Rienzi 5. Aufzug 2

Nr. 14. Duo
Irene tritt auf. Rienzi hat sich erhoben und sie erblickt. Sie umarmen sich heftig.
RienziVerläßt die Kirche mich, zu deren Preis
mein Werk begann, verläßt mich auch das Volk,
das ich zu diesem Namen erst erhob,
verläßt mich jeder Freund, den mir das Glück
erschuf, bleibt zweies doch mir ewig treu:
der Himmel selbst und meine Schwester!

IreneMein Bruder, ja, noch kenne ich die Lehren,
in denen du mich schwaches Weib erzogst:
du machtest mich zu einer Römerin!
Sieh denn, ob ich die Lehre treu befolgt!
Den letzten Römer laß ich nie, sei auch
der Preis das Glück des Lebens und der Liebe!
Rienzi, sag: hab’ ich mich stark bewährt?

RienziIrene, meine Heldenschwester!

IreneUnd weißt du auch, was einer Lieb entsagen heißt?
O nein, du hast ja nie geliebt!

RienziWohl liebt’ auch ich! – O Irene,
kennst du nicht mehr meine Liebe?
Ich liebte glühend meine hohe Braut,
seit ich zum Denken, zum Fühlen erwacht,
seit mir, was einstens ihre Größe war,
erzählte der alten Ruinen Pracht.
Ich liebte schmerzlich meine hohe Braut,
da ich sie tief erniedrigt sah,
schmählich mißhandelt, grau’nvoll entstellt,
geschmäht, entehret, geschändet und verhöhnt!
Ha, wie ihr Anblick meine Wut entflammte!
Ach, wie ihr Jammer Macht gab meiner Liebe!
Mein Leben weihte ich einzig nur ihr,
ihr meine Jugend, meine Manneskraft;
denn sehen wollt’ ich sie, die hohe Braut,
gekrönet als Königin der Welt –
denn wisse: Roma heißt meine Braut!

IreneTreuloses Weib, Verachtung dir!

RienziErmiß denn meinen Schmerz,
da dieser Liebe ich entsagen soll!

IreneRienzi, o mein großer Bruder,
blick in mein tränenloses Auge,
sieh auf der Wange tiefen Gram,
empfinde, was dies Herz bezwang,
und sag: ist Roma untreu dir?

RienziIrene, ach, selbst deine Treue
bricht mir das Herz. Was willst du tun?
Im Bann bin ich; verflucht auch du
an meiner Seite, und mein Werk,
ich ahn’ es, ist vollendet bald!
Ich sei das Opfer, warum du?
Gedenkst du Adrianos nicht?
Er haßt nur mich und ist versöhnt,
wenn ich gefallen. Bleibe sein.

IreneRienzi! Ha, was höre ich?
Zu deiner Schwester sprichst du so?

RienziKein Rom gibt’s mehr, sei denn ein Weib!

IreneIch sei die letzte Römerin!

RienziAch, mehre so nicht meinen Gram!

IreneRienzis Schwester trotzt dem Tod!

RienziAch, mehre so nicht meinen Gram!

IreneErmorde mich – ich laß dich nie!

Rienzi überwältigt
Komm, stolze Jungfrau, an mein Herz!

IreneIn unsrem treuen Bunde,
in dieser keuschen Brust
lebt Roma noch zur Stunde,
der Größe sich bewußt.
Blickt uns ins feste Auge
und sagt, ob Roma fiel?
Mit unsrem letzten Hauche
setzt Gott ihr erst ein Ziel!

RienziEs sei! Noch einmal will ich mich denn rüsten,
noch einmal tönen soll der Ruf,
zu wecken Rom aus seinem Schlaf.
Er geht ab. Irene wendet sich nach einer andern Seite hin ebenfalls zum Abgang.