Lohengrin 1. Aufzug 3. Szene 2

Drei sächsische Edle treten für Lohengrin, drei brabantische für Friedrich vor, sie messen mit feierlichen Schritten den Kampfplatz aus und stecken ihn, einen vollständigen Ring bildend, durch ihre Speere ab.
Der Heerrufer in der Mitte des Kampfringes
Nun höret mich und achtet wohl:
Den Kampf hier keiner stören soll!
Dem Hage bleibet abgewandt,
denn wer nicht wahrt des Friedens Recht,
der Freie büß’ es mit der Hand,
mit seinem Haupte büß’ es der Knecht!

Alle MännerDer Freie büß’ es mit der Hand,
mit seinem Haupte büß’ es der Knecht!

Der Heerrufer zu Lohengrin und Friedrich
Hört auch, ihr Streiter vor Gericht!
Gewahrt in Treue Kampfes Pflicht!
Durch bösen Zaubers List und Trug
stört nicht des Urteils Eigenschaft!
Gott richtet euch nach Recht und Fug,
so trauet ihm, nicht eurer Kraft!

Lohengrin zu beiden Seiten außerhalb des Kampfkreises stehend
Gott richte mich nach Recht und Fug,
so trau’ ich ihm, nicht meiner Kraft!

König Heinrich mit großer Feierlichkeit in die Mitte vorschreitend
Mein Herr und Gott, nun ruf ich dich,
Alle entblößen das Haupt und lassen sich zur feierlichsten Andacht an.
daß du dem Kampf zugegen seist!
Durch Schwertes Sieg ein Urteil sprich,
das Trug und Wahrheit klar erweist!
Des Reinen Arm gib Heldenkraft,
des Falschen Stärke sei erschlafft!
So hilf uns, Gott, zu dieser Frist,
weil unsre Weisheit Einfalt ist!

ElsaDu kündest nun dein wahr Gericht,
mein Gott und Herr, drum zag’ ich nicht! usw.

OrtrudIch baue fest auf seine Kraft,
die, wo er kämpft, ihm Sieg verschafft! usw.

FriedrichIch geh’ in Treu vor dein Gericht!
Herr Gott, nun verlaß mein’ Ehre nicht!

König HeinrichMein Herr und Gott, dich rufe ich! usw.
So künde nun dein wahr Gericht!
Mein Herr und Gott, nun zögre nicht!

Der HeerruferDes Reinen Arm gib Heldenkraft usw.
So künde nun dein wahr’ Gericht,
du Herr und Gott, nun zögre nicht!

Die FrauenSegne ihn! Herr, mein Gott! Segne ihn!
Alle treten unter großer feierlicher Aufmerksamkeit an ihre Plätze zurück. Die sechs Kampfzeugen bleiben bei ihren Speeren dem Ringe zunächst, die übrigen Männer stellen sich in geringerer Weite um ihn her. Elsa und die Frauen im Vordergrund unter der Eiche beim König. Auf des Heerrufers Zeichen blasen die Heerhornbläser den Kampfruf. Lohengrin und Friedrich vollenden ihre Waffenrüstung. Der König zieht sein Schwert und schlägt damit dreimal an den an der Eiche aufgehängten Schild. Beim ersten Schlage nehmen Lohengrin und Friedrich die Kampfstellung ein; beim zweiten ziehen sie die Schwerter und legen sich aus; beim dritten Schlage beginnen sie den Kampf. Lohengrin greift zuerst an. Nach mehreren ungestümen Gängen streckt er mit einem weitausgeholten Streiche seinen Gegner zu Boden. Friedrich versucht sich wieder zu erheben, taumelt einige Schritte zurück und stürzt zu Boden. Mit Friedrichs Fall ziehen die Sachsen und Thüringer ihre Schwerter aus der Erde, die Brabanter nehmen die ihrigen auf.

Lohengrin das Schwert auf Friedrichs Hals setzend
Durch Gottes Sieg ist jetzt dein Leben mein:
Von ihm ablassend.
Ich schenk’ es dir, mögst du der Reu’ es weihn!
Der König nimmt seinen Schild von der Eiche. Alle Männer stoßen ihre Schwerter in die Scheiden. Die Kampfzeugen ziehen die Speere aus der Erde. Jubelnd brechen alle Edlen und Männer in den vorherigen Kampfkreis, so daß dieser von der Masse dicht erfüllt wird.

Alle Männer und FrauenSieg! Sieg! Sieg!
Heil! Heil dir, Heil!

König Heinrich sein Schwert ebenfalls in die Scheide stoßend
Sieg! Sieg!

ElsaO fänd’ ich Jubelweisen,
deinem Ruhme gleich,
dich würdig zu preisen,
an höchstem Lobe reich!
In dir muß ich vergehen,
vor dir schwind’ ich dahin,
soll ich mich selig sehen,
nimm alles, was ich bin!
Der König führt Elsa Lohengrin zu, sie sinkt an Lohengrins Brust.

König HeinrichErtöne, Siegesweise,
dem Helden laut zum höchsten Preise!
Ruhm deiner Fahrt!
Preis deinem Kommen!
Heil deiner Art,
Schützer der Frommen!
Du hast gewahrt
das Recht der Frommen,
Preis deinem Kommen,
Heil deiner Art!
Dich nur besingen wir,
dir schallen unsre Lieder!
Nie kehrt ein Held gleich dir
zu diesen Landen wieder!

Ortrud die Friedrichs Fall mit Wut gesehen, den finsteren Blick unverwandt auf Lohengrin geheftet
Wer ist’s, der ihn geschlagen,
durch den ich machtlos bin?

König HeinrichPreis deiner Fahrt!
Heil deiner Art!

Lohengrin Elsa von seiner Brust erhebend
Den Sieg hab’ ich erstritten
durch deine Rein’ allein;
nun soll, was du gelitten,
dir reich vergolten sein! usw.

Die FrauenWo fänd’ ich Jubelweisen,
seinem Ruhme gleich,
ihn würdig zu preisen,
an höchstem Lobe reich!
Du hast gewahrt usw.

Alle MännerDu hast gewahrt usw.

ElsaO fänd’ ich Jubelweisen usw.

König HeinrichHeil sei deiner Fahrt usw.

OrtrudWer ist’s, der ihn geschlagen usw.
Sollt’ ich vor ihm verzagen,
wär’ all mein Hoffen hin? usw.

Friedrich sich am Boden qualvoll windend
Weh, mich hat Gott geschlagen,
durch ihn ich sieglos bin!
Am Heil muß ich verzagen,
mein Ruhm und Ehr’ ist hin! usw.
Friedrich sinkt zu Ortruds Füßen ohnmächtig zusammen. Junge Sachsen erheben Lohengrin auf seinen Schild und Brabanter Elsa auf den Schild des Königs, auf welchen zuvor mehrere ihre Mäntel ausgebreitet haben; so werden beide unter Jauchzen davongetragen.