Götterdämmerung 3. Aufzug 3. Szene 2

Brünnhilde allein in der Mitte; nachdem sie lange, zuerst mit tiefer Erschütterung, dann mit fast überwältigender Wehmut das Angesicht Siegfrieds betrachtet, wendet sie sich mit feierlicher Erhebung an die Männer und Frauen. Zu den Mannen103Weltesche
Starke Scheite schichtet mir dort103
am Rande des Rheins zuhauf!103
Hoch und hell lodre die Glut,12Feuerzauber
die den edlen Leib12
des hehrsten Helden verzehrt.6722Siegfried
Götterdämmerung
Walküre
Sein Roß führet daher,91
daß mit mir dem Recken es folge:9112Feuerzauber
denn des Helden heiligste Ehre zu teilen,911267Siegfried
verlangt mein eigener Leib.9112
Vollbringt Brünnhildes Wunsch!10312Weltesche
Die jüngeren Männer errichten während des Folgenden vor der Halle nahe am Rheinufer einen mächtigen Scheiterhaufen, Frauen schmücken ihn mit Decken, auf die sie Kräuter und Blumen streuen103
versinkt von neuem in die Betrachtung des Antlitzes der Leiche Siegfrieds. Ihre Mienen nehmen eine immer sanftere Verklärung an7Entzückung
Wie Sonne lauter strahlt mir sein Licht:7
der Reinste war er, der mich verriet!7
Die Gattin trügend, – treu dem Freunde, –7
von der eignen Trauten – einzig ihm teuer –7
schied er sich durch sein Schwert.65Schwert
Echter als er schwur keiner Eide;7Entzückung
treuer als er hielt keiner Verträge;7
lautrer als er liebte kein andrer:7
und doch, alle Eide, alle Verträge,7
die treueste Liebe trog keiner wie er! –777Treue
Wißt ihr, wie das ward?76Todesklage
nach oben blickend
O ihr, der Eide ewige Hüter!90Walhall
Lenkt euren Blick auf mein blühendes Leid:
erschaut eure ewige Schuld!76Todesklage
Meine Klage hör’, du hehrster Gott!9561Wälsungenliebe
Durch seine tapferste Tat,9561Schicksal
dir so tauglich erwünscht,9561
weihtest du den, der sie gewirkt,9561
dem Fluche, dem du verfielest:9561
mich mußte der Reinste verraten,
daß wissend würde ein Weib!61Schicksal
Weiß ich nun, was dir frommt? –61
Alles, alles, alles weiß ich,61
alles ward mir nun frei!
Auch deine Raben hör’ ich rauschen;99Wehe
mit bang ersehnter Botschaft
send’ ich die beiden nun heim.13Fluch
Ruhe, ruhe, du Gott! –579080Rheintöchtersang
Walhall
Unruhe
Weltesche
Götterdämmerung
Natur
Sie winkt den Mannen, Siegfrieds Leiche auf den Scheiterhaufen zu tragen; zugleich zieht sie von Siegfrieds Finger den Ring ab und betrachtet ihn sinnend1032248
Mein Erbe nun nehm’ ich zu eigen.59Ring
Verfluchter Reif! Furchtbarer Ring!59
Dein Gold fass’ ich und geb’ es nun fort.
Der Wassertiefe weise Schwestern,5798Rheintöchtersang
Wasserspiel
Rheintöchter
des Rheines schwimmende Töchter,56
euch dank’ ich redlichen Rat.5798Rheintöchtersang
Was ihr begehrt, ich geb’ es euch:5798Wasserspiel
aus meiner Asche nehmt es zu eigen!54Rheingold
Das Feuer, das mich verbrennt,54
rein’ge vom Fluche den Ring!
Ihr in der Flut löset ihn auf,98Wasserspiel
und lauter bewahrt das lichte Gold,9859Ring
das euch zum Unheil geraubt.13Fluch
Sie hat sich den Ring angesteckt und wendet sich jetzt zu dem Scheiterhaufen, auf welchem Siegfrieds Leiche ausgestreckt liegt. Sie entreißt einem Manne den mächtigen Feuerbrand, schwingt diesen und deutet nach dem Hintergrunde4283Loge
Vertrag
Fliegt heim, ihr Raben!42
Raunt es eurem Herren,42
was hier am Rhein ihr gehört!42
An Brünnhildes Felsen fahrt vorbei! –42
Der dort noch lodert,42
weiset Loge nach Walhall!42
Denn der Götter Ende dämmert nun auf.2248Götterdämmerung
Natur
So – werf’ ich den Brand22
in Walhalls prangende Burg.90Walhall
Sie schleudert den Brand in den Holzstoß, der sich schnell hell entzündet. Zwei Raben sind vom Felsen am Ufer aufgeflogen und verschwinden nach den Hintergrunde zu.42Loge
Brünnhilde gewahrt ihr Roß, welches zwei junge Männer hereinführen. Sie ist ihm entgegengesprungen, faßt es und entzäumt es schnell; dann neigt sie sich traulich zu ihm91Walküre
Grane, mein Roß!91
Sei mir gegrüßt!91

Den folgenden Ausschnitt kann man sich in
verschiedenen Interpretationen anhören!
Weißt du auch, mein Freund,91
wohin ich dich führe?91
Im Feuer leuchtend, liegt dort dein Herr,967Erlösung
Siegfried, mein seliger Held.967Siegfried
Dem Freunde zu folgen, wieherst du freudig?91Walküre
Lockt dich zu ihm die lachende Lohe?9112Feuerzauber
Fühl’ meine Brust auch, wie sie entbrennt;9Erlösung
helles Feuer das Herz mir erfaßt,9
ihn zu umschlingen, umschlossen von ihm,9
in mächtigster Minne vermählt ihm zu sein!9
Heiajoho! Grane!67Siegfried
Grüß’ deinen Herren!679Erlösung
Siegfried! Siegfried! Sieh!679
Selig grüßt dich dein Weib!679
Sie hat sich auf das Roß geschwungen und hebt es jetzt zum Sprunge. Sie sprengt es mit einem Satze in den brennenden Scheiterhaufen. Sogleich steigt prasselnd der Brand hoch auf, so daß das Feuer den ganzen Raum vor der Halle erfüllt und diese selbst schon zu ergreifen scheint. Entsetzt drängen sich Männer und Frauen nach dem äußersten Vordergrunde. Als der ganze Bühnenraum nur noch von Feuer erfüllt erscheint, verlischt plötzlich der Glutschein, so daß bald bloß ein Dampfgewölk zurückbleibt, welches sich dem Hintergrunde zu verzieht und dort am Horizont sich als finstere Wolkenschicht lagert. Zugleich ist vom Ufer her der Rhein mächtig angeschwollen und hat seine Flut über die Brandstätte gewälzt. Auf den Wogen sind die drei Rheintöchter herbeigeschwommen und erscheinen jetzt über der Brandstätte. Hagen, der seit dem Vorgange mit dem Ringe Brünnhildes Benehmen mit wachsender Angst beobachtet hat, gerät beim Anblick der Rheintöchter in höchsten Schreck. Er wirft hastig Speer, Schild und Helm von sich und stürzt wie wahnsinnig sich in die Flut.

911210257Walküre
Feuerzauber
Wellen
Rheintöchtersang
HagenZurück vom Ring!13Fluch
Woglinde und Wellgunde umschlingen mit ihren Armen seinen Nacken und ziehen ihn so, zurückschwimmend, mit sich in die Tiefe. Flosshilde, den anderen voran dem Hintergrunde zuschwimmend, hält jubelnd den gewonnenen Ring in die Höhe.9856Wasserspiel
Rheintöchter
Durch die Wolkenschicht, welche sich am Horizont gelagert, bricht ein rötlicher Glutschein mit wachsender Helligkeit aus. Von dieser Helligkeit beleuchtet, sieht man die drei Rheintöchter auf den ruhigeren Wellen des allmählich wieder in sein Bett zurückgetretenen Rheines, lustig mit dem Ringe spielend, im Reigen schwimmen.90569Walhall
Erlösung
Aus den Trümmern der zusammengestürzten Halle sehen die Männer und Frauen in höchster Ergriffenheit dem wachsenden Feuerschein am Himmel zu. Als dieser endlich in lichtester Helligkeit leuchtet, erblickt man darin den Saal Walhalls, in welchem die Götter und Helden, ganz nach der Schilderung Waltrautes im ersten Aufzuge, versammelt sitzen. Helle Flammen scheinen in dem Saal der Götter aufzuschlagen.90569103672257Weltesche
Siegfried
Götterdämmerung
Rheintöchtersang
Als die Götter von den Flammen gänzlich verhüllt sind, fällt der Vorhang
Ende der Götterdämmerung