Rheingold 4. Szene 2

Loge nach rechts in die Szene blickendRiesen58
Fasolt und Fafner nahen von fern:58
Freia führen sie her.58
Aus dem sich immer mehr zerteilenden Nebel erscheinen Donner, Froh und Fricka und eilen dem Vordergrunde zu.

Jugend58
FrohSie kehren zurück!

58
DonnerWillkommen, Bruder!

33
Fricka besorgt zu Wotan
Bringst du gute Kunde?

Nibelungenhass51
Loge auf den Hort deutend51
Mit List und Gewalt gelang das Werk:51
dort liegt, was Freia löst.

51
DonnerAus der Riesen Haft naht dort die Holde.

FrohWie liebliche Luft wieder uns weht,
wonnig’ Gefühl die Sinne erfüllt!
Traurig ging es uns allen,
getrennt für immer von ihr,
die leidlos ewiger Jugend
jubelnde Lust uns verleiht.
Der Vordergrund ist wieder hell geworden; das Aussehen der Götter gewinnt wieder die erste Frische: über dem Hintergrunde haftet jedoch noch der Nebelschleier, so daß die Burg unsichtbar bleibt. Fasolt und Fafner treten auf, Freia zwischen sich führend.

Fricka eilt freudig auf die Schwester zu, um sie zu umarmen
Lieblichste Schwester, süßeste Lust!
Bist du mir wieder gewonnen?

Fasolt ihr wehrend
Halt! Nicht sie berührt!Vertragsschutz84
Noch gehört sie uns.
Auf Riesenheims ragender MarkRiesen58
rasteten wir; mit treuem Mut
des Vertrages Pfand pflegten wir.
So sehr mich’s reut, zurück doch bring’ ich’s,
erlegt uns Brüdern die Lösung ihr.

Vertragstreue85
WotanBereit liegt die Lösung:85
des Goldes Maß sei nun gütlich gemessen.

85
FasoltDas Weib zu missen, wisse, gemutet mich weh:Freia14
soll aus dem Sinn sie mir schwinden
des Geschmeides Hort häufet denn so,
daß meinem Blick die Blühende ganz er verdeck’!

Entsagung6
WotanSo stellt das Maß nach Freias Gestalt!
Freia wird von den beiden Riesen in die Mitte gestellt. Darauf stoßen sie ihre Pfähle zu Freias beiden Seiten so in den Boden, daß sie gleiche Höhe und Breite mit ihrer Gestalt messen.

Freia
Angst

Riesen
Vertragstreue



14



FafnerGepflanzt sind die Pfähle nach Pfandes Maß;85
Gehäuft nun füll’ es der Hort!

WotanEilt mit dem Werk: widerlich ist mir’s!

LogeHilf mir, Froh!

FrohFreias Schmach eil’ ich zu enden.
Loge und Froh häufen hastig zwischen den Pfählen die Geschmeide

Vertragstreue
Nibelungen

85
FafnerNicht so leicht und locker gefügt!
er drückt mit roher Kraft die Geschmeide dicht zusammen
Fest und dicht füll’ er das Maß.Nibelungen
Riesen
50
er beugt sich, um nach Lücken zu spähenHort50
Hier lug’ ich noch durch:50
verstopft mir die Lücken!

50
LogeZurück, du Grober!

50
FafnerHierher!

50
LogeGreif’ mir nichts an!

50
FafnerHierher! Die Klinze verklemmt!

50
Wotan unmutig sich abwendend
Tief in der Brust brennt mir die Schmach!

Fricka den Blick auf Freia geheftet
Sieh, wie in Scham schmählich die Edle steht:
um Erlösung fleht stumm der leidende Blick.Freia14
Böser Mann! Der Minnigen botest du das!

FafnerNoch mehr! Noch mehr hierher!

Riesen
Nibelungen
58
DonnerKaum halt’ ich mich: schäumende Wut
weckt mir der schamlose Wicht!
Hierher, du Hund! Willst du messen,
so miß dich selber mit mir!

FafnerRuhig, Donner! Rolle, wo’s taugt:
hier nützt dein Rasseln dir nichts!

Donner holt aus
Nicht dich Schmähl’chen zu zerschmettern?

WotanFriede doch!Vertragstreue85
Schon dünkt mich Freia verdeckt.

LogeDer Hort ging auf.

Hort
Nibelungen
30
Fafner mißt den Hort genau mit dem Blick und späht nach LückenJugend33
Noch schimmert mir Holdas Haar:
dort das Gewirk wirf auf den Hort!

LogeWie? Auch den Helm?

FafnerHurtig, her mit ihm!

Tarnhelm74
WotanLaß ihn denn fahren!

74
Loge wirft den Tarnhelm auf den Hort74
So sind wir denn fertig!
Seid ihr zufrieden?

FasoltFreia, die Schöne, schau’ ich nicht mehr:
so ist sie gelöst? Muß ich sie lassen?
er tritt nahe hinzu und späht durch den HortHort
Nibelungen
Freia
Angst
30


Weh! Noch blitzt ihr Blick zu mir her;
des Auges Stern strahlt mich noch an:
durch eine Spalte muß ich’s erspäh’n.Freia
Angst
14
außer sich
Seh’ ich dies wonnige Auge,
von dem Weibe lass’ ich nicht ab!

Entsagung6
FafnerHe! Euch rat’ ich,Nibelungen50
verstopft mir die Ritze!

50
LogeNimmersatte! Seht ihr denn nicht,
ganz schwand uns der Hort?

FafnerMitnichten, Freund! An Wotans Finger
glänzt von Gold noch ein Ring:
den gebt, die Ritze zu füllen!

WotanWie! Diesen Ring?

LogeLaßt euch raten!
Den Rheintöchtern gehört dies Gold;Rheintöchtersang57
ihnen gibt Wotan es wieder.

WotanWas schwatztest du da?
Was schwer ich mir erbeutet,
ohne Bangen wahr’ ich’s für mich!

Rheingold54
LogeSchlimm dann steht’s um mein Versprechen,
das ich den Klagenden gab!

WotanDein Versprechen bindet mich nicht;
als Beute bleibt mir der Reif.

FafnerDoch hier zur Lösung mußt du ihn legen.

Ring59
WotanFordert frech, was ihr wollt,59
alles gewähr’ ich;59
um alle Welt,59
doch nicht fahren lass’ ich den Ring!

59
Fasolt zieht wütend Freia hinter dem Horte hervor
Aus denn ist’s, beim Alten bleibt’s;
nun folgt uns Freia für immer!

FreiaHilfe! Hilfe!

Wehe99
FrickaHarter Gott, gib ihnen nach!

99
FrohSpare das Gold nicht!

99
DonnerSpende den Ring doch!99
Fafner hält den fortdrängenden Fasolt noch auf; alle stehen bestürzt

WotanLaßt mich in Ruh’! Den Reif geb’ ich nicht!