Rienzi 1. Aufzug 3

Nr. 3. Duett
Adriano und Irene bleiben zurück.
AdrianoEr geht und läßt dich meinem Schutz;
o Holde, sprich, vertraust du mir?

IreneHeld meiner Ehre, meines Lebens,
mein höchstes Gut vertrau’ ich dir!

AdrianoWohl weißt du, daß ich ein Colonna,
und fliehst mich nicht, des ganzer Stamm
ein Greuel dir und deinem Bruder?

IreneO, warum nennst du dein Geschlecht?
Mir graut vor dir, vor meinem Retter,
gedenke jener Stolzen ich,
die nie verzeihn, daß du vor Schande
ein Bürgermädchen rettetest.

AdrianoAch, mahne jetzt nicht an den Jammer,
der uns, der Rom bedroht!
Dein Bruder, welch ein Geist! Doch ach!
Ich sehe ihn zugrunde gehn!
Der Pöbel selbst wird ihn verraten,
ihn zücht’gen wird der Nobili,
und du, Irene, was dein Los?
Doch, ha, dein Unglück sei mir Losung!
Und jede Bande schwindet hin!
Für dich mein Leben und mein Gut!

IreneUnd wenn ich glücklich bin?

AdrianoO schweige!
Vor deinem Glücke zittre ich!
Es komme Nacht und Tod,
und dein bin ich für ewig!
Ja, eine Welt voll Leiden
versüßt dein holder Blick;
von ihr mit dir zu scheiden
ist göttliches Geschick.
Bräch’ auch die Welt zusammen,
riss’ jeder Hoffnung Band,
der Liebe Regionen
beu’n uns ein neues Vaterland.

IreneJa, eine Welt voll Leiden
versüßt der Liebe Glück;
von ihr mit dir zu scheiden
ist göttliches Geschick.
Bräch’ auch die Welt zusammen,
riss’ jeder Hoffnung Band,
der Liebe Regionen
beu’n uns ein neues Vaterland.
Trompeten hinter der Szene.
Ihr Heil’gen! Welche Schreckenstöne!

AdrianoMir wohlbekannt: Colonnas Scharen!
Unter großem Getümmel ziehen die Colonna gerüstet und teils zu Pferde über die Straße. Voran Trompeter.

Irene nach dem Hause zu fliehend
Weh mir! Sie suchen Beute!

AdrianoO bleib! Ich stehe dir zur Seite!
Trompeten der Orsini, welche ebenfalls gerüstet und zu Pferde geräuschvoll über die Straße ziehen.
Das sind Orsinis Räuberscharen;
die Übermüt’gen, sie ziehn zum Kampfe!
Sie kennen Mord und Schandtat nur!
Ich schaudre! Welche Schreckensahnung!
Welch düstres Grau’n durchbebt die Brust!
Doch seid willkommen, Schreck und Tod!
Sie heißen meine Liebe mich bewähren!

IreneBräch’ auch die Welt zusammen,
riss’ jeder Hoffnung Band;
der Liebe Regionen
beu’n uns ein neues Vaterland!
Sie bleiben in stummer Umarmung. – Man hört aus der Ferne den lang gehaltenen Ton einer Trompete. – Etwas näher.
aus der Umarmung auffahrend
Was für ein Klang?

AdrianoWie schauerlich!
Trompete noch näher.
Was hat das zu bedeuten?
Das ist kein Kriegsruf der Colonna.