Liebesverbot 1. Aufzug 2. Szene

Zweite Szene
Klosterhof im Kloster der Elisabethinerinnen. Man sieht auf der einen Seite in den Klostergarten, auf der anderen nach der Kirche. Im Mittelgrunde die Pforte.
Chor der Nonnen hinter der Szene
Salve regina coeli! Salve!
Isabella und Mariana kommen aus dem Garten.

MarianaGöttlicher Frieden, himmlische Ruh’
ist uns beschieden, lächelt uns zu!
Weltliche Schmerzen, lange beweinet,
fliehen die Herzen, liebend vereinet!

IsabellaGeheilet, hoff’ ich, ist die Wunde,
die du der Schwester stets verbargst;
verlangst du Trost, o so vertrau dem Munde
die lang’ verhüllten Schmerzen an!
Wir liebten uns seit früher Jugend,
doch seit drei Jahren schon getrennt
traf einzeln uns manch herb Geschick;
beraubt der Mutter und des Vaters,
suche ich Schutz in diesen Mauern;
hier treff’ ich dich in Schmerz und Leid,
doch schweigst du stets, nicht wert mich achtend,
zu teilen einer Schwester Gram!

MarianaO schweige, du allein nur bist’s,
von der ich Trost und Liebe hoffe!
Welch andre Schmerzen kennt ein Weib,
als die der Liebe?
Treulosigkeit des Mannes, den ich innig liebte,
zerstörte alle Lebenslust!
Ach, schon verband des Priesters Hand
das stille Bündnis unsrer Liebe,
doch er, der arm und unbekannt
Sizilien einst betrat,
gewann des Königs Gunst und stieg so hoch,
daß er, von Ehrgeiz nur entflammt,
der Liebe stilles Glück verschmähte
und mich, die Gattin, bald verließ!

Isabella voll Zorn
Ha, Schändlichkeit! Wer war der Mann?

MarianaDer jetzt hier herrschet, Friedrich war’s!

IsabellaIch kenne ihn, den falschen Mann,
den Heuchler. – Oh, – der Weiberschmach,
daß wir nur weiche Tränen haben,
nicht Rache solchem Männervolk!


Den folgenden Ausschnitt kann man sich anhören!
MarianaLaß mir die Träne, meinen Trost,
Ergebung lehrt mein neuer Stand;
die Schwester für den falschen Freund
gab mir der Himmel, – bin ich arm? –
Göttlicher Frieden, himmlische Ruh’
ist uns beschieden, lächelt uns zu;
weltliche Schmerzen, lange beweinet,
fliehen die Herzen, liebend vereinet!

IsabellaIch fliehe gern die falsche Welt,
da ich sie nicht vernichten kann;
wo uns ein Fluch gefesselt hält,
und niemand trotzt dem frechen Mann,
daß ungestraft ein solcher Wicht
die Ärmste kränken zu dürfen meint;
er achtet ihrer Schmerzen nicht,
um die ihr Leben sie verweint!
Es wird an der Pforte geläutet.
Man läutet, – keine Pförtnerin?
Geh du, – ich öffne selbst!
Mariana entfernt sich, Isabella blickt ihr nach, eilt noch einmal auf sie zu und umarmt sie.
Du Ärmste!
Dann geht Mariana ganz ab. Isabella öffnet.