Rheingold 4. Szene 4

Donner sich entschlossen zu den Riesen wendend
Hört, ihr Riesen! Zurück, und harret:
das Gold wird euch gegeben.

FreiaDarf ich es hoffen?
Dünkt euch Holda wirklich der Lösung wert?Erda8
Alle blicken gespannt auf Wotan; dieser nach tiefem Sinnen zu sich kommend, erfaßt seinen Speer und schwenkt ihn wie zum Zeichen eines mutigen Entschlusses

Vertrag83
WotanZu mir, Freia! Du bist befreit.
Wieder gekauft kehr’ uns die Jugend zurück!Entsagung6
Ihr Riesen, nehmt euren Ring!
er wirft den Ring auf den Hort
Die Riesen lassen Freia los; sie eilt freudig auf die Götter zu, die sie abwechselnd längere Zeit in höchster Freude liebkosen. Fafner breitet sogleich einen ungeheuren Sack aus und macht sich über den Hort her, um ihn da hineinzuschichten

Fasolt dem Bruder sich entgegenwerfend
Halt, du Gieriger! Gönne mir auch was!Riesen58
Redliche Teilung taugt uns beiden.

Nibelungen58
FafnerMehr an der Maid als am Gold58
lag dir verliebtem Geck:58
mit Müh’ zum Tausch vermocht’ ich dich Toren;
Ohne zu teilen, hättest du Freia gefreit:
teil’ ich den Hort,
billig behalt’ ich die größte Hälfte für mich.

FasoltSchändlicher du! Mir diesen Schimpf?
zu den Göttern
Euch ruf’ ich zu Richtern:
teilet nach Recht uns redlich den Hort!
Wotan wendet sich verächtlich ab

LogeDen Hort laß ihn raffen;Nibelungenhass51
halte du nur auf den Ring!

Fasolt stürzt sich auf Fafner, der immerzu eingesackt hatRing59
Zurück, du Frecher! Mein ist der Ring;59
mir blieb er für Freias Blick!59
Er greift hastig nach dem Reif. Sie ringen.

59
FafnerFort mit der Faust! Der Ring ist mein!59
Fasolt entreißt Fafner den Ring

59
FasoltIch halt’ ihn, mir gehört er!

59
Fafner mit einem Pfahle nach Fasolt ausholend
Halt’ ihn fest, daß er nicht fall’!
Er streckt Fasolt mit einem Streiche zu Boden, dem Sterbenden entreißt er dann hastig den Ring
Nun blinzle nach Freias Blick!
An den Reif rührst du nicht mehr!Ring59
Er steckt den Ring in den Sack und rafft dann gemächlich den Hort vollends ein. Alle Götter stehen entsetzt. Langes, feierliches Schweigen

Fluch13
WotanFurchtbar nun erfind’ ich des Fluches Kraft!

13
LogeWas gleicht, Wotan, wohl deinem Glücke?Nibelungenhass51
Viel erwarb dir des Ringes Gewinn;51
daß er nun dir genommen, nützt dir noch mehr:51
deine Feinde – sieh – fällen sich selbstRiesen58
um das Gold, das du vergabst.

Wotan tief erschüttert
Wie doch Bangen mich bindet!Ring59
Sorg’ und Furcht fesseln den Sinn:Erda59
wie sie zu enden, lehre mich Erda:8
zu ihr muß ich hinab!