Rienzi 2. Aufzug 2

Nr. 6. Szene, Terzett und Chor
OrsiniColonna, hörtest du das freche Wort?
Sind wir verflucht, zu dulden solche Schmach?

ColonnaHa, wie ich knirsche! Der Plebejer, er,
den ich zum Spott an meiner Tafel hielt!

OrsiniWas ist zu tun? Wir sind besiegt.
Und dieser Pöbel, den mit Füßen wir
getreten, wie verwandelte er sich!
Die Masse ist bewaffnet, Mut und Begeisterung
in jedem der Plebejer.

ColonnaDer Pöbel – ha!
Rienzi ist’s, der ihn zu Rittern macht.
Nimm ihm Rienzi, und er ist, was er war.
Die Nobili schließen einen engeren Kreis um Orsini und Colonna. Adriano tritt ungesehen auf, beobachtet die Gruppe und mischt sich unbemerkt unter sie.

OrsiniSo wäre denn auf ihn allein
der Streich zu führen, der uns frommt?

ColonnaEr ist der Götze dieses Volks,
das er durch Trug verzaubert hält.

OrsiniDoch für Gewalt und offne Tat
sind wir zu schwach, vermögen nichts.

ColonnaWas bleibt uns übrig? Tötet ihn
inmitten dieser Narrenbrut,
hin ist die Pracht und uns der Preis!

OrsiniHa, du sprichst wahr! Und diesen Stoß,
wer führt ihn sichrer wohl als ich?
Heut ist das Fest in diesen Sälen,
schließt euch um mich, ich fehle nie!

ColonnaVierhundert Lanzen, denen er
die Stadt verschloß, bring’ ich herein,
besetze schnell das Kapitol,
und Rom gehört von neuem uns.

Nobili wild auffahrend
So sei’s!

Adriano tritt hervor und steht vor Orsini und Colonna
Ha, Meuchelmörder! Sprecht,
was habt ihr vor? Was brütet ihr?

OrsiniColonna, sprich, sind wir verraten?

Colonna mißt Adriano mit scharfem Blicke
Wer bist du? Sag, bist du mein Sohn?
Ha, oder bist du mein Verräter?

AdrianoDes ritterlichen Vaters Sohn,
der Ehre bis ins Alter liebte,
der fremd war jeder Bubentat,
Orsinis Feind und seiner Rotte.

OrsiniVerräter, frecher Knabe du!

ColonnaLehrt solches Wort dich der Tribun?
Weh dir, erkenne ich für wahr,
wie ich sie ahne, deine Schmach!

AdrianoBist du noch immer blind, mein Vater?

ColonnaHa, schweig! Du bist in seinen Händen,
und zum Verräter am eignen Vater
benutzt dich der Tribun! Fluch ihm!
Erschienen sei sein letzter Tag!


Den folgenden Ausschnitt kann man sich anhören!
AdrianoO Gott, so hört’ ich wirklich recht?
Ihr brütet finstern Meuchelmord?
Laßt euch beschwören, o beschimpft
nicht so die Namen, schon genug
befleckt durch Raubtat und Gewalt!

OrsiniHört den Treulosen! – Wie, Colonna,
du züchtigst deinen Knaben nicht?

Colonna hart an Adriano
So wisse! Heut, in diesen Sälen,
stirbt der Tribun von unsrer Hand.
Du weißt’s, Verworfner! Geh denn hin,
verrate ihm mich, deinen Vater!

AdrianoEntsetzlich! Ha, mein Schreckenslos!
Sieh meine Angst, erhör mein Flehen!

ColonnaVerräter bist du, nicht mein Sohn!

OrsiniKomm fort, nicht sicher sind wir hier!

AdrianoMein Vater, bleib und hör mich an!

ColonnaVergebens, Bube, ich bin fest!

AdrianoSei gnädig und erbarm dich mein!
Mein Vater!

NobiliHör ihn nicht an! Auf, folge uns!

Adriano auf den Knien
Zu deinen Füßen fleht dein Sohn!
Du bringst Verzweiflung auf sein Haupt!

ColonnaRienzi stirbt von unsrer Hand,
du weißt’s, geh hin, verrate mich!

AdrianoO hör der Ehre Hochgebot!
Hör deines Sohnes Jammer an!
Sieh mich in meiner Todesnot;
Verzweiflung faßt mich Ärmsten an!

NobiliSo sei’s! Geschworen ist ihm Tod!
Für unsre Schmach sei’s jetzt getan! –
In diesen Hallen, blutigrot,
soll enden des Plebejers Bahn!

ColonnaSo sei’s! Geschworen ist ihm Tod;
für unsre Schmach sei’s jetzt getan! –
Flieh meinen Fluch, der dich bedroht,
den Vatermörder trifft er an!
Colonna stößt Adriano von sich zu Boden. Alle außer Adriano entfernen sich unter drohenden Gebärden.

Adriano richtet sich leichenblaß vom Boden auf.
Ich will denn ein Verräter sein:
Irenens Bruder, Rienzi, lebe!
Er will abgehen, plötzlich schaudert er aber zurück.
Verräter! Ha, was willst du tun?
Mein Vater...er?...sein graues Haupt
dem Henkerbeil? Ha, nimmermehr!
in Verzweiflung
Ihr Heil’gen, schützt vor Wahnsinn mich!
Er geht ab.