Rheingold 2. Szene 2

FasoltSanft schloß Schlaf dein Aug’;
wir beide bauten Schlummers bar die Burg.
Mächt’ger Müh’ müde nie,Riesen58
stauten starke Stein’ wir auf;58
steiler Turm, Tür und Tor,58
deckt und schließt im schlanken Schloß den Saal.Walhall5890
Auf die Burg deutend90
Dort steht’s, was wir stemmten,90
schimmernd hell, bescheint’s der Tag:90
zieh nun ein, uns zahl’ den Lohn!

Riesen58
WotanNennt, Leute, den Lohn:
was dünkt euch zu bedingen?

FasoltBedungen ist, was tauglich uns dünkt:Vertrag83
gemahnt es dich so matt?
Freia, die Holde, Holda, die Freie,Freia14
vertragen ist’s, sie tragen wir heim.

Wotan schnell
Seid ihr bei Trost mit eurem Vertrag?
Denkt auf andern Dank: Freia ist mir nicht feil.

Fasolt steht, in höchster Bestürzung, einen Augenblick sprachlosVertrag83
Was sagst du? Ha, sinnst du Verrat?
Verrat am Vertrag? Die dein Speer birgt,Vertrag83
sind sie dir Spiel, des berat’nen Bundes Runen?

83
Fafner höhnisch
Getreu’ster Bruder,
merkst du Tropf nun Betrug?

Loge42
FasoltLichtsohn du, leicht gefügter!
Hör’ und hüte dich: Verträgen halte Treu’!Vertragsschutz84
Was du bist, bist du nur durch Verträge;
bedungen ist, wohl bedacht deine Macht.Vertrag83
Bist weiser du, als witzig wir sind,
bandest uns Freie zum Frieden du:
all deinem Wissen fluch’ ich,
fliehe weit deinen Frieden,
weißt du nicht offen, ehrlich und freiVertragstreue85
Verträgen zu wahren die Treu’!85
Ein dummer Riese rät dir das:
Du Weiser, wiss’ es von ihm.

Vertragstreue85
WotanWie schlau für Ernst du achtest,
was wir zum Scherz nur beschlossen!
Die liebliche Göttin, licht und leicht,
was taugt euch Tölpeln ihr Reiz?

FasoltHöhnst du uns? Ha, wie unrecht!
Die ihr durch Schönheit herrscht,Freia14
schimmernd hehres Geschlecht,
wir törig strebt ihr nach Türmen von Stein,Walhall90
setzt um Burg und Saal
Weibes Wonne zum Pfand!Entsagung6
Wir Plumpen plagen unsRiesen58
schwitzend mit schwieliger Hand,58
ein Weib zu gewinnen, das wonnig und mildFreia14
bei uns Armen wohne;
und verkehrt nennst du den Kauf?

Freia14
FafnerSchweig’ dein faules Schwatzen,
Gewinn werben wir nicht:
Freias Haft hilft wenig,
doch viel gilt’s den Göttern sie zu entreißen.
leise
Goldene Äpfel wachsen in ihrem Garten;Jugend33
sie allein weiß die Äpfel zu pflegen!33
Der Frucht Genuß frommt ihren Sippen33
zu ewig nie alternder Jugend:33
siech und bleich doch sinkt ihre Blüte,33
alt und schwach schwinden sie hin,
müssen Freia sie missen.
grobJugend33
Ihrer Mitte drum sei sie entführt!

Riesen

3358
Wotan für sich
Loge säumt zu lang!

FasoltSchlicht gib nun Bescheid!

Riesen58
WotanSinnt auf andern Sold!

FasoltKein andrer: Freia allein!

Riesen58
FafnerDu da! Folg’ uns fort!
Sie dringen auf Freia zu

Freia fliehend
Helft! Helft, vor den Harten!

Donner kommen eilig

Jugend33
Froh Freia in seine Arme fassend
Zu mir, Freia! Meide sie, Frecher!
Froh schützt die Schöne.

Donner sich vor die beiden Riesen stellend
Fasolt und Fafner,
fühltet ihr schon meines Hammers harten Schlag?

FafnerWas soll das Drohn?

FasoltWas dringst du her?
Kampf kiesten wir nicht,Riesen58
verlangen nur unsern Lohn.

DonnerSchon oft zahlt’ ich Riesen den Zoll.
Kommt her, des Lohnes Last
wäg’ ich mit gutem Gewicht!
er schwingt den Hammer

Wotan seinen Speer zwischen den Streitenden ausstreckendVertrag83
Halt, du Wilder! Nichts durch Gewalt!83
Verträge schützt meines Speeres Schaft:Vertragsschutz84
spar’ deines Hammers Heft!

FreiaWehe! Wehe! Wotan verläßt mich!

Freia14
FrickaBegreif’ ich dich noch, grausamer Mann?