Rienzi 5. Aufzug 3

Nr. 15. Szene und Duo
Von Adrianos Auftritt an wird es immer finsterer, so daß die Szene in völliger Nacht endet; bald wachsendes, bald abnehmendes, im Ganzen aber immer näher kommendes Volksgetümmel wird von außen her vernommen: der grelle Schein von Feuerbränden erhellt blitzartig das Dunkel der Szene durch die Fenster, deren Scheiben durch Steinwürfe zerschlagen werden: diese Steigerung des Aufruhrs muß jedoch erst gegen das Ende der Szene eintreten. – Adriano, tief in seinen Mantel gehüllt und bis zum Wahnsinn aufgeregt, tritt unter der Türe Irenen entgegen.
AdrianoDu hier, Irene? Treff’ ich dich
noch in des Fluchbeladnen Haus?

IreneEntsetzlicher, du wagst es noch,
des Reinen Schwelle zu übertreten?
Entflieh!

AdrianoWahnsinnige, noch Trotz?
Ach, du kennst dein Verderben nicht!
Doch rett’ ich dich. – Flieh, komm mit mir!

IreneHier, bei dem Letzten, den der Name
des Römers ziert, ist mein Asyl!
Ihr seid Treulose, Schändliche!
Geh, es gibt keine Liebe mehr!

AdrianoHa, meine Liebe, ja, ich fühl’ es,
ist Liebe nicht, ist Raserei!
Irene, Irene, sieh mich knien!
Du schwurest einst mir ew’ge Treue,
versünd’ge nicht durch Meineid dich!
Wohl kenne ich noch meinen Schwur;
ich schwur: Tod und Verderben solle
mir Losung sein, um jedes Band
und jede Schranke zu zertrümmern!
Dies war mein Schwur, ich halt’ ihn jetzt:
Tod und Verderben, es ist da!
Dein Bruder ward von Gott verflucht,
verflucht von mir und aller Welt;
das Volk, es rast, kennt den Verrat.
Dies Kapitol, bald steht’s nicht mehr,
schon wird der Feuerbrand genährt;
wer hier betroffen, ist verflucht,
sein Tod dem Mörder ein Verdienst;
in meiner Hand zuckt selbst der Stahl:
dein Bruder fällt, er fällt durch mich!
Tod und Verderben, sieh, ist da.
Nun bist du mein! Sag, bin ich treu?
Zu deinen Füßen lieg’ ich hier;
sieh meine Liebe, sieh meine Treu’!

Irene ihn abwehrend
Verruchter! Die Hölle rast in dir!
Nichts hab’ ich mehr mit dir gemein!
Hier stehe ich, eine Römerin!
Nur meine Leiche nennst du dein!
Man hört verworrenes, anwachsendes Getümmel von außen.

AdrianoSie kommen, ha! Die Flamme glüht!
Entsetzen! Wahnsinn! Auf, Irene!

IreneLaß mich, ich fühle Riesenkraft;
Gott hilft mir, dir zu widerstehn.

AdrianoNein, du darfst nicht sterben, dein Tod trifft mich!
Komm mit, ich reiße dich hinweg!
Er sucht sich Irenens gewaltsam zu bemächtigen.

IreneVergeh, Wahnsinniger! Frei bin ich!
Sie hat mit wütender Gewalt Adriano von sich geschleudert und entflieht. Adriano ist zu Boden gesunken.

Adriano rafft sich starren Blickes auf.
O, du bist mein! Durch Flammen selbst
find ich den Weg!
ab
Die Szene verwandelt sich.