Meistersinger 2. Aufzug 6. Szene 3

Beckmesser stimmt die in der Wut unversehens heraufgeschraubte D-Saite wieder herunter. Sachs holt mit dem Hammer aus.
Beckmesser zur Laute:
«Den Tag seh’ ich erscheinen,
der mir wohlgefall’n tut.....
Sachs schlägt auf Beckmesser schüttelt sich.
«Da faßt mein Herz sich einen
Sachs schlägt auf Beckmesser setzt heftig ab, singt aber weiter.
guten und frischen –
Sachs hat aufgeschlagen, Beckmesser wendet sich wütend um die Ecke herum.
Treibt Ihr hier Scherz? Was wär’ nicht gelungen?

SachsBesser gesungen:
«Da faßt mein Herz sich einen guten,frischen –»

BeckmesserWie sollt’ sich das reimen
auf «Seh ich erscheinen»?

SachsIst Euch an der Weise nichts gelegen?
Mich dünkt, sollt’ passen Ton und Wort.

BeckmesserMit Euch zu streiten?
Laßt von den Schlägen,
sonst denkt Ihr mir dran!

SachsJetzt fahret fort!

BeckmesserBin ganz verwirrt!

SachsSo fangt noch mal an:
drei Schläg’ ich jetzt pausieren kann.

Beckmesser für sich:
Am besten, wenn ich ihn gar nicht beacht’.
Wenn’s nur die Jungfer nicht irre macht!
Den Tag seh’ ich erscheinen,
der mir wohl gefall’n tut;
da faßt mein Herz sich einen
guten und frischen Mut.
Da denk’ ich nicht an Sterben,
Sachs schlägt.
lieber an Werben
um jung’ Mägdeleins Hand.
Sachs schlägt.
Warum wohl aller Tage
schönster mag dieser sein?
Schlag. Ärgerlich.
Allen hier ich es sage:
Schlag
weil ein schönes Fräulein
zwei Schläge
von ihrem lieb’n Herrn Vater,
Sachs schlägt und nickt ironisch beifällig.
wie gelobt hat er,
viele kleine Schläge
ist bestimmt zum Eh’stand.
Fünf Schläge. Sehr ärgerlich.
Wer sich getrau’,
Schlag
der komm’ und schau’,
da steh’n die hold lieblich’ Jungfrau,
drei Schläge
auf die ich all mein’ Hoffnung bau’:
Schlag
darum ist der Tag so schön blau,
viele Schläge
als ich anfänglich fand.»
Er bricht wütend um die Ecke auf Sachs los.
Sachs! Seht, Ihr bringt mich um!
Wollt Ihr jetzt schweigen?

SachsIch bin ja stumm!
Die Zeichen merkt’ ich; wir sprechen dann:
derweil lassen die Sohlen sich an.

Beckmesser gewahrt, daß Magdalene sich vom Fenster entfernen will:
Sie entweicht? Pst, pst! – Herrgott! Ich muß!
Um die Ecke herum die Faust gegen Sachs ballend.
Sachs, Euch gedenk’ ich die Ärgernuß!
Er macht sich zum zweiten Vers fertig.

Sachs mit dem Hammer nach dem Leisten ausholend:
Merker am Ort! – Fahret fort!

Beckmesser immer stärker und atemloser:
«Will heut’ mir das Herz hüpfen,
Schlag
werben um Fräulein jung,
drei Schläge
doch tät’ der Vater knüpfen
Schlag
daran ein’ Bedingung
drei Schläge
für den, wer ihn beerben
will und auch werben
zwei Schläge
um sein Kindelein fein.
Viele Schläge.
Der Zunft ein bied’rer Meister
wohl sein’ Tochter er liebt,
drei Schläge
doch zugleich auch beweist er,
zwei Schläge
was er auf die Kunst gibt:
ununterbrochene Schläge
zum Preise muß es bringen
im Meistersingen,
wer sein Eidam will sein.
Er stampft wütend mit den Füßen.
Nun gilt es Kunst, daß mit Vergunst,
ohn’ all schädlich gemeinen Dunst,
fortwährende Schläge
ihm glücke des Preises Gewunst,
war begehrt mit wahrer Inbrunst,
Sachs, welcher kopfschüttelnd es aufgibt, die einzelnen Fehler anzumerken, arbeitet hämmernd fort, um den Keil aus dem Leisten zu schlagen.
um die Jungfrau zu frei’n.»

Sachs über den Laden weit herausgelehnt:
Seid Ihr nun fertig?

Beckmesser in höchster Angst:
Wie fraget Ihr?

Sachs hält die fertigen Schuhe triumphierend heraus:
Mit den Schuhen ward ich fertig schier!
Während er die Schuhe an den Bändern hoch in der Luft tanzen läßt.
Das heiß’ ich mir echte Merkerschuh’!
Mein Merkersprüchlein hört dazu!
Sehr kräftig.

Beckmesser der sich ganz in die Gasse zurückgezogen hat und an die Mauer mit dem Rücken sich anlehnt, singt, um Sachs zu übertäuben, mit größter Anstrengung, schreiend und atemlos hastig, während er die Laute wütend nach Sachs zu schwingt:
«Darf ich mich Meister nennen,
das bewähr ich heut’ gern,
weil ich nach dem Preis brennen
muß, dursten und hungern.

SachsMit lang’ und kurzen Hieben
steht’s auf der Sohl’ geschrieben:

David hat den Fensterladen, dicht hinter Beckmesser, ein wenig geöffnet und lugt daraus hervor:
Wer, Teufel, hier?
Er wird Magdalene gewahr.
Und drüben gar?

BeckmesserNun ruf ich die neun Musen,
daß an sie blusen
mein dicht’rischen Verstand.

Sachsda lest es klar und nehmt es wahr
und merkt’s Euch immerdar:

DavidDie Lene ist’s – ich seh’ es klar!
Nachbarn öffnen in der Gasse die Fenster und gucken heraus.

KothnerWer heult denn da?

BeckmesserWohl kenn’ ich alle Regeln,
halte gut Maß und Zahl;
doch Sprung und Überkegeln
wohl passiert je einmal,
wann der Kopf, ganz voll Zagen,
zu frei’n will wagen
um jung’ Mägdeleins Hand.
Er verschnauft sich.

SachsGut Lied will Takt, wer den verzwackt,
dem Schreiber mit der Feder
haut ihn der Schuster aufs Leder.

DavidHerrje! Der war’s, den hat sie bestellt;
der ist’s, der ihr besser als ich gefällt!

NachtigallWer kreischt mit Macht?

VogelgesangIst das erlaubt so spät zur Nacht?

KothnerGebt Ruhe hier!

Ortel‘s ist Schlafenszeit.

DavidNun warte! Du kriegst’s! Dir streich’ ich das Fell!
Er entfernt sich nach innen.

BeckmesserEin Junggesell, trug ich mein Fell,
mein Ehr’, Amt, Würd’ und Brot zur Stell’,

SachsNun lauft in Ruh’, habt gute Schuh’;
der Fuß Euch drin nicht knackt;

OrtelIst das erlaubt so spät zur Nacht?

VogelgesangMein, hört nur, wie der Esel schreit!
David ist, mit einem Knüppel bewaffnet, zurückgekommen. Magdalene winkt, da sie David wiederkommen sieht, diesem heftig zurück, was Beckmesser, als ein Zeichen des Mißfallens deutend, zur äußersten Verzweiflung im Gesangsausdruck bringt.

Beckmesserdaß Euch mein Gesang wohlgefäll’
und mich das Jungfräulein erwähl’,
wenn sie mein Lied gut fand.»

Sachsihn hält die Sohl’ im Takt!

VogelgesangIhr da, seid still!
Heult, kreischt und schreit an andrem Ort!

KothnerSeid still und schert euch fort!
David steigt aus dem Fenster und wirft sich auf Beckmesser.

DavidZum Teufel mit dir, verdammter Kerl.
Beckmesser wehrt sich, will fliehen; David hält ihn am Kragen.