Rienzi 3. Aufzug 3

Nr. 10. Finale
Kriegerische Signale hinter der Szene. – Die waffenfähigen Bürger Roms ziehen kampfgerüstet mit kriegerischer Haltung auf. – Der Zug der Gewaffneten wird durch den Zug der Priester und Mönche unterbrochen. – Frauen und Jungfrauen geleiten den Zug. – Auftritt der hohen Geistlichkeit. – Nun beginnen wieder die Züge der Bewaffneten. – Es erscheinen Rienzi und die Senatoren, geharnischt und zu Pferde; Irene und die römischen Frauen. – Rienzi steigt vom Pferde.
RienziDer Tag ist da, die Stunde naht
zur Sühne hundertjähr’ger Schmach!
Er schaue der Barbaren Fall
und freier Römer hohen Sieg!
So stimmt denn an den Schlachtgesang,
er soll der Feinde Schrecken sein!
Santo spirito cavaliere!
Schlachthymne

Allgemeiner ChorAuf, Römer, auf, für Herd’ und für Altäre!
Fluch dem Verräter an der Römer Ehre!
Nie sei auf Erden ihm die Schmach verziehn,
Tod seiner Seel’, es lebt kein Gott für ihn!
Trompeten schmettert, Trommeln wirbelt drein,
es soll der Sieg der Römer Anteil sein;
ihr Rosse stampfet, Schwerter klirret laut,
heut ist der Tag, der eure Siege schaut!
Paniere weht, blinkt hell, ihr Speere!

RienziSanto spirito cavaliere!
Der Zug setzt sich in Bewegung. Als Rienzi das Pferd wieder besteigen will, tritt Adriano auf.

Adriano wie atemlos
Zurück, zurück, halt ein, Tribun!
Laß ab vom Kampfe, höre mich!

RienziDu Ärmster, ich beklage dich!
Verfluchen mußt du dein Geschlecht!

AdrianoLaß ab, noch einmal fleh’ ich dich!
Versuche Milde, sende mich!
Schon eilt’ ich ohne dein Geheiß,
zu tun, was hohe Pflicht gebeut.
Doch ach, verschlossen jedes Tor...
Drum sieh mich hier und höre mich!
Zu meinem Vater laß mich sprechen,
und fließen soll dann kein Tropfen Bluts!

RienziUnsel’ger Jüngling, warst nicht du’s,
der mich gestimmt zu jener Milde,
die römisch Blut jetzt fließen macht?
Ha, schweig! Fremd ist den Buben Treu!

AdrianoTribun, bedenke, was du tust!
Noch schone Blut, o sende mich!
Zum Pfand setz’ ich mein Leben ein
für ew’ger Treue neuen Bund!

RienziIhr Römer, auf! Hört ihn nicht an!
Sie fordern Kampf – wohlan: – zum Kampf!

AdrianoAuf meinen Knien beschwör’ ich dich!
Noch ist es Zeit, du wirst bereun!

RienziEh’ du von neuem mich bewegst,
soll alle Welt zugrunde gehn!

AdrianoRienzi, sieh, hier liege ich:
willst Rache du, so nimm mein Haupt!

RienziDu rasest, Knabe! Stehe auf
und laß dem Schicksal seinen Lauf!
Rienzi besteigt das Pferd und gibt das Zeichen zum Aufbruch.

Adriano sich aufrichtend, mit schmerzlichem Grimm
Nun denn, nimm, Schicksal, deinen Lauf!
Der ganze Kriegszug verläßt unter Absingung des zweiten Verses der Hymne die Bühne, jedoch so, daß der erste Teil derselben noch auf der Szene gesungen wird.

Allgemeiner ChorAuf, Römer, auf, für Freiheit und Gesetze,
sei Zeug’, o Erd’, für unsre höchsten Schätze!
Ihr Heil’gen all und Gottes Engelschar,
steht uns im Kampfe bei und in Gefahr!
Trompeten schmettert, Trommeln wirbelt drein!
Es soll der Sieg der Römer Anteil sein;
ihr Rosse stampfet, Schwerter klirret laut,
heut ist der Tag, der eure Siege schaut!
Paniere weht, blinkt hell, ihr Speere!
Santo spirito cavaliere!
Die Priester und Mönche haben den Kriegszug begleitet. Irene, Adriano und die Frauen bleiben zurück. – Adriano, der wie betäubt gestanden, umfaßt nach einem heftigen stummen Kampfe mit seinen Gefühlen leidenschaftlich Irene.

AdrianoLeb wohl, Irene! Ich muß hinaus.
Barmherzig ist des Vaters Schwert!

Irene ihn heftig haltend
Unseliger, bleib hier zurück!
Nicht mächtig bist du deiner Sinne.

AdrianoLaß mich fliehn! Mich ruft der Tod!
Irene, ach, dein Umarmen selbst,
ich muß es fliehn, mich ruft der Tod!

IreneTreuloser, hast du kein Erbarmen
mit deiner, mit Irenens Not?
Ich laß dich nicht aus meinen Armen,
Gott selbst gebeut mir diese Pflicht!
Wie von Windstößen getragen, hört man das Kriegsgewühl aus der Ferne.

AdrianoHörst du? Das ist das Mordgewühl!
Rienzi würgt mein ganz Geschlecht.
Die Frauen senken sich auf die Knie.

FrauenSchütz, Heil’ge Jungfrau, Romas Söhne!
Steh ihnen bei in Kampfesnot!
Laß sie uns schaun in Sieges Schöne,
und ihren Feinden sende Tod!
Maria, sieh im Staub uns flehn!
O, blick auf uns aus Himmelshöhn!
Hier macht Adriano, der sich bis jetzt von Irene loszuwinden suchte, eine heftige Bewegung zum Fliehen.

IreneUnsel’ger! Sieh; es ist zu spät!
Willst sinnlos du dem Tod dich weihn?

AdrianoAllmächt’ger! Ja! Es wird zu spät!
Ach, meine Sinne schwinden mir!

IreneSieh, deinen Hals umschlinge ich;
mit meinem Leben weich’ ich nur!

AdrianoZwiefacher Tod und Liebespein!
O Himmel, ende meine Qual!
Irene zieht Adriano zu sich auf die Knie.

IreneO heil’ge Jungfrau, hab Erbarmen!
Bring Hilfe mir in dieser Not!
Umfange ihn mit Segensarmen,
beschütze ihn vor Schmach und Tod!
Maria, sieh im Staub mich flehn!
O blick auf mich aus Himmelshöhn!

FrauenSchütz, heil’ge Jungfrau, Romas Söhne,
steh ihnen bei in Kampfesnot!
Laß sie uns schaun in Sieges Schöne,
und ihren Feinden sende Tod!
Maria, sieh im Staub uns flehn!
O blick herab aus Himmelshöhn!
Der Sturm hat sich gelegt; man hört deutlich die Musik der Schlachthymne sich nähern.

Männerchor hinter der Szene
Fluch dem Verräter an der Römer Ehre!
Nie sei auf Erden ihm die Schmach verziehn,
Tod seiner Seel’, es lebt kein Gott für ihn!

IreneSchon schweigt der Sturm: hört den Gesang!

FrauenDas ist der Römer Siegeslied!

Männerchor hinter der Szene
Trompeten schmettert, Trommeln wirbelt drein!
Es muß der Sieg der Römer Anteil sein!
Ihr Rosse stampfet, Schwerter klirret laut!
Heut ist der Tag, der eure Siege schaut!
Paniere weht, blinkt hell, ihr Speere!
Santo spirito cavaliere!

AdrianoHa, großer Gott! So ist’s entschieden!

IreneSie nahen schon!

FrauenSieg! Sieg!

IreneMein Bruder hoch vor ihnen her!
Hier betritt der zurückkehrende Kriegszug die Bühne, die Musik zuerst; die Priester und Mönche geleiten ihn auf die Szene.

FrauenHeil! Heil dir, du stolzes Siegesheer!
Willkommen, Romas siegreiche Söhne!
Heil euch und euren Waffen Ruhm!
Auf, streuet Blumen! Jubel ertöne;
er gelte euch und eurem Heldentum!
Ehrt, preist das schönste Heldentum!
Der ganze Kriegszug ist wieder auf der Bühne.

RienziHeil, Roma, dir! Du hast gesiegt,
zerschmettert liegt der Feinde Heer.
Man trägt die Leichen Colonnas und Orsinis auf die Bühne.
Wer sagt nun noch, Rom sei nicht frei?
Colonna und Orsini sind nicht mehr.

Allgemeiner Chor in halb freudiger, halb schaudernder Empfindung
Ha, kein Colonna, kein Orsini mehr!
Adriano hat die Leiche seines Vaters erkannt und ist mit einem Schrei über sie hingesunken. Im Hintergrunde werden in einzelnen stillen Zügen Tote und Verwundete über die Bühne getragen.

BaroncelliAch, blutig ist die Strafe erkauft!
Auch uns traf furchtbarer Verlust.
Wieviele unter diesen Frauen
sehn nie den Mann, den Bruder mehr!

Adriano sich totenbleich von der Leiche aufrichtend, mit Bedeutung zu Rienzi
Weh dem, der mir verwandtes Blut
vergossen hat! Blut’ger Tribun,
blick hierher! Sieh! Das ist dein Werk!
Auf Rienzis Zeichen wird die Leiche Colonnas entfernt.
Fluchwürdiger, der du von dir
mich stießest, da den Frieden ich
mit meinem Leben dir verbürgte!
Geschieden sind wir denn fortan,
nur Rache haben wir gemein!
Die deine stilltest du, so zittre
vor meiner, du verfielest ihr!
Er geht ab.

RienziHört nicht den Rasenden! Den er so wild
beklagt, war Romas ärgrer Feind als einst
Tarquinius selbst; Tod, ewiger Tod sei ihm!
Nie werd’ ihm Ruh’ in geweihter Erde!
Doch ihr, freut euch! Laßt alle Glocken läuten!
Trompeter blast! Der Sieg, den wir erkämpft,
ist schlechter nicht als Brutus’ Heldentat.
Auf, im Triumph zum Kapitol!
Laßt uns die Stirn mit Lorbeer schmücken!

VolkAuf! Im Triumph zum Kapitol!
Friedensboten mit Lorbeerzweigen treten auf und geleiten einen antiken Triumphwagen Rienzi entgegen. Rienzi steigt vom Pferd und betritt den Triumphwagen, nachdem ihm von den Friedensboten der Helm abgenommen und dafür ein Lorbeerkranz auf das Haupt gesetzt worden ist. Irene, welche bei Adrianos Abgang erblassend in die Arme der Frauen gesunken war, wird von diesen zu Rienzi geleitet, welcher sie zu sich auf den Wagen heraufzieht, wo sie, sich matt an ihres Bruders Schultern anlehnend, an seiner Seite stehenbleibt. Trophäen, bestehend aus Rüstungen und Feldzeichen der Nobili, werden im Triumph vor Rienzi vorübergetragen, die Bewaffneten ordnen sich zum Zuge, dem sich endlich auch Rienzi im Triumphwagen anschließt.
Ertönet Freudenlieder,
und ehrt die Sieger hoch.
Die Freiheit kehret wieder,
zu Ende ist Sklavenjoch!