Parsifal 3. Aufzug 2

Er droht, ohnmächtig umzusinken. – Gurnemanz hält ihn aufrecht und läßt ihn zum Sitze auf den Rasenhügel nieder. – Kundry holt hastig ein Becken mit Wasser, um Parsifal zu besprengen.
Gurnemanz Kundry sanft abweisend
Nicht so! –
Die heil’ge Quelle selbst
erquicke unsres Pilgers Bad.
Mir ahnt, ein hohes Werk
hab’ er noch heut’ zu wirken,
zu walten eines heil’gen Amtes:
so sei er fleckenrein,
und langer Irrfahrt Staub
soll nun von ihm gewaschen sein.
Parsifal wird von den beiden sanft zum Rande des Quells gewendet. Unter dem folgenden löst ihm Kundry die Beinschienen, Gurnemanz aber nimmt ihm den Brustharnisch ab.

Parsifal sanft und matt
Werd’ heut’ zu Amfortas
ich noch geleitet?

Gurnemanz während der Beschäftigung
Gewißlich, uns’rer harrt die hehre Burg:
die Totenfeier meines lieben Herrn,
sie ruft mich selbst dahin.
Den Gral noch einmal
uns da zu enthüllen,
des lang’ versäumten Amtes
noch einmal heut’ zu walten –
zur Heiligung des hehren Vaters,
der seines Sohnes Schuld erlag,
die der nun also büßen will –,
gelobt’ Amfortas uns.
Kundry badet ihm mit demutvollem Eifer die Füße. –
Parsifal blickt mit stiller Verwunderung auf sie.

Parsifal zu Kundry
Du wuschest mir die Füße: –
nun netze mir das Haupt der Freund.

Gurnemanz schöpft mit der Hand aus dem Quell und besprengt Parsifals Haupt
Gesegnet sei, du Reiner,
durch das Reine!
So weiche jeder Schuld
Bekümmernis von dir!
Während Gurnemanz feierlich das Wasser sprengt, zieht Kundry ein goldenes Fläschchen aus ihrem Busen und gießt seinen Inhalt auf Parsifals Füße aus; jetzt trocknet sie diese mit ihren schnell aufgelösten Haaren.

Parsifal nimmt Kundry sanft das Fläschchen ab und reicht es Gurnemanz
Du salbtest mir die Füße,
das Haupt nun salbe Titurels Genoss’,
daß heute noch
als König er mich grüße.

Gurnemanz schüttet das Flaschchen vollends auf Parsifals Haupt aus, reibt dieses sanft und faltet dann die Hände darüber

Den folgenden Ausschnitt kann man sich in
verschiedenen Interpretationen anhören!

So ward es uns verhießen,
so segne ich dein Haupt,
als König dich zu grüßen.
Du – Reiner, –
mitleidsvoll Duldender,
heiltatvoll Wissender!
Wie des Erlösten Leiden du gelitten,
die letzte Last
entnimm nun seinem Haupt.

Parsifal schöpft unvermerkt Wasser aus dem Quell, neigt sich zu der vor ihm noch knienden Kundry und netzt ihr das Haupt
Mein erstes Amt verricht’ ich so: –
die Taufe nimm
und glaub’ an den Erlöser!
Kundry senkt das Haupt tief zur Erde; sie scheint heftig zu weinen. – Parsifal wendet sich um und blickt mit sanfter Entzückung auf Wald und Wiese, welche jetzt im Vormittagslichte leuchten.
Wie dünkt mich doch die Aue heut’
so schön! –
Wohl traf ich Wunderblumen an,
die bis zum Haupte
süchtig mich umrankten;
doch sah’ ich nie so mild und zart
die Halme, Blüten und Blumen,
noch duftet’ all’ so kindisch hold
und sprach so lieblich traut zu mir.

GurnemanzDas ist Karfreitagszauber, Herr!

ParsifalO wehe, des höchsten Schmerzentags!
Da sollte, wähn’ ich, was da blüht,
was atmet, lebt und wieder lebt,
nur trauern, ach, und weinen!

GurnemanzDu siehst, das ist nicht so.
Des Sünders Reuetränen sind es,
die heut’ mit heil’gem Tau
beträufet Flur und Au’:
der ließ sie so gedeihen.
Nun freu’t sich alle Kreatur
auf des Erlösers holder Spur,
will sein Gebet ihm weihen.
Ihn selbst am Kreuze
kann sie nicht erschauen:
da blickt sie zum erlösten Menschen auf;
der fühlt sich frei
von Sündenlast und Grauen,
durch Gottes Liebesopfer rein und heil:
das merkt nun Halm und Blume
auf den Auen,
daß heut’ des Menschen Fuß
sie nicht zertritt,
doch wohl,
wie Gott mit himmlischer Geduld
sich sein’ erbarmt’ und für ihn litt,
der Mensch auch heut’ in frommer Huld
sie schont mit sanftem Schritt.
Das dankt dann alle Kreatur,
was all’ da blüht und bald erstirbt,
da die entsündigte Natur
heut’ ihren Unschuldstag erwirbt.
Kundry hat langsam wieder das Haupt erhoben und blickt, feuchten Auges, ernst und ruhig bittend zu Parsifal auf

ParsifalIch sah’ sie welken, die einst mir lachten:
ob heut’ sie nach Erlösung schmachten? –
Auch deine Träne ward zum Segenstaue:
du weinest – sieh! es lacht die Aue.
Er küßt sie sanft auf die Stirne. – Glockengeläute wie aus weiter Ferne.

GurnemanzMittag. –
Die Stund’ ist da.
Gestatte, Herr,
daß dein Knecht dich geleite! –