Rheingold 3. Szene 2

Wotan setzt sich ruhig auf einen Stein; Loge lehnt ihm zur Seite. Alberich, der den Tarnhelm vom Haupte genommen und an den Gürtel gehängt hat, treibt mit geschwungener Geißel aus der unteren, tiefer gelegenen Schlucht aufwärts eine Schar Nibelungen vor sich her: diese sind mit goldenem und silbernem Geschmeide beladen, das sie, unter Alberichs steter Nötigung, all auf einen Haufen speichern und so zu einem Horte häufen.50Nibelungen
AlberichHieher! Dorthin! Hehe! Hoho!50Wehe
Träges Heer, dort zu Hauf schichtet den Hort!50
Du da, hinauf! Willst du voran?50
Schmähliches Volk, ab das Geschmeide!50
Soll ich euch helfen? Alle hieher!50
er gewahrt plötzlich Wotan und Loge
He! Wer ist dort? Wer drang hier ein?
Mime, zu mir, schäbiger Schuft!
Schwatztest du gar mit dem schweifenden Paar?
Fort, du Fauler!
Willst du gleich schmieden und schaffen?
Er treibt Mime mit Geißelhieben unter den Haufen der Nibelungen hinein
He! An die Arbeit!
Alle von hinnen! Hurtig hinab!
Aus den neuen Schachten schafft mir das Gold!
Euch grüßt die Geißel, grabt ihr nicht rasch!
Daß keiner mir müßig, bürge mir Mime,
sonst birgt er sich schwer meiner Geißel Schwunge!
Daß ich überall weile, wo keiner mich wähnt,
das weiß er, dünkt mich, genau!
Zögert ihr noch? Zaudert wohl gar?
Er zieht seinen Ring vom Finger, küßt ihn und streckt ihn drohend aus59Ring
Zittre und zage, gezähmtes Heer!99Wehe
Rasch gehorcht des Ringes Herrn!21Goldherrschaft
Unter Geheul und Gekreisch stieben die Nibelungen, unter ihnen Mime, auseinander und schlüpfen in die Schächte hinab59Ring
betrachtet lange und mißtrauisch Wotan und Loge50Nibelungen
Wehe
Was wollt ihr hier?

WotanVon Nibelheims nächt’gem Land
vernahmen wir neue Mär’:
mächtige Wunder wirke hier Alberich;
daran uns zu weiden, trieb uns Gäste die Gier.

42Loge
AlberichNach Nibelheim führt euch der Neid:
so kühne Gäste, glaubt, kenn’ ich gut!

42Loge
LogeKennst du mich gut, kindischer Alp?
Nun sag’, wer bin ich, daß du so bellst?
Im kalten Loch, da kauern du lagst,
wer gab dir Licht und wärmende Lohe,
wenn Loge nie dir gelacht?
Was hülf’ dir dein Schmieden,
heizt’ ich die Schmiede dir nicht?
Dir bin ich Vetter, und war dir Freund:42Loge
nicht fein drum dünkt mich dein Dank!

42
AlberichDen Lichtalben lacht jetzt Loge,
der list’ge Schelm:42Loge
bist du falscher ihr Freund,
wie mir Freund du einst warst:42Loge
haha! Mich freut’s!
Von ihnen fürcht’ ich dann nichts.

LogeSo denk’ ich, kannst du mir traun?

AlberichDeiner Untreu trau’ ich, nicht deiner Treu’!
eine herausfordernde Stellung einnehmend
Doch getrost trotz’ ich euch allen!

LogeHohen Mut verleiht deine Macht;42Loge
grimmig groß wuchs dir die Kraft!

42
AlberichSiehst du den Hort,
den mein Heer dort mir gehäuft?

42Loge
LogeSo neidlichen sah ich noch nie.

42
AlberichDas ist für heut, ein kärglich Häufchen:30Hort
Kühn und mächtig soll er künftig sich mehren.

30
WotanZu was doch frommt dir der Hort,
da freudlos Nibelheim,
und nichts für Schätze hier feil?

AlberichSchätze zu schaffen und Schätze zu bergen,
nützt mir Nibelheims Nacht.
Doch mit dem Hort, in der Höhle gehäuft,30Hort
denk’ ich dann Wunder zu wirken:59Ring
die ganze Welt gewinn’ ich mit ihm mir zu eigen!

59
WotanWie beginnst du, Gütiger, das?

AlberichDie in linder Lüfte Weh’n da oben ihr lebt,
lacht und liebt: mit goldner Faust14Freia
euch Göttliche fang’ ich mir alle!
Wie ich der Liebe abgesagt,6Entsagung
alles, was lebt, soll ihr entsagen!6
Mit Golde gekirrt,14Freia
nach Gold nur sollt ihr noch gieren!
Auf wonnigen Höhn,90Walhall
in seligem Weben wiegt ihr euch;90
den Schwarzalben90
verachtet ihr ewigen Schwelger!90
Habt acht! Habt acht!
Denn dient ihr Männer erst meiner Macht,
eure schmucken Frau’n, die mein Frei’n verschmäht,
sie zwingt zur Lust sich der Zwerg,
lacht Liebe ihm nicht!
wild lachend
Hahahaha! Habt ihr’s gehört?
Habt acht vor dem nächtlichen Heer,30Hort
entsteigt des Niblungen Hort30
aus stummer Tiefe zu Tag!

99Wehe
Rheingold
Walhall


Wotan auffahrend
Vergeh, frevelnder Gauch!

AlberichWas sagt der?

Loge ist dazwischengetreten
Sei doch bei Sinnen!
zu Alberich
Wen doch faßte nicht Wunder,42Loge
erfährt er Alberichs Werk?42
Gelingt deiner herrlichen List,42
was mit dem Horte du heischest:42
den Mächtigsten muß ich dich rühmen;43Machtdünkel
denn Mond und Stern’, und die strahlende Sonne,43
sie auch dürfen nicht anders,43
dienen müssen sie dir.43
Doch – wichtig acht’ ich vor allem,50Nibelungen
daß des Hortes Häufer, der Niblungen Heer,50
neidlos dir geneigt.
Einen Reif rührtest du kühn;59Ring
dem zagte zitternd dein Volk: –
doch, wenn im Schlaf ein Dieb dich beschlich’,50Nibelungen
den Ring schlau dir entriss’, –50
wie wahrtest du, Weiser, dich dann?42Loge