Rienzi 1. Aufzug 2

Nr. 2. Terzett
Rienzi, Adriano und Irene bleiben zurück. Adriano hat bisher in Staunen und stummes Hinbrüten versunken beiseite gestanden. Rienzi umfaßt Irene mit heftiger Aufwallung.
RienziO Schwester, sprich, was dir geschah,
welch Leid dir Ärmsten angetan?

IreneIch bin gerettet: Jener war’s,
der mich aus ihrer Hand befreit.

RienziAdriano, du! Wie, ein Colonna
beschützt ein Mädchen vor Entehrung?

AdrianoMein Blut, mein Leben für die Unschuld!
Rienzi, wie? Kennst du mich nicht?
Wer nannte je mich einen Räuber?

RienziDu weilst, Adriano? Ziehst nicht
hinaus zum Kampfe für Colonna?

AdrianoWeh mir, daß ich dein Wort versteh’,
erkenne, was du in dir birgst,
daß ich es ahne, wer du bist,
und doch dein Feind nicht werden kann!

RienziIch kannte stets nur edel dich,
du bist kein Greuel dem Gerechten.
Adriano! Darf ich Freund dich nennen?

AdrianoRienzi, ha, was hast du vor?
Gewaltig seh’ ich dich, sag an,
wozu gebrauchst du die Gewalt?

RienziNun denn! Rom mach’ ich groß und frei,
aus seinem Schlaf weck’ ich es auf;
und jeden, den im Staub du siehst,
mach’ ich zum freien Bürger Roms.

AdrianoEntsetzlicher, durch unser Blut!
Rienzi, wir haben nichts gemein!...
Er will gehen; sein Blick fällt auf Irene.
Und kann ich gehn? Kann ich
bezwingen dieses Herz!
Weh mir, daß mich Entsetzen treibt,
und doch ich nie sie fliehen kann!

RienziAdriano! Hör mich, noch ein Wort!
Nicht zum Verderben deines Standes
ersann mein Geist den kühnen Plan;
nur das Gesetz will ich erschaffen,
dem Volk wie Edle untertan.
Kannst du mich tadeln, wenn aus Räubern
zu wahrhaft Edlen ich euch mache,
zu Schützern und zu festen Säulen
des Staates und der guten Sache?

AdrianoIch bin der Erste, das Gesetz
getreu zu üben und zu schirmen,
doch an das Ziel der stolzen Wünsche
gelangst du nur durch blut’ge Bahn,
durch eines feigen Pöbels Wut,
durch meiner Brüder, meines Vaters Blut!

RienziUnseliger! Blut! Blut! Mahne mich nicht an Blut!
Ich sah es fließen – noch ist es nicht gerächt!
Wer war es, der einst meinen armen Bruder,
den holden Knaben, als am Tiberstrande
voll Unschuld er Irenen Kränze wand,
wer war’s, der ihn aus rohem Mißverstand
erschlug? Wer war es, den ich für diesen Mord
vergebens um Gerechtigkeit anrief?

AdrianoHa, Schande! Es war ein Colonna!

RienziHa, ein Colonna! Was tat der arme Knabe
dem edlen, dem patrizischen Colonna?
Blut? Ja, Adriano di Colonna,
ich tauchte diese Hand tief in das Blut,
das aus dem Herzen meines Bruders quoll,
und schwur einen Eid! Weh dem,
der ein verwandtes Blut zu rächen hat!

AdrianoRienzi, du bist fürchterlich!
Was kann ich tun, die Schmach zu sühnen?

RienziAdriano, sei mein, sei ein Römer!

Adriano begeistert
Ein Römer? Laß mich ein Römer sein!
Noch schlägt in dieser Brust
ein freies Römerherz.
Es fühlt der Größe Lust,
der Schmach gewalt’gen Schmerz;
zu sühnen alle Schande,
weih’ ich dies Leben dir,
im freien Römerlande
winkt Glück und Freude mir!

IreneNoch schlägt in seiner Brust
ein freies Römerherz.
Vor solcher Wonne Lust
verschwindet jeder Schmerz!
Mit hoher Liebe Bande
zieht mich mein Herz zu dir,
im freien Römerlande
winkt Glück und Freude mir!

RienziNoch schlägt in seiner Brust
ein freies Römerherz.
Es fühlt der Größe Lust,
der Schmach gewalt’gen Schmerz!
Wer trüge länger Schande?
Das Volk erheben wir!
Wenn frei der Römer Lande,
lohnt Glück und Größe dir!
Die Stunde naht, mich ruft mein hohes Amt.
Adriano, dir vertraue ich die Schwester.
Du rettetest vor Schmach und Schande sie,
so schütze sie noch jetzt! Dies ein Beweis,
daß ich für edel, frei und groß dich halte!
Bald seht ihr mich, das Werk naht der Vollendung!
Er geht nach dem Hintergrunde ab.