Rheingold 3. Szene 3

AlberichDer Listigste dünkt sich Loge;
andre denkt er immer sich dumm:
daß sein’ ich bedürfte zu Rat und Dienst, Loge42
um harten Dank, 42
das hörte der Dieb jetzt gern!
Den hehlenden Helm ersann ich mir selbst; Tarnhelm74
der sorglichste Schmied, 74
Mime, mußt’ ihn mir schmieden: 74
schnell mich zu wandeln, nach meinem Wunsch 74
die Gestalt mir zu tauschen, taugt der Helm. 74
Niemand sieht mich, wenn er mich sucht; 74
doch überall bin ich, geborgen dem Blick. 74
So ohne Sorge
bin ich selbst sicher vor dir,
du fromm sorgender Freund!

Machtdünkel43
LogeVieles sah ich, Seltsames fand ich, Loge42
doch solches Wunder gewahrt’ ich nie. 42
Dem Werk ohnegleichen kann ich nicht glauben; 42
wäre das eine möglich, 42
deine Macht währte dann ewig!

42
AlberichMeinst du, ich lüg’ und prahle wie Loge?

LogeBis ich’s geprüft,
bezweifl’ ich, Zwerg, dein Wort.

AlberichVor Klugheit bläht sich Nibelungen50
zum Platzen der Blöde! 50
Nun plage dich Neid!
Bestimm’, in welcher Gestalt
soll ich jach vor dir stehn?

LogeIn welcher du willst;
nur mach’ vor Staunen mich stumm.

Alberich hat den Helm aufgesetztTarnhelm74
«Riesen-Wurm winde sich ringelnd!» 74
Sogleich verschwindet er: eine ungeheure Riesenschlange windet sich statt seiner am Boden; sie bäumt sich und streckt den aufgesperrten Rachen nach Wotan und Loge hin.

Wurm106
Loge stellt sich von Furcht ergriffen
Ohe! Ohe!
Schreckliche Schlange, verschlinge mich nicht!
Schone Logen das Leben!

WotanHahaha! Gut, Alberich!
Gut, du Arger!
Wie wuchs so rasch
zum riesigen Wurme der Zwerg!
Die Schlange verschwindet; statt ihrer erscheint sogleich Alberich wieder in seiner wirklichen Gestalt.

AlberichHehe! Ihr Klugen, glaubt ihr mir nun?

LogeMein Zittern mag dir’s bezeugen.
Zur großen Schlange schufst du dich schnell:
weil ich’s gewahrt,
willig glaub’ ich dem Wunder. Machtdünkel43
Doch, wie du wuchsest,
kannst du auch winzig
und klein dich schaffen?
Das Klügste schien’ mir das,
Gefahren schlau zu entfliehn:
das aber dünkt mich zu schwer!

AlberichZu schwer dir, weil du zu dumm!
Wie klein soll ich sein?

LogeDaß die feinste Klinze dich fasse,
wo bang die Kröte sich birgt.

AlberichPah! Nichts leichter! Luge du her! Tarnhelm74
Er setzt den Tarnhelm wieder auf74
«Krumm und grau krieche Kröte!» 74
Er verschwindet; die Götter gewahren im Gestein eine Kröte auf sich zukriechen.

Loge zu Wotan
Dort, die Kröte, greife sie rasch!
Wotan setzt seinen Fuß auf die Kröte, Loge fährt ihr nach dem Kopfe und hält den Tarnhelm in der Hand. Alberich wird plötzlich in seiner wirklichen Gestalt sichtbar, wie er sich unter Wotans Fuße windet

AlberichOhe! Verflucht! Ich bin gefangen!

LogeHalt’ ihn fest, bis ich ihn band.
Er hat ein Bastseil hervorgeholt und bindet Alberich damit Hände und Beine; den Geknebelten, der sich wütend zu wehren sucht, fassen dann beide und schleppen ihn mit sich nach der Kluft, aus der sie herauskamen.
Nun schnell hinauf: dort ist er unser! Wehe99
Sie verschwinden, aufwärts steigendMachtdünkel43