschlagnen Stahles Stücke 106
neu zu schmieden zum Schwert. 65Schwert
Des Vaters Wehr fügt’ ich mir neu: 52Nothung
nagelfest schuf ich mir Notung. 52
Tüchtig zum Kampf dünkt’ er dem Zwerg; 23Grübel
der führte mich nun zum Wald: 106Wurm
dort fällt’ ich Fafner, den Wurm.
Jetzt aber merkt wohl auf die Mär’:
Wunder muß ich euch melden. 94Wälsungenleid
Von des Wurmes Blut
mir brannten die Finger;
sie führt’ ich kühlend zum Mund:
kaum netzt’ ein wenig
die Zunge das Naß, –
was da die Vöglein sangen,
das konnt’ ich flugs verstehn.
Auf den Ästen saß es und sang: 89Waldweben
«Hei! Siegfried gehört nun 8988Waldvogel
der Niblungen Hort! 8988
Oh! Fänd’ in der Höhle 8988
den Hort er jetzt! 8988
Wollt’ er den Tarnhelm gewinnen, 8988
der taugt’ ihm zu wonniger Tat! 8988
Doch möcht’ er den Ring sich erraten, 8988
der macht ihn zum Walter der Welt!»

8988
HagenRing und Tarnhelm trugst du nun fort?

89
MannenDas Vöglein hörtest du wieder?

89
SiegfriedRing und Tarnhelm hatt’ ich gerafft: 8994Wälsungenleid
da lauscht’ ich wieder dem wonnigen Laller; 89
der saß im Wipfel und sang: 89
«Hei, Siegfried gehört nun der Helm und der Ring. 8988Waldvogel
O traute er Mime, dem Treulosen, nicht! 8988
Ihm sollt’ er den Hort nur erheben; 8988
nun lauert er listig am Weg: 8988
nach dem Leben trachtet er Siegfried. 8988
Oh, traute Siegfried nicht Mime!»

8988
HagenEs mahnte dich gut?

8994Wälsungenleid
Vier MannenVergaltest du Mime?

8994
SiegfriedMit tödlichem Tranke trat er zu mir;
bang und stotternd gestand er mir Böses:
Notung streckte den Strolch!

Hagen grell lachend
Was er nicht geschmiedet, 50Nibelungen
schmeckte doch Mime!

50
Zwei Mannen nacheinander
Was wies das Vöglein dich wieder?

Hagen läßt ein Trinkhorn neu füllen und träufelt den Saft eines Krautes hinein
Trink’ erst, Held, aus meinem Horn: 82Verlockung
ich würzte dir holden Trank, 82
die Erinnerung hell dir zu wecken, 74Tarnhelm
er reicht Siegfried das Horn 8117945Vergessenheit
Gattenliebe
Wälsungenleid
Brünnhilde
daß Fernes nicht dir entfalle!

Siegfried blickt gedankenvoll in das Horn und trinkt dann langsam
In Leid zu dem Wipfel lauscht’ ich hinauf;
da saß es noch und sang: 89Waldweben
«Hei, Siegfried erschlug nun den schlimmen Zwerg! 8988Waldvogel
Jetzt wüßt’ ich ihm noch das herrlichste Weib. 8988
Auf hohem Felsen sie schläft, 8988
Feuer umbrennt ihren Saal; 8988
durchschritt’ er die Brunst, 8988
weckt’ er die Braut – 8988
Brünnhilde wäre dann sein!»

8988
HagenUnd folgtest du des Vögleins Rate?

8988
SiegfriedRasch ohne Zögern zog ich nun aus, 8988
Gunther hört mit wachsendem Erstaunen zu
bis den feurigen Fels ich traf: 12Feuerzauber
die Lohe durchschritt ich 12
und fand zum Lohn – 12
in immer größere Verzückung geratend
schlafend ein wonniges Weib 14Freia
in lichter Waffen Gewand. 87Waberlohe
Den Helm löst’ ich der herrlichen Maid; 87
mein Kuß erweckte sie kühn: 87
oh, wie mich brünstig da umschlang 68Siegfriedliebe
der schönen Brünnhilde Arm!

Gunther in höchstem Schrecken aufspringend
Was hör’ ich!
Zwei Raben fliegen aus einem Busche auf, kreisen über Siegfried und fliegen dann, dem Rheine zu, davon

HagenErrätst du auch dieser Raben Geraun’?
Siegfried fährt heftig auf und blickt, Hagen den Rücken zukehrend, den Raben nach 1399Fluch
Wehe
Rache rieten sie mir!
Er stößt seinen Speer in Siegfrieds Rücken: Gunther fällt ihm – zu spät – in den Arm. Siegfried schwingt mit beiden Händen seinen Schild hoch empor, um Hagen damit zu zerschmettern: die Kraft verläßt ihn, der Schild entsinkt ihm rückwärts; er selbst stürzt krachend über dem Schilde zusammen

67Siegfried
Vier Mannen welche vergebens Hagen zurückzuhalten versucht 75Tod
Hagen! Was tust du?

75
Zwei andereWas tatest du?

75
GuntherHagen, was tatest du?

757361Sühne
Schicksal
Hagen auf den zu Boden Gestreckten deutend 7573
Meineid rächt’ ich! 7573
Er wendet sich ruhig zur Seite ab und verliert sich dann einsam über die Höhe, wo man ihn langsam durch die bereits mit der Erscheinung der Raben eingebrochenen Dämmerung von dannen schreiten sieht. Gunther beugt sich schmerzergriffen zu Siegfrieds Seite nieder. Die Mannen umstehen teilnahmsvoll den Sterbenden

7561Schicksal
Siegfried von zwei Mannen sitzend erhalten, schlägt die Augen glanzvoll auf
Brünnhilde! Heilige Braut! 10Erwachen
Wach’ auf! Öffne dein Auge!
Wer verschloß dich wieder in Schlaf? 61Schicksal
Wer band dich in Schlummer so bang?
Der Wecker kam; er küßt dich wach, 67Siegfried
und aber – der Braut bricht er die Bande: 67
da lacht ihm Brünnhildes Lust! – 67
Ach! Dieses Auge, ewig nun offen! 7Entzückung
Ach, dieses Atems wonniges Wehen! 7
Süßes Vergehen – seliges Grauen: 32Jubel
Brünnhild’ bietet mir – Gruß! 61Schicksal
Er sinkt zurück und stirbt. Regungslose Trauer der Umstehenden. Die Nacht ist hereingebrochen. Auf die stumme Ermahnung Gunthers erheben die Mannen Siegfrieds Leiche und geleiten mit dem Folgenden sie in feierlichem Zuge über die Felsenhöhe langsam von dannen. Gunther folgt der Leiche zunächst 759493Tod
Wälsungenleid
Wälsungen
Orchesterzwischenspiel: Trauermusik beim Tode Siegfrieds
Der Mond bricht durch die Wolken hervor und beleuchtet immer heller den die Berghöhe erreichenden Trauerzug. Dann steigen Nebel aus dem Rheine auf und erfüllen allmählich die ganze Bühne, auf welcher der Trauerzug bereits unsichtbar geworden ist, bis nach vorne, so daß diese während des Zwischenspiels gänzlich verhüllt bleibt. 1009469356575265Wehwalt
Wälsungenleid
Sieglinde
Liebe
Schwert
Tod
Helden
Brünnhilde
Als sich die Nebel wieder verteilen, tritt die Halle der Gibichungen, wie im ersten Aufzuge, immer erkennbarer hervor 99211326Wehe
Goldherrschaft
Fluch