Rheingold 2. Szene 3

Wotan wendet sich ab und sieht Loge kommenLoge42
Endlich Loge! Eiltest du so, 42
den du geschlossen, 42
den schlimmen Handel zu schlichten?

42
Loge ist im Hintergrunde aus dem Tale heraufgestiegen42
Wie? Welchen Handel hätt’ ich geschlossen? 42
Wohl was mit den Riesen dort im Rate du dangst? 42
Zu Tiefen und Höhen treibt mich mein Hang; Walhall42
Haus und Herd behagt mir nicht. 42
Donner und Froh,
die denken an Dach und Fach,
wollen sie frei’n,
ein Haus muß sie erfreu’n.
Ein stolzer Saal, ein starkes Schloß,
danach stand Wotans Wunsch.
Haus und Hof, Saal und Schloß, Walhall90
die selige Burg, sie steht nun fest gebaut.
Das Prachtgemäuer prüft’ ich selbst,
ob alles fest, forscht’ ich genau:
Fasolt und Fafner fand ich bewährt:
kein Stein wankt in Gestemm’.
Nicht müßig war ich, wie mancher hier; Loge42
der lügt, wer lässig mich schilt!

WotanArglistig weichst du mir aus: Loge42
mich zu betrügen hüte in Treuen dich wohl! 42
Von allen Göttern dein einz’ger Freund,
nahm ich dich auf in der übel trauenden Troß.
Nun red’ und rate klug! Vertrag83
Da einst die Bauer der Burg
zum Dank Freia bedangen, Loge42
du weißt, nicht anders willigt’ ich ein,
als weil auf Pflicht du gelobtest,
zu lösen das hehre Pfand.

Loge42
LogeMit höchster Sorge drauf zu sinnen,
wie es zu lösen, das – hab’ ich gelobt.
Doch, daß ich fände, Loge42
was nie sich fügt, was nie gelingt, – 42
wie ließ sich das wohl geloben?

Fricka zu WotanLoge42
Sieh, welch trugvollem Schelm du getraut!

42
FrohLoge heißt du, 42
doch nenn’ ich dich Lüge!

42
DonnerVerfluchte Lohe, dich lösch’ ich aus!

42
LogeIhre Schmach zu decken, 42
schmähen mich Dumme! 42
Donner holt auf Loge aus

Wotan tritt dazwischen
In Frieden laßt mir den Freund!
Nicht kennt ihr Loges Kunst:
reicher wiegt seines Rates Wert,
zahlt er zögernd ihn aus.

FafnerNichts gezögert! Rasch gezahlt!

Riesen58
FasoltLang währt’s mit dem Lohn!

58
Wotan wendet sich hart zu Loge, drängendLoge42
Jetzt hör’, Störrischer! Halte Stich!
Wo schweiftest du hin und her?

LogeImmer ist Undank Loges Lohn!
Für dich nur besorgt, sah ich mich um,
durchstöbert’ im Sturm alle Winkel der Welt, Loge42
Ersatz für Freia zu suchen,
wie er den Riesen wohl recht.
Umsonst sucht’ ich, und sehe nun wohl:
in der Welten Ring nichts ist so reich,
als Ersatz zu muten dem Mann
für Weibes Wonne und Wert! Entsagung6
Alle geraten in Erstaunen und verschiedenartige BetroffenheitNaturweben
Freia
49
49
So weit Leben und Weben, 49
In Wasser, Erd’ und Luft, 49
viel frug’ ich, forschte bei allen, 49
wo Kraft nur sich rührt, und Keime sich regen: 49
was wohl dem Manne mächt’ger dünk’, Freia14
als Weibes Wonne und Wert? Entsagung6
Doch so weit Leben und Weben, Naturweben49
verlacht nur ward meine fragende List: Freia49
in Wasser, Erd’ und Luft, 49
lassen will nichts von Lieb’ und Weib. 49
Nur einen sah’ ich, der sagte der Liebe ab:
um rotes Gold entriet er des Weibes Gunst. Rheingold54
Des Rheines klare Kinder Rheintöchtersang57
klagten mir ihre Not: 57
der Nibelung, Nacht-Alberich, 57
buhlte vergebens um der Badenden Gunst; Rheintöchter56
das Rheingold da
raubte sich rächend der Dieb: Rheingold54
das dünkt ihn nun das teuerste Gut, Ring59
hehrer als Weibes Huld. Entsagung6
Um den gleißenden Tand, Rheintöchtersang57
der Tiefe entwandt, 57
erklang mir der Töchter Klage: 57
an dich, Wotan, wenden sie sich, 57
daß zu Recht du zögest den Räuber, 57
das Gold dem Wasser wieder gebest, Rheingold54
und ewig es bliebe ihr Eigen. 54
Hingebende Bewegung allerRheintöchtersang57
Dir’s zu melden, gelobt’ ich den Mädchen:
nun löste Loge sein Wort.

Loge42
WotanTörig bist du, wenn nicht gar tückisch! 42
Mich selbst siehst du in Not:
wie hülft’ ich andern zum Heil?

Fasolt der aufmerksam zugehört, zu Fafner
Nicht gönn’ ich das Gold dem Alben;
viel Not schon schuf uns der Niblung,
doch schlau entschlüpfte unserm
Zwange immer der Zwerg.

FafnerNeue Neidtat sinnt uns der Niblung,
gibt das Gold ihm Macht. –
Du da, Loge! Sag’ ohne Lug: Loge42
was Großes gilt denn das Gold,
daß dem Niblung es genügt?

LogeEin Tand ist’s in des Wassers Tiefe, Rheintöchtersang57
lachenden Kindern zur Lust, 57
doch ward es zum runden Reife geschmiedet, Ring59
hilft es zur höchsten Macht, 59
gewinnt dem Manne die Welt.

59
Wotan sinnend59
Von des Rheines Gold hört’ ich raunen: 59
Beute-Runen berge sein roter Glanz; 59
Macht und Schätze schüf ohne Maß ein Reif.

59
Fricka leise zu Loge
Taugte wohl des goldnen Tandes
gleißend Geschmeid
auch Frauen zu schönem Schmuck?

LogeDes Gatten Treu’ ertrotzte die Frau, Weib101
trüge sie hold den hellen Schmuck, 101
den schimmernd Zwerge schmieden, Nibelungen50
rührig im Zwange des Reifs.

50
Fricka schmeichelnd zu Wotan
Gewänne mein Gatte sich wohl das Gold?

Freia14
Wotan wie in einem Zustande wachsender BezauberungRheingold54
Des Reifes zu walten, Ring59
rätlich will es mich dünken. 59
Doch wie, Loge, lernt’ ich die Kunst?
Wie schüf’ ich mir das Geschmeid’?

LogeEin Runenzauber zwingt das Gold zum Reif; Ring59
keiner kennt ihn; 59
doch einer übt ihn leicht, Entsagung6
der sel’ger Lieb’ entsagt. 6
Wotan wendet sich unmutig ab
Das sparst du wohl; zu spät auch kämst du:
Alberich zauderte nicht.
Zaglos gewann er des Zaubers Macht: Ring59
grell
geraten ist ihm der Ring!

Entsagung6
Donner zu Wotan
Zwang uns allen schüfe der Zwerg,
würd’ ihm der Reif nicht entrissen.

WotanDen Ring muß ich haben!

FrohLeicht erringt ohne Liebesfluch er sich jetzt.

Entsagung6
LogeSpottleicht, ohne Kunst, wie im Kinderspiel!

Wotan grell
So rate, wie?

LogeDurch Raub!
Was ein Dieb stahl, das stiehlst du dem Dieb;
ward leichter ein Eigen erlangt? Loge42
Doch mit arger Wehr wahrt sich Alberich; Rheingold54
klug und fein mußt du verfahren, Ring59
ziehst den Räuber du zu Recht,
um des Rheines Töchtern, den roten Tand, Rheintöchtersang57
mit Wärme57
das Gold wiederzugeben; 57
denn darum flehen sie dich.

Rheingold54
WotanDes Rheines Töchtern? Was taugt mir der Rat?

Rheintöchtersang57
FrickaVon dem Wassergezücht mag ich nichts wissen: Rheintöchter56
schon manchen Mann – mir zum Leid – 56
verlockten sie buhlend im Bad.