Rienzi 1. Aufzug 4

Nr. 4. Finale
Ein Herold betritt die Bühne, ein Trompeter an seiner Seite bläst einen lang gehaltenen Ton. Adriano und Irene sind auf die Seite getreten. Aus allen Häusern brechen wie in einem Moment die Einwohner hervor, so daß der ganze Platz bis zum Lateran hin plötzlich mit einer großen Volksmasse bedeckt ist, die ihn mit dem freudigsten Tumult erfüllt.
Volk in wildem Enthusiasmus
Gegrüßt, gegrüßt sei, hoher Tag!
Die Stunde naht! Vorbei die Schmach!
Aus dem Lateran, dessen Fenster jetzt im rötesten Frührot strahlen, hört man die Orgel beginnen; bei ihrem Klange legt sich augenblicklich das Toben des Volkes; die ganze Straße bis zum Lateran ist mit Knienden bedeckt.

Chor im LateranErwacht, ihr Schläfer nah und fern,
und hört die frohe Botschaft an:
daß Romas schmacherloschner Stern
vom Himmel neues Licht gewann!
Seht, wie er strahlt und sonnengleich
in ferne Nachwelt siegend bricht!
Zur Nacht sinkt Schmach, so totenbleich,
zum Wonnetag steigt Freiheitslicht!
Die Menge liegt noch atemlos auf den Knien, als während der letzten Takte des Kirchengesanges, wo die Orgel wieder eintritt, die Pforten des Laterans sich weit öffnen. Man erblickt die Kirche mit Priestern und Geistlichen aller Orden erfüllt. Auf die große Treppe heraus schreitet Rienzi, ihm zur Seite der Kardinal; Baroncelli und Cecco del Vecchio folgen. Rienzi ist in einer vollständigen Rüstung, nur sein Haupt ist entblößt. Bei seinem Erscheinen erhebt sich das Volk augenblicklich von den Knien und jubelt ihm enthusiastisch entgegen.

VolkRienzi! Ha, Rienzi hoch!
Der Retter naht, vorbei die Schmach!

Rienzi feierlich
Erstehe, hohe Roma, neu!
Sei frei, sei jeder Römer frei!

VolkFrei Roma! Jeder Römer frei!

RienziDie Freiheit Roms sei das Gesetz,
ihm untertan sei jeder Römer;
bestraft sei streng Gewalt und Raub,
und jeder Räuber Romas Feind!
Verschlossen sei, wie jetzt es ist,
den Übermüt’gen Romas Tor;
willkommen sei, wer Frieden bringt,
wer dem Gesetz Gehorsam schwört.
Die Feinde treffe euer Grimm,
vernichtet sei der Frevler Schar,
daß froh und frei der Pilger zieh’,
geschützt der Hirt der Herde folg’! –
So schwört, zu schirmen das Gesetz,
schwört freier Römer heil’gen Schwur!

VolkBefreier, Retter, hoher Held!
Rienzi, höre unsern Schwur!
Wir schwören dir, so groß und frei
soll Roma sein, wie Roma war.
Vor Niedrigkeit und Tyrannei
sie unser letztes Blut bewahr!
Tod und Verderben schwören wir
dem Frevler an der Römer Ehr’!
Ein neues Volk erstehe dir,
wie seine Ahnen groß und hehr!
Cecco del Vecchio tritt vor, unter das Volk.

CeccoIhr Römer, sprecht! Nun, da wir frei,
wer war’s, der uns dazu gemacht?
Wer war’s, der jeden unter uns belehrte,
was Rom sei und was es war?
Geschaffen hat er uns zum Volk,
drum hört mich an und stimmt mir bei:
es sei sein Volk und König er!

Volk in wildem Enthusiasmus
Rienzi Heil! Der Römer König Heil!

Adriano für sich
Unglücklicher! Wie, sollt’ er’s wagen?
Es herrscht große Aufregung, die sich, sobald Rienzi beginnt, augenblicklich legt.

RienziNicht also! Frei wollt’ ich euch haben!
Die heil’ge Kirche herrsche hier,
Gesetze gebe ein Senat.
Doch wählet ihr zum Schützer mich
der Rechte, die dem Volk erkannt,
so blickt auf eure Ahnen
und nennt mich euren Volkstribun.

CeccoRienzi, Heil dir, dir Volkstribunen,
Hort unsrer Freiheit!
Rienzi kniet vor dem Kardinal.

KardinalDes Heil’gen Vaters Segen ruht
auf dir, Tribun und Friedensheld!

IreneHeil dir, Rienzi, glorreicher Bruder!

Adriano hingerissen
Und aller Segen folge dir!

Rienzi erhebt sich von den Knien
Ihr Römer! Nun, so schwöre ich,
zu schützen euch und euer Recht!
Lang blühe Romas neu Geschlecht!

VolkBefreier, Retter, hoher Held;
dir huldigt freier Römer Schwur!

CeccoWir schwören dir, so groß und frei
soll Roma sein, wie Roma war.
Vor Niedrigkeit und Tyrannei
sie unser letztes Blut bewahr’!
Schmach und Verderben schwören wir
dem Frevler an der Römer Ehr’!
Ein neues Volk erstehe dir,
wie seine Ahnen groß und hehr!
Der Vorhang fällt.