Rheingold 2. Szene 4

Wotan steht stumm mit sich kämpfend; die übrigen Götter heften in schweigender Spannung die Blicke auf ihn. Währenddem hat Fafner beiseite mit Fasolt beratenFreia14
Fafner zu Fasolt14
Glaub’ mir, mehr als Freia 14
frommt das gleißende Gold: 14
auch ew’ge Jugend erjagt, 14
wer durch Goldes Zauber sie zwingt. 14
Fasolts Gebärde deutet an, daß er sich wider Willen überredet fühlt. Fafner tritt mit Fasolt wieder an Wotan heran.Jugend
Rheingold
Riesen
33
Hör’, Wotan, der Harrenden Wort! 58
Freia bleib’ euch in Frieden;
leicht’ren Lohn fand ich zur Lösung:
uns rauhen Riesen genügt Riesen58
des Niblungen rotes Gold.

Ring59
WotanSeid ihr bei Sinn?
Was nicht ich besitze,
soll ich euch Schamlosen schenken?

FafnerSchwer baute dort sich die Burg; Riesen58
leicht wird dir’s mit list’ger Gewalt
was im Neidspiel nie uns gelang,
den Niblungen fest zu fahn.

Loge42
WotanFür euch müht’ ich mich um den Alben?
Für euch fing’ ich den Feind?
Unverschämt und überbegehrlich,
macht euch Dumme mein Dank!

Fasolt ergreift plötzlich Freia und führt sie mit Fafner zur Seite
Hieher, Maid! In unsre Macht!
Als Pfand folgst du uns jetzt,
bis wir Lösung empfah’n!

Freia wehklagend
Wehe! Wehe! Wehe!
alle Götter sind in höchster Bestürzung

FafnerFort von hier sei sie entführt!
Bis Abend – achtet’s wohl –
pflegen wir sie als Pfand;
wir kehren wieder; doch kommen wir,
und bereit liegt nicht als Lösung Ring59
das Rheingold licht und rot –

59
FasoltZu End’ ist die Frist dann,
Freia verfallen:
für immer folge sie uns!

Freia schreiend
Schwester! Brüder! Rettet! Helft!
sie wird von den hastig enteilenden Riesen fortgetragen

FrohAuf, ihnen nach!

DonnerBreche denn alles! Freia14
Sie blicken Wotan fragend an

Freia aus weiter Ferne
Rettet! Helft!

Loge den Riesen nachsehend
Über Stock und Stein zu Tal
stapfen sie hin:
durch des Rheines Wasserfurt
waten die Riesen.
Fröhlich nicht hängt Freia
den Rauhen über dem Rücken! –
Heia! Hei! Wie taumeln die Tölpel dahin!
Durch das Tal talpen sie schon.
Wohl an Riesenheims Mark
erst halten sie Rast. –
er wendet sich zu den Göttern
Was sinnt nun Wotan so wild?
Den sel’gen Göttern wie geht’s?
Ein fahler Nebel erfüllt mit wachsender Dichtheit die Bühne; in ihm erhalten die Götter ein zunehmend bleiches und ältliches Aussehen: alle stehen bang und erwartungsvoll auf Wotan blickend, der sinnend die Augen an den Boden heftetFreia
Angst
14
Trügt mich ein Nebel?
Neckt mich ein Traum? Jugend33
Wie bang und bleich verblüht ihr so bald! Freia33
Euch erlischt der Wangen Licht; Angst33
der Blick eures Auges verblitzt! 33
Frisch, mein Froh, noch ist’s ja früh! 33
Deiner Hand, Donner, entsinkt ja der Hammer!
Was ist’s mit Fricka? Freut sie sich wenig
ob Wotans grämlichem Grau, Jugend33
das schier zum Greisen ihn schafft?

33
FrickaWehe! Wehe! Was ist geschehen?

Freia
Wehe
14
DonnerMir sinkt die Hand!

FrohMir stockt das Herz!

LogeJetzt fand’ ich’s: hört, was euch fehlt! Jugend33
Von Freias Frucht genosset ihr heute noch nicht.
Die goldnen Äpfel in ihrem Garten, Jugend33
sie machten euch tüchtig und jung, 33
aßt ihr sie jeden Tag. 33
Des Gartens Pflegerin ist nun verpfändet; 33
an den Ästen darbt und dorrt das Obst,
bald fällt faul es herab. –
Mich kümmert’s minder; Loge42
an mir ja kargte Freia von je
knausernd die köstliche Frucht: Loge42
denn halb so echt nur bin ich wie, Selige, ihr! 42
Doch ihr setztet alles auf das jüngende Obst:
das wußten die Riesen wohl;
auf eurer Leben legten sie’s an:
nun sorgt, wie ihr das wahrt!
Ohne die Äpfel, Jugend33
alt und grau, greis und grämlich, 33
welkend zum Spott aller Welt, 33
erstirbt der Götter Stamm.

Fricka bang
Wotan, Gemahl, unsel’ger Mann!
Sieh, wie dein Leichtsinn lachend uns allen
Schimpf und Schmach erschuf!

Wotan mit plötzlichem Entschluß auffahrendRing59
Auf, Loge, hinab mit mir!
Nach Nibelheim fahren wir nieder:
gewinnen will ich das Gold.

LogeDie Rheintöchter riefen dich an: Rheintöchtersang57
so dürfen Erhörung sie hoffen?

57
Wotan heftig
Schweige, Schwätzer!
Freia, die Gute, Freia gilt es zu lösen!

LogeWie du befiehlst
führ’ ich dich gern
steil hinab
steigen wir denn durch den Rhein?

WotanNicht durch den Rhein!

LogeSo schwingen wir uns durch die Schwefelkluft.
Dort schlüpfe mit mir hinein!
Er geht voran und verschwindet seitwärts in einer Kluft, aus der sogleich ein schwefliger Dampf hervorquillt

Loge42
WotanIhr andern harrt bis Abend hier: 42
verlorner Jugend erjag’ ich erlösendes Gold! Ring59
Er steigt Loge nach in die Kluft hinab: der aus ihr dringende Schwefeldampf verbreitet sich über die ganze Bühne und erfüllt diese schnell mit dickem Gewölk. Bereits sind die Zurückbleibenden unsichtbar.

Loge
42
DonnerFahre wohl, Wotan!

42
FrohGlück auf! Glück auf!

42
FrickaO kehre bald zur bangenden Frau! 42
Der Schwefeldampf verdüstert sich bis zu ganz schwarzem Gewölk, welches von unten nach oben steigt; dann verwandelt sich dieses in festes, finsteres Steingeklüft, das sich immer aufwärts bewegt, so daß es den Anschein hat, als sänke die Szene immer tiefer in die Erde hinab. Wachsendes Geräusch wie von Schmiedenden wird überallher vernommen.Entsagung
Wehe

Angst
Rheingold

Ring
Nibelungen
42