Rienzi 2. Aufzug 3

Nr. 7. Finale
Der Zug der römischen Bürgerschaften naht sich durch das große Portal. Voran die Senatoren, ihnen folgen die Nobili und das Volk. Alle sind festlich geschmückt.
VolkErschallet Feierklänge!
Stimmt Jubellieder an!
Ihn ehren die Gesänge,
der Freiheit uns gewann!
Rienzi tritt auf; mit ihm Irene, Baroncelli und Cecco del Vecchio. – Allgemeine Begrüßungen.

RienziSeid mir gegrüßt, ihr Römer all!
Ha, welch ein Anblick beut sich mir dar,
vereint, geschmückt zum Friedensfest! –
Der Friede hoch! Lang blühe Rom!

VolkDer Friede hoch! Lang blühe Rom!

BaroncelliEs nahen die Gesandten sich,
die Nah und Fern dir zugesandt!
Der Gesandte Mailands tritt auf mit einem glänzenden Gefolge.

Der Gesandte MAilandsHeil dir, und ewiges Gedeihn
wünscht Mailand dem erstandnen Rom!
Die Gesandten der Lombardei mit Gefolge.

Der Gesandten der LombardeiGruß jeder Stadt der Lombardei
entbieten wir dem Schützer Roms.
Der Gesandte Neapels mit Gefolge.

Der Gesandte NeapelsRuhm dir, und hohe Ehre Rom
bezeigt Neapels Königin!
Die Gesandten Böhmens und Bayerns mit Gefolge.

Die Gesandten Böhmens UND BayeVon Deutschland her kommt dir der Gruß:
Gedeihen dir und Ehre Rom!

RienziIm Namen Roms nehmt vollen Dank!
Nie ende Neid den schönen Bund! –
in wachsender Begeisterung
Ja, Gott, der Wunder schuf durch mich,
verlangt, nicht jetzt schon stillzustehn.
So wißt, nicht Rom allein sei frei –
nein, ganz Italien sei frei!
Heil dem ital’schen Bunde!

Die Gesandten ItaliensHeil dem ital’schen Bunde!

RienziUnd weiter noch treibt Gott mich an! –
Im Namen dieses Volks von Rom
und kraft der mir verliehnen Macht
lad ich die Fürsten Deutschlands vor,
bevor ein Kaiser sei gewählt,
sein Recht den Römern darzutun,
mit dem er König Roms sich nennt.
Auch Rom erwähle ihn so fort
denn Rom sei frei und blühe lang!
Außerordentliche Sensation; betroffene Bewegung der Gesandten Böhmens und Bayerns.

Orsini heimlich zu Colonna
Der Übermüt’ge! Ist er toll?

ColonnaHa, fast erspart er dir den Stoß!

RienziHerold, beginnen mag das Fest!
Vorbereitungen zur Pantomime.

Adriano unbemerkt und heimlich zu Rienzi
Rienzi, sei auf deiner Hut!

RienziDroht mir Verrat?

AdrianoSchütz dich! Nichts weiter!

RienziVerrat? Von wem als diesen Edlen?

AdrianoNur meine Ahnung!

RienziFürchte nichts!
Ein Panzerhemd deckt meine Brust!
Er entfernt Baroncelli mit einem heimlichen Auftrage. – Nachdem alles zur Pantomime geordnet ist, tritt der Herold vor.

Der HeroldIhr Römer, es beginnt das Fest.
Ein hohes Schauspiel stellt sich dar.
Erfahret, wie einst Lucretias Tod,
durch Brutus’ Heldentat gerächt,
Tarquinius’ Tyrannei vertrieb
und Romas Söhnen Freiheit gab.
Pantomime
Lucretia gefolgt von ihren Frauen; Collatinus, ihr Gatte, und mehrere angesehene Römer, unter ihnen Brutus. Collatinus: er müsse sie verlassen, der Tyrann Tarquinius habe ihn zu einem Feste geladen, zu dem ihn seine Freunde begleiten würden. Lucretia: – er solle sie nicht verlassen, ihr sei so bang in seiner Abwesenheit. Collatinus: er müsse der Einladung Folge leisten, damit er den Tyrannen einlulle, um ihn desto sicherer zu verderben! Lucretia: Sie beschwöre ihn von neuem, sie nur heute nicht zu verlassen; sie quälten die fürchterlichsten Ahnungen, zu denen sie gräßliche Träume der vorigen Nacht trieben. Collatinus: sie sei wohl krank? Er befiehlt Virginia und den Jungfrauen, während seiner Abwesenheit Lucretia treu zu bewachen und ihre Augen durch muntere Spiele zu erfreuen. Er nimmt zärtlich Abschied von Lucretia. Sie umarmt ihn heftig; – er geht mit seinen Freunden. Lucretia sinkt auf ein Ruhebett und verbleibt in schwermütiges Hinbrüten versunken zurück. Virginia naht sich Lucretia mit Teilnahme und richtet an sie die Frage, ob sie nicht erlauben wolle, daß die Jungfrauen sie mit Spiel und Tanz aufzuheitern suchen dürften? Lucretia willigt ein. Einige der Jungfrauen ergreifen Harfen, die anderen ordnen sich zu einem Tanze: Ballett.
Tarquinius hat sie belauscht. Auf sein Geheiß brechen seine Trabanten hervor und bemächtigen sich nach einigem Kampfe der Jungfrauen, die sie mit sich fortführen. – Lucretia ist vor Schreck bewußtlos hingesunken. Tarquinius ist mit ihr allein; er betrachtet sie voll ungestümen Verlangens und sucht sich der Hingesunkenen zu bemächtigen; Lucretia erwacht aus ihrer Betäubung. Sie begreift schnell das Schreckliche ihrer Lage. Sie entsetzt sich und sucht zu entfliehen. Tarquinius hält sie zurück; – sie sucht ihn abzuwehren. Sie ringen eine Zeitlang. Oft macht sie sich los und sucht nach verschiedenen Seiten hin zu entfliehen; – überallhin folgt er ihr und hält sie zurück; – sie sucht ihn bald durch bittende, bald durch drohende Gebärden von sich abzuhalten. – In der Verzweiflung senkt sie sich auf die Knie; – und beschwört ihn, ihre Ehre zu schonen. Tarquinius hebt sie auf und kniet selbst vor ihr, indem er sie bittet, seinem Verlangen nicht zuwider zu sein; ihre Schönheit flöße ihm eine zu große Glut ein, als daß er sie nicht gelöscht sehen solle. Sie solle bedenken, daß er der Beherrscher der Römer sei, der über alle, auch über sie unumschränkt zu gebieten habe. Sie stößt ihn mit grimmiger Verachtung von sich; – dies reizt seine Wut; mit roher Gewalt sucht er sich jetzt ihrer zu bemächtigen; sie wehrt sich nochmals auf das Verzweifeltste; ihre Kräfte scheinen endlich zu sinken – er erfaßt sie und schleppt sie nach dem Ruhebette – plötzlich stößt sie ihn aufs neue gewaltsam von sich; sie hat ihm das Schwert entrissen und droht ihm, sich zu durchbohren, wenn er nicht von ihr ablasse; er dringt demohngeachtet auf sie zu und sucht ihr das Schwert zu entreißen, sie wehrt ihn glücklich ab und stößt sich das Schwert in die Brust. Sie sinkt tot nieder. Tarquinius ist auf das Äußerste bestürzt. Seine Trabanten nahen sich mit der Nachricht, daß Collatinus mit vielen Begleitern zurückkehre. – Tarquinius entflieht mit ihnen. –
Collatinus, Brutus, Virginia und eine Anzahl junger Römer treten auf: Virginia hatte sich den Trabanten entrissen, war zu Collatinus geeilt und hat ihn von allem benachrichtigt, was in seiner Abwesenheit vorgefallen. – Sie erblicken die Leiche. Collatinus stürzt sich mit heftigem Schmerz über sie hin; – alle stehen von tiefem Entsetzen ergriffen. Brutus ermannt sich zuerst, erhebt Collatinus und zieht das Schwert aus Lucretias Brust. Mit heroischem Pathos, über den die anderen erstaunen, hebt Brutus mit beiden Händen das Schwert zum Himmel und schwört Untergang der Tyrannei. Er hält den übrigen das Schwert hin und fordert sie auf, denselben Schwur zu leisten. Alle sind durch Brutus hingerissen. Sie schwören auf das Schwert Bestrafung und Vertreibung der Tyrannei. Brutus fordert sie zum schnellen Vollzug des Schwures auf; sie sind entschlossen, sogleich alles zu wagen. Sie entblößen ihre Schwerter, heben Lucretias Leiche auf und eilen davon.
Tarquinius kommt mit seinen Trabanten. Er ist auf der Flucht, sein Schritt ist matt und schwankend. Voll Entsetzen und Wut blickt er hinter sich; seine Begleiter fordern ihn auf zu fliehen. Seine Freunde bewegen ihn endlich, ihnen zu folgen. Er blickt noch einmal zurück, mit einer Gebärde, als ob nun alles verloren sei, wirft er sein Diadem von sich und entflieht.
Brutus, Collatinus und die Scharen der römischen Jugend, alle in Waffen, gelangen, Tarquinius verfolgend, auf die Bühne. Brutus hält sie von der weiteren Verfolgung zurück; der Sieg sei entschieden, der Schwur erfüllt, der Tyrann vernichtet und Rom frei. Er fordert sie auf, die Waffen von sich zu legen und sich mit friedlichen Oliven zu schmücken, denn Friede und Freiheit solle nun herrschen, nur die Waffen sollten sie stets in Bereitschaft halten, Frieden und Freiheit gegen jeden Tyrannen zu schützen; er fordert sie auf, dies zu beschwören. Alle, in der einen Hand das Schwert, in der anderen den Kranz, beschwören, mit jenem diesen zu verteidigen. Festlicher Tanz mit Festhaltung der Allegorie.
Trompeten ertönen. Ein Zug Ritter in mittelalterlichen Kostümen erscheint. Die Römer, die ihre Waffen bereits abgelegt, werden von Brutus ermahnt, sich gegen neue Tyrannen zu verteidigen. Sie werden von den Rittern herausgefordert, ergreifen die Waffen und beginnen den Kampf.
Kampf: Die alten Römer bilden mit ihren Schilden eine Testudo, auf welche ihre Anführer, Brutus voran, steigen und von da herab die Ritter siegreich bekämpfen. – Der Sieg ist entschieden, die Ritter unterliegen.
Der Friede erscheint, ihm folgen Jungfrauen, in gemischt antikem und mittelalterlichem Kostüm. Der Frieden versöhnt die alten mit den neuen Römern. Auf sein Geheiß schmücken die mittelalterlich gekleideten Jungfrauen die alten, die antik gekleideten die neuen Römer mit Friedens-Kränzen und gesellen sich zu ihnen.
Festliche Tänze, die Vereinigung des alten und neuen Roms versinnlichend. Die neuen Römischen Fahnen werden entfaltet; die Fahnen werden von den Zuschauern enthusiastisch begrüßt.
Orsini hat sich während des Schlusses der Tänze immer dichter an Rienzi gedrängt und führt jetzt einen Dolchstoß nach dessen Brust. Adriano, der ihn fest beobachtet hat, fährt dazwischen, ohne jedoch den Stoß zurückhalten zu können. Die Säle sind plötzlich durch Rienzis Trabanten besetzt und die Nobili in einem Moment überwältigt.