Rienzi 4. Aufzug 1

Vierter Aufzug
Nr. 11. Introduktion, Terzett und Chor
Der Vorhang geht auf. Platz vor dem Lateran, dessen Pforten sich rechts an der Seite befinden. Nacht. Baroncelli mit einer Anzahl von Bürgern; alle verhüllt.
BaroncelliWer war’s, der euch hierher beschied?

VolkEr war verhüllt, unkenntlich uns.

BaroncelliWißt ihr, daß Deutschlands Abgesandte
für immer Rom verlassen?

VolkHa! So zürnt der neue Kaiser Rom?
Cecco kommt, begleitet von Bürgern.

CeccoEuch treff’ ich hier? – So seid auch ihr
hierher beschieden?

BaroncelliCecco auch?
Kennst du die schlimme Neuigkeit?

CeccoDaß die Gesandten Rom verlassen?
Das danken wir dem Übermut,
mit dem Rienzi Deutschlands Fürsten
die römische Kaiserwahl bestritt.

BaroncelliWir werden’s büßen; – mit dem Papst
versteht der neue Kaiser sich.

VolkWer bleibt dann noch zu unsrem Schutz?

CeccoWißt noch, was mir nicht recht gefällt:
der Kardinal ist abgereist.

VolkWas sagst du? Auch der Kardinal?

BaroncelliWohl weiß ich, daß bei seiner Flucht
Colonna an den Papst sich wandte.

VolkSprich lauter!

BaroncelliUnd ihm versprach, der Kirche Schutz
durch seine Macht zu übernehmen.

CeccoUnd was sagt nun der Papst zu seinem Tod?

BaroncelliDies das Geringste! Doch was sagt ihr
zum Tode eurer Brüder?

VolkEntsetzlich blutiger Verlust!

BaroncelliGlaubt ihr, Rienzis Milde war’s,
die zu der Gnade ihn bewog?
Klar sehe ich, es war Verräterei!

VolkVerräterei? Womit beweisen?

BaroncelliVerbindung sucht’ er mit den Nobili,
ihr wißt, Irene liebt Colonnas Sohn.
Nun! Um den Preis dieser Begnadigung
hofft’ er zum Bunde Colonna zu bewegen.

VolkUnd darum strömte unser Blut?
Wehe ihm, wenn das sich wahr erweist!
Stell uns Zeugen, Baroncelli!
Auf, stell uns Zeugen!
Adriano war verhüllt unter die Bürger getreten und schreitet jetzt hervor.

AdrianoIch bin ein Zeuge, er sprach wahr.

CeccoUnd wer bist du?

Adriano enthüllt sich
Colonnas Sohn!
Colonna! Ach, darf ich ihn nennen,
der aus dem Grab mir fluchend droht?
starr vor sich hinsehend
Laß dich versöhnen, blut’ger Schatten,
wend ab von mir den düstern Blick!
Nicht eher soll dieser Arm ermatten,
bis er gerächet dein Geschick!
Wie schnell erwachend.
Ihr Männer, ja! Ich bin Colonnas Sohn!
Er tritt unter die Bürger.
Höret mich! Unwürdig seiner Macht
ist der Tribun, der euch verriet.
Ihr Römer, seid auf eurer Hut!
Der Kaiser droht, die Kirche zürnt.

BaroncelliHa, der Verräter! Er, dem wir dienten,
der seinem Ehrgeiz preisgab unser Blut,
in das Verderben stürzte er uns!
Ha, Rache ihm!

AdrianoJa, Rache ihm!
Ich sei es selbst, der sie vollzieht!
Des Vaters blut’ge Schmach zu rächen,
treibt mich ein heiliges Gebot;
zum Himmel auf schreit sein Verbrechen,
der Frevler büß’ es mit dem Tod!

BaroncelliDes Hochverräters Schmach zu rächen,
treibt Ehre uns und herbe Not;
zum Himmel auf schreit sein Verbrechen,
der Frevler büß’ es mit dem Tod!
Der Tag bricht an.

CeccoDoch seht, die Nacht ist schon gewichen!
Sagt, brechen wir in offener Empörung los?

BaroncelliDurch Festes Pomp sucht der Tribun
zu übertäuben unsre Not!
Ein feierlich Te Deum soll
heut danken für den blut’gen Sieg.

AdrianoSo macht’s zum Fest und straft ihn heut!

BaroncelliVor aller Augen sei’s getan!
Der Kardinal mit Gefolge von Priestern und Trabanten begibt sich in einem lautlosen Zuge über den Platz in die Lateran-Kirche. Bei seinem Anblick halten die Verschworenen an.
Seht, welch ein Zug!

VolkDer Kardinal!

CeccoHa, wie! Er ist zurückgekehrt?

BaroncelliUnd das Te Deum hält er selbst?

VolkDie Kirche für Rienzi!

CeccoNichts vermögen wir;
die Kirche schützt allmächtig ihn!

AdrianoSo schnell erlischt,
Elende, eu’r gerechter Zorn?
Sei’s an den Stufen des Altars,
verfallen ist er meinem Arm.

CeccoEs naht der Zug, schließt euch an mich!
Erwarten still wir, wie sich’s fügt!