Rheingold 1. Szene 2

Alberich verbleibt in sprachloser Wut, den Blick aufwärts gerichtet, wo er dann plötzlich von dem folgenden Schauspiele angezogen und gefesselt wird. Durch die Flut ist von oben her ein immer lichterer Schein gedrungen, der sich an einer hohen Stelle des mittelsten Riffes allmählich zu einem blendend hell strahlenden Goldglanze entzündet: ein zauberisch goldenes Licht bricht von hier durch das WasserRheingold54
WoglindeLugt, Schwestern!
Die Weckerin lacht in den Grund.

Rheingold54
WellgundeDurch den grünen Schwall
den wonnigen Schläfer sie grüßt.

Rheingold54
FlosshildeJetzt küßt sie sein Auge, daß er es öffne.

WellgundeSchaut, er lächelt in lichtem Schein.

Rheingold54
WoglindeDurch die Fluten hin fließt sein strahlender Stern!

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Die drei Rheintöchter zusammen das Riff anmutig umschwimmendRheintöchtersang57
Heiajaheia! Heiajaheia!57
Wallalalalala leiajahei!57
Rheingold! Rheingold!57
Leuchtende Lust, wie lachst du so hell und hehr!57
Glühender Glanz entgleißet dir weihlich im Wag’!57
Heiajaheia! Heiajaheia!57
Wache, Freund, Wache froh!57
Wonnige Spiele spenden wir dir:57
flimmert der Fluß, flammet die Flut,57
umfließen wir tauchend, tanzend und singend57
im seligem Bade dein Bett!57
Rheingold! Rheingold!57
Heiajaheia! Wallalalalala leiajahei!57
Mit immer ausgelassenerer Lust umschwimmen die Mädchen das Riff. Die ganze Flut flimmert in hellem Goldglanze

Rheingold54
Alberich dessen Augen, mächtig vom Glanze angezogen, starr an dem Golde haften
Was ist’s, ihr Glatten, das dort so glänzt und gleißt?

Die drei RheintöchterWo bist du Rauher denn heim,
daß vom Rheingold nie du gehört?

WellgundeNichts weiß der Alp von des Goldes Auge,
das wechselnd wacht und schläft?

WoglindeVon der Wassertiefe wonnigem Stern,
der hehr die Wogen durchhellt?

Die drei RheintöchterSieh, wie selig im Glanze wir gleiten!
Willst du Banger in ihm dich baden,
so schwimm’ und schwelge mit uns!Rheintöchter56
Wallalalala leialalai! Wallalalala leiajahei!

Rheingold54
AlberichEurem Taucherspiele nur taugte das Gold?
Mir gält’ es dann wenig!

WoglindeDes Goldes Schmuck schmähte er nicht,
wüßte er all seine Wunder!

WellgundeDer Welt Erbe gewänne zu eigen,Ring59
wer aus dem Rheingold schüfe den Ring,59
der maßlose Macht ihm verlieh’.

FlosshildeDer Vater sagt’ es, und uns befahl er,
klug zu hüten den klaren Hort,
daß kein Falscher der Flut ihn entführe:
drum schweigt, ihr schwatzendes Heer!

WellgundeDu klügste Schwester, verklagst du uns wohl?
Weißt du denn nicht, wem nur allein
das Gold zu schmieden vergönnt?

WoglindeNur wer der Minne Macht entsagt,Entsagung6
nur wer der Liebe Lust verjagt,6
nur der erzielt sich den Zauber,
zum Reif zu zwingen das Gold.

Ring59
WellgundeWohl sicher sind wir und sorgenfrei:
denn was nur lebt, will lieben,
meiden will keiner die Minne.

WoglindeAm wenigsten er, der lüsterne Alp;
vor Liebesgier möcht’ er vergehn!

FlosshildeNicht fürcht’ ich den, wie ich ihn erfand:
seiner Minne Brunst brannte fast mich.

WellgundeEin Schwefelbrand in der Wogen Schwall:
vor Zorn der Liebe zischt er laut!

Die drei RheintöchterWallala! Wallaleialala!Rheintöchter56
Lieblichster Albe! Lachst du nicht auch?Rheintöchtersang57
In des Goldes Scheine wie leuchtest du schön!57
O komm’, Lieblicher, lache mit uns!57
Heiajaheia! Heiajaheia! Wallalalala leiajahei!Rheingold5754
Sie schwimmen lachend im Glanze auf und ab

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Alberich die Augen starr auf das Gold gerichtet, hat dem Geplauder der Schwestern wohl gelauscht
Der Welt ErbeRing59
gewänn’ ich zu eigen durch dich?59
Erzwäng’ ich nicht Liebe,
doch listig erzwäng’ ich mir Lust?
furchtbar lautEntsagung6
Spottet nur zu! –
Der Niblung naht eurem Spiel!
wütend springt er nach dem mittleren Riff hinüber und klettert in grausiger Hast nach dessen Spitze hinauf. Die Mädchen fahren kreischend auseinander und tauchen nach verschiedenen Seiten hin auf

Die drei RheintöchterHeia! Heia! Heiajahei!
Rettet euch! Es raset der Alp:
in den Wassern sprüht’s, wohin er springt:
die Minne macht ihn verrückt!
sie lachen im tollsten Übermut

Alberich gelangt mit einem letzten Satze zur Spitze des Riffes
Bangt euch noch nicht?
So buhlt nun im Finstern, feuchtes Gezücht!
Er streckt die Hand nach dem Golde ausRheingold54
Das Licht lösch’ ich euch aus, entreiße dem Riff das Gold,54
schmiede den rächende Ring;Ring59
denn hör’ es die Flut: so verfluch’ ich die Liebe!Entsagung6
Er reißt mit furchtbarer Gewalt das Gold aus dem Riffe und stürzt damit hastig in die Tiefe, wo er schnell verschwindet. Dichte Nacht bricht plötzlich überall herein. Die Mädchen tauchen dem Räuber in die Tiefe nach

Rheingold54
FlosshildeHaltet den Räuber!

WellgundeRettet das Gold!
Hilfe! Hilfe!

Die drei RheintöchterWeh! Weh!
Die Flut fällt mit ihnen nach der Tiefe hinab. Aus dem untersten Grunde hört man Alberichs gellendes Hohngelächter. In dichtester Finsternis verschwinden die Riffe; die ganze Bühne ist von der Höhe bis zur Tiefe von schwarzem Wassergewoge erfüllt, das eine Zeitlang immer noch abwärts zu sinken scheint.Entsagung6