Siegfried 1. Aufzug 3. Szene 2

SiegfriedRasch in die Schmiede!34Jugendkraft
Weis’, was du schufst!

34
MimeVerfluchter Stahl!34
Zu flicken versteh’ ich ihn nicht:34
den zähen Zauber45Mime
bezwingt keines Zwergen Kraft.45
Wer das Fürchten nicht kennt,45
der fänd’ wohl eher die Kunst.

45
SiegfriedFeine Finten weiß mir der Faule;45
daß er ein Stümper, sollt’ er gestehn:34Jugendkraft
nun lügt er sich listig heraus!45Mime
Her mit den Stücken,
fort mit dem Stümper!
auf den Herd zuschreitend
Des Vaters Stahl fügt sich wohl mir:65Schwert
ich selbst schweiße das Schwert!65
Er macht sich, Mimes Gerät durcheinander werfend, mit Ungestüm an die Arbeit

3Arbeit
MimeHättest du fleißig die Kunst gepflegt,3
jetzt käm’ dir’s wahrlich zugut;50Nibelungen
doch lässig warst du stets in der Lehr’:3Arbeit
was willst du Rechtes nun rüsten?

50Nibelungen
SiegfriedWas der Meister nicht kann,3Arbeit
vermöcht’ es der Knabe,3
hätt’ er ihm immer gehorcht?50Nibelungen
Er dreht ihm eine Nase
Jetzt mach’ dich fort,293Horn
misch’ dich nicht drein:293Arbeit
sonst fällst du mir mit ins Feuer!293
Er hat eine große Menge Kohlen auf dem Herd aufgehäuft und unterhält in einem fort die Glut, während er die Schwertstücke in den Schraubstock einspannt und sie zu Spänen zerfeilt

293
Mime der sich etwas abseits niedergesetzt hat, sieht Siegfried bei der Arbeit zu293
Was machst du denn da?293
Nimm doch die Löte:293
den Brei braut’ ich schon längst.

293
SiegfriedFort mit dem Brei!293
Ich brauch’ ihn nicht:293
Mit Bappe back’ ich kein Schwert!

293
MimeDu zerfeilst die Feile,293
zerreibst die Raspel:293
wie willst du den Stahl zerstampfen?

293
SiegfriedZersponnen muß ich in Späne ihn sehn:293
was entzwei ist, zwing’ ich mir so.293
Er feilt mit großem Eifer fort

293
Mime für sich293
Hier hilft kein Kluger,293
das seh’ ich klar:293
hier hilft dem Dummen die Dummheit allein!293
Wie er sich rührt und mächtig regt!3
lhm schwindet der Stahl,3
doch wird ihm nicht schwül!3
Siegfried hat das Herdfeuer zur hellsten Glut angefacht342Loge
Nun ward ich so alt wie Höhl’ und Wald,3
und hab’ nicht so was geseh’n!3
Während Siegfried mit ungestümem Eifer fortfährt, die Schwertstücken zu zerfeilen, setzt sich Mime noch mehr beiseite3
Mit dem Schwert gelingt’s,3
das lern’ ich wohl:3
furchtlos fegt er’s zu ganz.3
Der Wand’rer wußt’ es gut!3
Wie berg’ ich nun mein banges Haupt?
Dem kühnen Knaben verfiel’s,67Siegfried
lehrt’ ihn nicht Fafner die Furcht!3Arbeit
mit wachsender Unruhe aufspringend und sich beugend
Doch weh’ mir Armen!106Wurm
Wie würgt’ er den Wurm,106
erführ’ er das Fürchten von ihm?106
Wie erräng’ er mir den Ring?106
Verfluchte Klemme!59Ring
Da klebt’ ich fest, fänd’ ich nicht klugen Rat,59
wie den Furchtlosen selbst ich bezwäng’.59