Rienzi 2. Aufzug 1

Zweiter Aufzug
Nr. 5. Introduktion
Chor der Friedensboten auf dem Theater, sehr entfernt
Jauchzet, ihr Täler!
Frohlockt, ihr Berge!
Frei prangt die Flur,
erfüllt von Segensspur!
Jauchzet, ihr Berge!
Frohlockt, ihr Täler!
Der Vorhang geht auf. – Die Bühne bleibt noch eine Zeitlang leer. Den folgenden Gesang der Friedensboten hört man wie aus den Straßen näherkommend, bis diese selbst mit dem ersten Friedensboten an der Spitze gegen die Mitte des Gesanges durch das große Portal in einem langsamen Zuge auftreten. Sie sind festlich antik in Weiß gekleidet und tragen silberne Stäbe.
Ihr Römer, hört die Kunde
des holden Friedens an:
Auf Romas heil’gem Grunde
wallt freudig jede Bahn!
In düstrer Felsen Schluchten
drang goldner Sonne Schein;
in Meeres sichren Buchten
zieht froh die Segel ein!
Denn Friede ist gekommen,
der Freiheit Licht gewonnen!
Jauchzet, ihr Täler!
Frohlockt, ihr Berge!
Rienzi tritt auf mit Cecco, Baroncelli und den Senatoren.

RienziDu, Friedensbote, sage an,
hast deine Sendung du vollbracht?
Zogst du durchs ganze Römerland
und bringest Frieden du und Segen uns?

Erster FriedensboteIch sah die Städte, sah das Land,
ich zog entlang des Meeres Strand;
so weit das Land der Römer reicht,
trug mich mein Fuß beschwingt und leicht.
Und Frieden fand ich überall,
froh tönt des Jubels Widerhall.
Frei treibt der Hirt die Herde hin,
reich prangt der Felder Fruchtgewinn.
Der Burgen Wälle stürzen ein,
denn frei will jeder Römer sein.
So weit das Land der Römer reicht,
trug uns der Fuß beschwingt und leicht,
und Frieden fand ich überall,
froh tönt des Jubels Widerhall.
Frei treibt der Hirt die Herde hin,
reich prangt der Felder Fruchtgewinn.
Der Burgen Wälle stürzen ein,
denn frei will jeder Römer sein.

RienziDir Preis und deiner hohen Macht!
Durch dich, mein Gott, hab’ ich’s vollbracht!

SenatorenDir alles Glück verdanken wir,
dem größten Römer, Ehre dir!

RienziGeht, Friedensboten, ziehet denn
durch alle Straßen Romas hin,
bringt jedem Römer eure Kunde!
Die Friedensboten verlassen unter Anstimmung der Hymne langsam durch das Portal die Bühne. Der Gesang verhallt zum Schluß in den Straßen.

Chor der FriedensbotenIhr Römer, hört die Kunde
des holden Friedens an:
Auf Romas heil’gem Grunde
wallt freudig jede Bahn!
In düstrer Felsen Schluchten
drang goldner Sonne Schein;
in Meeres sichren Buchten
zieht froh die Segel ein!
Denn Friede ist gekommen!
Der Freiheit Licht gewonnen!
Jauchzet, ihr Täler!
Frohlockt, ihr Berge!
Rienzi ist in stummes Gebet versunken. – Steffano Colonna, Orsini und die Nobili, alle in Friedensgewändern, treten auf und grüßen Rienzi mit stolzer Unterwürfigkeit.

ColonnaRienzi, nimm des Friedens Gruß!

RienziHeil euch! – Was fehlt noch Rom zu seinem Glücke,
da seine mächt’gen, stolzen Feinde jetzt
zurückgekehrt und Treue ihm geschworen!

ColonnaRienzi, ich bewundre dich;
zwar sucht’ ich diese Größe nie in dir,
doch sei’s darum! Ich will sie anerkennen!

RienziDes Friedens, des Gesetzes Größe nur,
nicht meine, sollt ihr anerkennen!
Vergeßt es nie, daß dieser Preis es war,
um den wir kämpften; – daß diese Tore sich
euch öffneten, nur da ihr Treu’ ihm schwurt,
daß ihr ihm untertan sein sollt
wie der geringste der Plebejer!
Die Mauern eurer Schlösser saht ihr fallen,
durch die ihr Rom zum Räuberlager machtet.
Weh euch, wenn ihr drum Groll noch nährt,
wenn euer Herz der neue Tag noch nicht
erwärmt! Weh euch beim kleinsten Übertritt!
Denn ich vor allem schütze das Gesetz,
ich, der Tribun.
Mit freundlicher Herablassung.
Ihr Herrn und Edlen, ich
erwarte euch zum Feste in diesen Sälen!
Er geht ab mit Cecco, Baroncelli und den Senatoren.