Rheingold 4. Szene 5

Fricka schmeichelnd sich an ihn schmiegendWeib101
Wo weilst du, Wotan? 101
Winkt dir nicht hold die hehre Burg, 101
die des Gebieters gastlich bergend nun harrt?

Walhall90
Wotan düster
Mit bösem Zoll zahlt’ ich den Bau.

Ring
Fluch

59
Donner auf den Hintergrund deutend, der noch in Nebel gehüllt ist
Schwüles Gedünst schwebt in der Luft;
lästig ist mir der trübe Druck!
Das bleiche Gewölk
samml’ ich zu blitzendem Wetter,
das fegt den Himmel mir hell.
er besteigt einen hohen Felsstein am Talabhange und schwingt dort seinen Hammer; Nebel ziehen sich um ihn zusammen
He da! He da! He do! Gewitter19
Zu mir, du Gedüft! Ihr Dünste, zu mir!
Donner, der Herr, ruft euch zu Heer! Gewitter19
er schwingt den Hammer
Auf des Hammers Schwung schwebet herbei! Gewitter19
Dunstig Gedämpf! Schwebend Gedüft!
Donner, der Herr, ruft euch zu Heer!
He da! He da! He do! Gewitter19
Er verschwindet völlig in einer immer finsterer sich ballenden Gewitterwolke. Man hört Donners Hammerschlag schwer auf den Felsstein fallen: ein starker Blitz entfährt der Wolke; ein heftiger Donnerschlag folgt. Froh ist mit dem Gewölk verschwunden.Regenbogen19
unsichtbar53
Bruder, hieher! Weise der Brücke den Weg! 53
Plötzlich verzieht sich die Wolke; Donner und Froh werden sichtbar: von ihren Füßen aus zieht sich, mit blendendem Leuchten, eine Regenbogenbrücke über das Tal hinüber bis zur Burg, die jetzt, von der Abendsonne beschienen, im hellsten Glanze erstrahlt. Fafner, der neben der Leiche seines Bruders endlich den ganzen Hort eingerafft, hat, den ungeheuren Sack auf dem Rücken, während Donners Gewitterzauber die Bühne verlassen.

53
Froh der der Brücke mit der ausgestreckten Hand den Weg über das Tal angewiesen, zu den Göttern53
Zur Burg führt die Brücke, 53
leicht, doch fest eurem Fuß: 53
beschreitet kühn ihren schrecklosen Pfad! 53
Wotan und die anderen Götter sind sprachlos in den prächtigen Anblick verloren

Walhall90
WotanAbendlich strahlt der Sonne Auge; 90
in prächtiger Glut prangt glänzend die Burg. 90
In des Morgens Scheine mutig erschimmernd, 90
lag sie herrenlos, hehr verlockend vor mir. 90
Von Morgen bis Abend, in Müh’ und Angst, Ring59
nicht wonnig ward sie gewonnen! 59
Es naht die Nacht: vor ihrem Neid Erda8
biete sie Bergung nun.
Wie von einem großen Gedanken ergriffen, sehr entschlossenSchwert65
So grüß’ ich die Burg,
sicher vor Bang’ und Grau’n! Schwert65
er wendet sich feierlich zu Fricka
Folge mir, Frau:
in Walhall wohne mit mir!

FrickaWas deutet der Name? Walhall90
Nie, dünkt mich, hört’ ich ihn nennen.

90
WotanWas, mächtig der Furcht, 90
mein Mut mir erfand, 90
wenn siegend es lebt, 90
leg’ es den Sinn dir dar! 90
er faßt Fricka an der Hand und schreitet mit ihr langsam der Brücke zu; Froh, Freia und Donner folgen

Loge im Vordergrunde verharrend und den Göttern nachblickendLoge
Ring
42
Ihrem Ende eilen sie zu, 42
die so stark in Bestehen sich wähnen. 42
Fast schäm’ ich mich, mit ihnen zu schaffen; 42
zur leckenden Lohe mich wieder zu wandeln, 42
spür’ ich lockende Lust: 42
sie aufzuzehren, die einst mich gezähmt, 42
statt mit den Blinden blöd zu vergehn, 42
und wären es göttlichste Götter! 42
Nicht dumm dünkte mich das!
Bedenken will ich’s: wer weiß, was ich tu’! Loge42
Er geht, um sich den Göttern in nachlässiger Haltung anzuschließen. Aus der Tiefe hört man den Gesang der Rheintöchter heraufschallen

Walhall90
Die drei Rheintöchter in der Tiefe des Tales, unsichtbar
Rheingold! Rheingold! Reines Gold! Rheintöchtersang57
Wie lauter und hell leuchtest hold du uns! 57
Um dich, du klares, wir nun klagen: 57
gebt uns das Gold! 57
O gebt uns das reine zurück!

57
Wotan im Begriff, den Fuß auf die Brücke zu setzen, hält an und wendet sich um
Welch’ Klagen klingt zu mir her?

Rheingold54
Loge späht in das Tal hinab
Des Rheines Kinder beklagen des Goldes Raub!

WotanVerwünschte Nicker!
zu Loge
Wehre ihrem Geneck!

Loge in das Tal hinabrufend
Ihr da im Wasser, was weint ihr herauf? Walhall90
Hört, was Wotan euch wünscht! 90
Glänzt nicht mehr euch Mädchen das Gold, 90
in der Götter neuem Glanze 90
sonnt euch selig fortan! 90
Die Götter lachen und beschreiten dann die Brücke

Machtdünkel43
Die drei Rheintöchter aus der Tiefe
Rheingold! Rheingold! Reines Gold! Rheintöchtersang57
O leuchtete noch in der Tiefe dein laut’rer Tand! Rheingold57
Traulich und treu ist’s nur in der Tiefe: 57
falsch und feig ist, was dort oben sich freut! 57
während die Götter auf der Brücke der Burg zuschreiten, fällt der VorhangWalhall
Schwert

90
Ende Rheingold