Lohengrin 2. Aufzug 3. Szene

Dritte Szene
Allmählicher Tagesanbruch. Zwei Wächter blasen vom Turm das Morgenlied; von einem entfernteren Turme hört man antworten. – Während die Türmer herabsteigen und das Tor erschließen, treten aus verschiedenen Richtungen der Burg Dienstmannen auf, begrüßen sie, gehen ruhen an ihre Verrichtungen usw. Einige schöpfen am Brunnen in metallenen Gefäßen Wasser, klopfen an die Pforte des Palas und werden damit eingelassen. – Die Pforte des Palas öffnet sich von neuem, die vier Heerhornbläser des Königs schreiten heraus und blasen den Ruf, dann treten sie wieder in den Palas zurück. Die Dienstmannen haben die Bühne verlassen. – Aus dem Burghofe und durch das Turmtor kommen nun immer zahlreicher brabantische Edle und Mannen vor dem Münster zusammen; sie begrüßen sich in heiterer Erregtheit.
Die Edlen und MannenIn Frühn versammelt uns der Ruf,
gar viel verheißet wohl der Tag!
Der hier so hehre Wunder schuf,
manch neue Tat vollbringen mag!
In Frühn versammelt uns der Ruf usw.
Der Heerrufer schreitet aus dem Palas auf die Erhöhung vor dessen Pforte heraus, die vier Heerhornbläser ihm voran. Der Königsruf wird wiederum geblasen; alle wenden sich in lebhafter Erwartung dem Hintergrunde zu

Der HeerruferDes Königs Wort und Will’ tu’ ich euch kund:
drum achtet wohl, was euch durch mich er sagt!
In Bann und Acht ist Friedrich Telramund,
weil untreu er den Gotteskampf gewagt.
Wer sein noch pflegt, wer sich zu ihm gesellt,
nach Reiches Recht derselben Acht verfällt.

Die MännerFluch ihm, dem Ungetreuen,
den Gottes Urteil traf!
Ihn soll der Reine scheuen,
es flieh’ ihn Ruh’ und Schlaf!
Fluch ihm, dem Ungetreuen!
Beim Rufe der Heerhörner sammelt sich das Volk schnell wieder zur Aufmerksamkeit.

Der HeerruferUnd weiter kündet euch der König an,
daß er den fremden, gottgesandten Mann,
den Elsa zum Gemahle sich ersehnt,
mit Land und Krone von Brabant belehnt.
Doch will der Held nicht Herzog sein genannt –
ihr sollt ihn heißen: Schützer von Brabant!

Die MännerHoch der ersehnte Mann!
Heil ihm, den Gott gesandt!
Treu sind wir untertan
dem Schützer von Brabant!
Hoch der ersehnte Mann usw..
Heil ihm! Heil dem Schützer von Brabant!
Neuer Ruf der Heerhornbläser.

Der HeerruferNun hört, was er durch mich euch sagen läßt:
Heut feiert er mit euch sein Hochzeitfest;
doch morgen sollt ihr kampfgerüstet nahn,
zur Heeresfolg’ dem König untertan;
er selbst verschmäht der süßen Ruh’ zu pflegen,
er führt euch an zu hehren Ruhmes Segen!
Er geht mit den vier Heerhornbläsern in den Palas zurück.

Die MännerZum Streite säumet nicht,
führt euch der Hehre an!
Wer mutig mit ihm ficht,
dem lacht des Ruhmes Bahn!
Auf! säumt zu streiten nicht,
führt euch der Hehre an!
Gott hat ihn gesandt
zur Größe von Brabant!
Von Gott ist er gesandt
zur Größe von Brabant!
Wer mutig mit ihn ficht usw.
Von Gott ist er gesandt!
Während das Volk freudig durcheinander wogt, treten im Vordergrunde vier Edle, Friedrichs sonstige Lehensmannen, zusammen.

Der dritte EdleNun hört, dem Lande will er uns entführen!

Der zweite EdleGen einen Feind, der uns noch nie bedroht?

Der vierte EdleSolch kühn Beginnen solle ihm nicht gebühren!

Der zweite EdleWer wehret ihm, wenn er die Fahrt gebot?

Friedrich ist unbemerkt unter sie getreten
Ich!
Er enthüllt sein Haupt.

Die vier Edlen fahren entsetzt zurück
Ha! Wer bist du? – Friedrich!

Der vierte EdleSeh’ ich recht?
Du wagst dich her, zur Beute jedem Knecht?
Hier wagst du dich her?

FriedrichGar bald will ich wohl weiter noch mich wagen,
vor euren Augen soll es leuchtend tagen!
Der euch so kühn die Heerfahrt angesagt,
der sei von mir des Gottestrugs beklagt!

Die vier EdlenWar hör’ ich? Rasender! Was hast du vor?
Weh dir! Verlorner du, hört dich des Volkes Ohr!
Sie drängen ihn nach dem Münster, wo sie ihn vor dem Blicke des Volkes zu verbergen suchen. – Vier Edelknaben treten aus der Tür der Kemenate auf den Söller, laufen munter den Hauptweg hinab und stellen sich vor dem Palas auf der Höhe auf. Das Volk, das die Knaben gewahrt, drängt sich mehr nach dem Vordergrunde.

Vier EdelknabenMacht Platz!
Macht Platz für Elsa, unsre Frau:
Die will in Gott zum Münster gehn.
Sie schreiten nach vorn, indem sie durch die willig zurückweichenden Edlen eine breite Gasse bis zu den Stufen des Münsters bilden, wo sie dann sich selbst aufstellen. – Vier andere Edelknaben treten gemessen und feierlich aus der Tür der Kemenate auf den Söller und stellen sich daselbst auf, um den Zug der Frauen, den sie erwarten, zu geleiten. – Ein langer Zug von Frauen in prächtigen Gewändern schreitet langsam aus der Pforte der Kemenate auf den Söller; er wendet sich links auf dem Hauptwege am Palas vorbei und von da wieder nach vorn dem Münster zu, auf dessen Stufen die zuerst Gekommenen sich aufstellen.