Rienzi 2. Aufzug 4

VolkRienzi! Auf! Schützt den Tribun!

Rienzi zu den Nobili
Ihr staunt? Begreift nicht das Mißlingen
der wohlberechnet schönen Tat?
Er entblößt das Gewand auf seiner Brust, die mit einem hellen Panzer bedeckt ist.
So seht denn, wie ich mich gewahrt
vor eurer Liebe! Meuchelmord!
Er galt nicht mir, nein, er galt Rom,
galt seiner Freiheit, seinem Gesetz!
Sie ekelte dies hohe Fest,
das Roms Erstehung feierte!
Viel edler ist ein Meuchelmord
an dem, der Roma neu erschuf!
Zu End, ihr Römer, sind die Feste,
und das Gericht beginnet!
Erschüttert und schweigend entfernt sich alles; nur Rienzi, die Senatoren, Cecco, Baroncelli und sämtliche Nobili, von den Trabanten bewacht, bleiben zurück.
zu den Senatoren
Ihr saht, Signori, das Verbrechen,
vor euren Augen ward’s verübt.

BaroncelliNoch mehr! Colonnas Lanzenvolk
durchbrach das Tor und suchte jetzt
in Eil’ das Kapitol zu nehmen,
das deine Vorsicht schon besetzt.

RienziIhr Edlen, leugnet ihr?

ColonnaWer leugnet?
Zeig deinen Mut, nimm uns das Haupt:
auch deine Stunde ist nicht fern!

Rienzi erschüttert
Was willst du, düstre Mahnung, mir?
Er ermannt sich schnell.
So richtet sie nach dem Gesetz!

CeccoUnd das Gesetz spricht:

SenatorenTod durchs Beil!

RienziNun denn, bereitet sie zum Tod!
Die Nobili werden von den Senatoren und den Trabanten in den hinteren Saal geführt, vor welchem ein roter Vorhang herabgelassen wird. Man hört das dumpfe Geläute der Kapitol-Glocke. Rienzi allein.
Mein armer Bruder, nicht durch mich,
durch Roma selbst wirst du gerächt!
Adriano und Irene stürzen herein.

AdrianoDen Heil’gen Dank! Er ist allein...
Rienzi! Gib mir meinen Vater!

IreneSein Vater! Sprich, was ist sein Los?

RienziDes Hochverräters Los, der Tod!

AdrianoHa, nimmermehr! Bedenk, Tribun,
ich warnte dich, verriet den Vater!
Machst du zu seinem Mörder mich?

RienziBedenke, daß du Römer bist
und nicht des Hochverräters Sohn!

AdrianoWillst du die Bande der Natur
aufopfern deiner Freiheit Prunk?
Oh, Fluch dann ihr, Fluch dir, Tribun!

RienziBetörter! Ward nicht die Natur,
ja, Gott selbst freventlich verletzt!
Meineid und Mord! Colonna stirbt!

AdrianoHa, wag es, blut’ger Freiheitsknecht!
mit Bedeutung
Gib mir verwandtes Blut zu rächen,
und dein Blut ist’s, was mir verfällt!

RienziUnsel’ger! Woran mahnst du mich?
Man hört aus dem verhängten Saale den dumpfen Gesang der Mönche, welche die Nobili zum Tode vorbereiten.

Die Mönche hinter der Szene
Misereat Dominum
vestrorum peccatorum!

AdrianoEntsetzlich! Welche dumpfe Töne!
Errege Mordlust nicht in mir.

IreneO blick zu Gott, sei gnädig, Bruder,
und schone, o schone, seines Vaters Haupt!
Vom großen Portal her hört man das Volk.

VolkTod der Verräterbrut!

RienziHört diesen Ruf! Er spricht zu mir!
Ach, meine Gnade wird zum Verbrechen!
Irene und Adriano beschwören Rienzi auf den Knien.

IreneZu deinen Füßen flehen wir:
sei gnädig, rette meinen/seinen Vater!

RienziWohlan! Vernehmt denn Rienzis Entschluß!
Auf Rienzis Zeichen hebt sich der Vorhang. Man sieht die Nobili in Todesangst beten, vor jedem steht ein Mönch. Der Ruf des Volkes schallt von außen durch das große Portal her. Die Nobili werden in den Vordergrund geführt.

Volk von außen
Tod den Nobili!
Tod den Verrätern!
Die Masse des Volkes bricht durch das Portal herein.
Tod treffe sie! Tod treffe die Verräter!
Die Verräter sterben! Sie sterben!

Rienzi dem Volke entgegentretend
Höret mich! Verschworen hatten sich
die Nobili zum Mord an mir...

VolkSie sterben drum!

RienziHört, Römer, mich!
Begnadigt seien sie durch euch!

CeccoTribun, du rasest!

VolkNie, Rienzi!
Tod treffe die Verräter! Tod treffe sie!
Die Verräter sterben! Sie sterben!

RienziMuß ich euch
um Gnade flehn für meine Mörder?
Wohlan! So fleh’ ich euch denn an:
wenn ihr mich liebt, begnadigt sie!

BaroncelliEr raset! Hört ihn nicht an!

RienziIhr Römer!
Ich macht’ euch groß und frei; den Frieden,
oh, erhaltet ihn! Vermeidet Blut!
Seid gnädig, flehe ich, der Tribun!

VolkDich, unsren Retter, unsren Befreier,
bedrohte Tod von ihrer Hand!

RienziBegnadigt sie und laßt von neuem
sie das Gesetz beschwören;
nie können je sie’s wieder brechen!
Ihr Nobili, könnt ihr dies schwören?

Nobili in Zerknirschung
Wir schwören!

CeccoDu wirst’s bereun!

RienziO laßt der Gnade Himmelslicht
noch einmal dringen in das Herz!
Wer euch, begnadigt, Treu verspricht,
fühlt auch der Reue bittren Schmerz!
Doch dreifach Wehe treffe sie,
verletzen sie auch diesen Eid!
Den Frevlern dann verzeihet nie,
verflucht sei’n sie in Ewigkeit!


Den folgenden Ausschnitt kann man sich anhören!
IreneWie Sonne schön durch Wolken bricht,
löst diese Gnade jeden Schmerz;
ja, seiner Milde Himmelslicht
dringt segnend in ihr reuig Herz.

CeccoUnzeit’ge Gnade, die er übt!
Bereun wird er der Straf’ Erlaß.
Wer diesen Stolzen je vergibt,
erweckt aufs neue ihren Haß!

OrsiniHa, stolze Gnade, die er übt!
Erniedrigung und Straferlaß!
Die Schmach der Edle nie vergibt,
bis in den Tod trifft dich sein Haß!

VolkIn deine Hände, o Tribun,
sei der Verbrecher Los vertraut!
Du darfst nach deinem Willen tun,
da fest auf dich der Römer baut.

RienziEuch Edlen dieses Volk verzeiht,
seid frei, die besten Bürger Roms!

Irene Rienzi zu Füßen fallend.
Rienzi, dir sei Preis,
dein Name hochgeehrt;
dich schmücke Lorbeerreis,
gesegnet sei dein Herd!
So lang als Roma steht,
ans Ende aller Welt,
dein Name nie vergeht,
du hoher Friedensheld!

CeccoBald schwört Verrat aufs neu
die stolze Räuberbrut,
wer baut auf ihre Treu?
Uns frommt allein ihr Blut!

NobiliHa, dieser Gnade Schmach
erdrückt mein stolzes Herz!
Es räche bald ein Tag
der Schande blut’gen Schmerz!

VolkRienzi, dir sei Preis,
dein Name hochgeehrt;
dich schmücke Lorbeerreis,
gesegnet sei dein Herd!
So lang als Roma steht,
ans Ende aller Welt,
dein Name nie vergeht,
du hoher Friedensheld!