Holländer 1. Aufzug 1. Szene

Der Fliegende Holländer
Entstehung: 1840-1841
Première: Dresden 1843
Erster Aufzug
Erste Szene
Nr. 1. Introduktion
Steiles Felsenufer. Das Meer nimmt den größten Teil der Bühne ein; weite Aussicht auf dasselbe. Finsteres Wetter; heftiger Sturm. Das Schiff Dalands hat soeben dicht beim Ufer Anker geworfen: die Matrosen sind mit geräuschvoller Arbeit beschäftigt, die Segel aufzuhissen, Taue auszuwerfen usw. Daland ist an Land gegangen; er ersteigt einen Felsen und sieht landeinwärts, die Gegend ist zu erkennen.
MatrosenHojohe! Hallojo! Hojohe! Ho! …

Daland vom Felsen herabkommend
Kein Zweifel! Sieben Meilen fort
trieb uns der Sturm vom sichren Port.
So nah dem Ziel nach langer Fahrt
war mir der Streich noch aufgespart!

SteuermannHo! Kapitän!

DalandAm Bord bei euch, wie steht’s?

SteuermannGut, Kapitän! Wir haben sichren Grund!

DalandSandwike ist’s! Genau kenn’ ich die Bucht.
Verwünscht! Schon sah am Ufer ich mein Haus!
Senta, mein Kind, glaub’ ich schon zu umarmen:
da bläst es aus dem Teufelsloch heraus!
Wer baut auf Wind, baut auf Satans Erbarmen!
an Bord gehend
Was hilft’s? Geduld! Der Sturn läßt nach;
wenn er so tobte, währt’s nicht lang.
He, Bursche! Lange war’t ihr wach:
zur Ruhe denn! Mir ist nicht bang!
Die Matrosen steigen in den Schiffsraum hinunter.
Nun, Steuermann, die Wache nimmst du wohl für mich?
Gefahr ist nicht, doch gut ist’s, wenn du wachst.

SteuermannSeid ausser Sorg’! Schlaft ruhig, Kapitän!
Daland geht in die Kajüte. Der Steuermann allein auf dem Verdeck.
Mit Gewitter und Sturm aus fernem Meer
mein Mädel, bin dir nah!
Über turmhohe Flut vom Süden her –
Mein Mädel, ich bin da!
Mein Mädel, wenn nich Südwind wär’,
ich nimmer wohl käm’ zu dir!
Ach, lieber Südwind, blas’ noch mehr!
Mein Mädel verlangt nach mir!
Hohojo! Hallohoho Jollohohoho!…
Eine Woge schwillt an und rüttelt heftig das Schiff.
Von des Südens Gestad’, aus weitem Land –
ich hab’ an dich gedacht!
Durch Gewitter und Meer vom Mohrenstrand
hab’ dir was mitgebracht.
Mein Mädel, preis’ den Südwinr .d hoch,
ich bring’ dir ein gülden Band;
Ach, lieber Südwind, blase doch!
Mein Mädel hätt’ gern den Tand.
Ho-ho! Je holla ho!…
Er kämpft mit der Müdigkeit und schläft endlich ein. Das Schiff des «Fliegenden Holländers» naht sich schnell der Küste nach der dem Schiffe des Norwegers entgegengesetzten Seite; mit einem furchtbaren Krach sinkt der Anker in den Grund. Der Steuermann zuckt aus dem Schlafe auf und brummt den Anfang seines Liedes erneut.
Mein Mädel, wenn nicht Südwind wär’...
Er schläft von neuem ein. Der Holländer kommt an das Land.