Meistersinger 2. Aufzug 7. Szene 2

Pogner ist im Nachtgewand oben an das Fenster getreten:
Um Gott! Eva, schließ zu!
Ich seh’, ob unt’ im Hause Ruh’!
Er zieht Magdalene, welche jammernd die Hände nach der Gasse hin ab gerungen, herein und schließt das Fenster.

LehrbubenHei juchhe!
Wacker drauf und dran! Wie ein Mann
steh’n wir alle fest zur Keilerei!

Die MeisterGebt Ruh und scher sich jeder heim!
Sonst schlagen wir Meister selbst noch drein!

GesellenImmer drauf und dran!
Jetzt gilt’s, keiner weiche hier!
Zünfte! Zünfte! Heraus!
Walther faßt Eva dicht in den linken Arm und zieht mit der rechten Hand das Schwert.

Die NachbarinnenImmer toller, wie sie lärmen, toben, schlagen!
Hier hilft einzig Wasser noch.
Hier an die Fenster her, bringt Wasser nur,
sonst schlagen sie sich tot!
Krug und Kanne, Topf und Hafen!
Alles voll, und gießt’s ihnen auf den Kopf!

WaltherJetzt gilt’s zu wagen, sich durchzuschlagen!
Er dringt mit geschwungenem Schwerte bis in die Mitte der Bühne vor, um sich mit Eva durchzuhauen. Da springt Sachs mit einem kräftigen Satze aus dem Laden, bahnt sich mit geschwungenem Knieriemen den Weg zu Walther und packt diesen beim Arm. Im gleichen Augenblicke hört man, rechts zur Seite im Vordergrunde, einen besonders starken Hornruf des Nachtwächters. Gleichzeitig haben die Frauen aus allen Fenstern starke Güsse von Wasser aus Kannen, Krügen und Becken auf die Streitenden hinabstürzen lassen; dieses, mit den besonders starken Tönen des Hornes zugleich, wirkt auf alle mit einem panischen Schrecken. Nachbarn, Lehrbuben, Gesellen und Meister suchen in eiliger Flucht nach allen Seiten hin das Weite, so daß die Bühne bald gänzlich leer wird. Die Haustüren werden hastig geschlossen, und auch die Nachbarinnen verschwinden von den Fenstern, welche sie zuschlagen.

Pogner auf der Treppe:
He, Lene! Wo bist du?

Sachs die halb ohnmächtige Eva die Treppe hinaufstoßend:
Ins Haus, Jungfer Lene!
Pogner empfängt Eva und zieht sie am Arm in das Haus. Sachs, mit dem Knieriemen David eins überhauend und mit einem Fußtritt ihn voran in den Laden stoßend, zieht Walther, den er mit der andern Hand fest gefaßt hält, gewaltsam schnell ebenfalls mit sich hinein und schließt sogleich fest hinter sich zu. Beckmesser, durch Sachs von David befreit, sucht sich, jämmerlich zerschlagen, eilig durch die Menge zu flüchten. – Als die Straße und Gasse leer geworden und alle Häuser geschlossen sind, betritt der Nachtwächter im Vordergrunde rechts die Bühne, reibt sich die Augen, sieht sich verwundert um, schüttelt den Kopf und stimmt mit leiser bebender Stimme den Ruf an:

Der NachtwächterHört, ihr Leut’, und laßt euch sagen:
die Glock’ hat eilfe geschlagen.
Bewahrt euch vor Gespenstern und Spuk,
daß kein böser Geist eur’ Seel’ beruck’!
Lobet Gott den Herrn.
Hornruf.
Der Vollmond tritt hervor und scheint hell in die Gasse hinein. Der Nachtwächter schreitet langsam dieselbe hinab. Als er um die Ecke biegt, fällt der Vorhang schnell mit dem letzten Takt