Holländer 2. Aufzug 2. Szene

Zweite Szene
Nr. 5. Duett
Senta will ebenfalls gehen; Erik hält sie zurürck.
ErikBleib’, Senta! Bleib’ nur einen Augenblick!
Aus meinen Qualen reiße mich!
Doch willst du, ach! so verdirb mich ganz!

SentaWas ist…? Was soll…?

ErikO Senta, sprich, was aus mir werden soll?
Dein Vater kommt: – eh’ wieder er verreist,
wird er vollbringen, was schon oft er wollte…

SentaUnd was meinst du?

ErikDir einen Gatten geben!
Mein Herz, voll Treue bis zum Sterben,
mein dürftig Gut, mein Jägerglück;
darf so um deine Hand ich werben?
Stößt mich dein Vater nicht zurück?
Wenn dann mein Herz im Jammer bricht,
sag, Senta, wer dann für mich spricht?

SentaAch, schweige, Erik, jetzt! Laß mich hinaus,
den Vater zu begrüßen!
Wenn nicht, wie sonst, an Bord die Tochter kommt,
wird er nicht zürnen müssen.

ErikDu willst mich fliehn?

SentaIch muß zum Port.

ErikDu weichst mir aus?

SentaAch, laß mich fort!

ErikFliehst du zurück vor dieser Wunde,
die du mir schlugst, dem Liebeswahn?
O, höre mich zu dieser Stunde,
hör’ meine letzte Frage an:
wenn dieses Herz im Jammer bricht,
wird’s Senta sein, die für mich spricht?

SentaWie? Zweifelst du an meinem Herzen?
Du zweifelst, ob ich gut dir bin?
O sag’, was weckt dir solche Schmerzen?
Was trübt mit Argwohn deinen Sinn?

ErikDein Vater, ach! – nach Schätzen geizt er nur…
Und Senta, du – wie dürft’ auf dich zu zählen?
Erfülltest du nur eine meiner Bitten?
Kränkst du mein Herz nicht jeden Tag?

SentaDein herz?

ErikWas soll ich denken? Jenes Bild…

SentaDas Bild?

ErikLaßt du von deiner Schwärmerei wohl ab?

SentaKann meinem Blick Teilnahme ich verwehren?

ErikUnd die Ballade- heut’ noch sangst du sie!

SentaIch bin ein Kind und weiß nicht, was ich singe.
O sag’, wie? Fürchtest du ein Lied, ein Bild?

ErikDu bist so bleich…
sag’, sollte ich’s nicht fürchten?

SentaSoll mich des Ärmsten
Schreckenslos nicht rühren?

ErikMein Leiden, Senta, rührt es dich nicht mehr?

SentaO, prahle nicht! Was kann dein Leiden sein?
Kennst jenes Unglücksel’gen Schicksal du?
Fühlst du den Schmerz, den tiefen Gram,
mit dem herab auf mich er sieht?
Ach, was die Ruhe für ewig ihm nahm,
wie schneidend Weh’ durch’s Herz mir zieht!

ErikWeh’ mir!
Es mahnt mich mein unsel’ger Traum!
Gott schütze dich! Satan hat dich umgarnt!

SentaWas schreckt dich so?

ErikSenta! Laß dir vertrau’n:
ein Traum ist’s! Hör’ ihn zur Warnung an!
Auf hohem Felsen lag’ ich träumend,
sah unter mir des Meeres Flut;
die Brandung hört’ ich, wie sich schäumend
am Ufer brach der Wogen Wut.
Ein fremdes Schiff am nahen Strande
erblickt’ ich, seltsam, wunderbar;
zwei Männer nahten sich dem Lande,
der ein’, ich sah’s, dein Vater war.

SentaDer andre?

ErikWohl erkannt’ ich ihn:
mit schwarzen Wams, bleicher Mien’…

SentaDer düstre Blick…

Erik auf das Bild deutend
Der Seemann, er.

SentaUnd ich?

ErikDu kamst vom Hause her,
du flogst, den Vater zu begrüßsen;
doch kaum noch sah ich an dich langen,
du stürztest zu des Fremden Füßen –
ich sah dich seine Knie umfangen…

SentaEr hub mich auf…

Erik…an seine Brust;
voll Inbrunst hingst du dich an ihn –
du küßtest ihn mit heißer Lust…

SentaUnd dann?

ErikSah ich auf’s Meer euch fliehn.

SentaEr sucht mich auf! Ich muß ihn sehn!

ErikEntsetzlich! Ha, mir wird es klar!

SentaMit ihm muß ich zugrunde gehn.

ErikSie ist dahin! Mein Traum sprach wahr!
Er stürzt voll Enstetzen ab.

SentaAch, möchtest du,
bleicher Seemann, sie finden!
Betet zum Himmel, daß bald ein Weib
Treue ihm…Ha!