Siegfried 3. Aufzug 3. Szene 3

Brünnhilde wendet sanft das Haupt zur Seite und richtet ihren Blick nach dem Tann 91Walküre
Dort seh’ ich Grane, 91
mein selig Roß: 91
wie weidet er munter, 91
der mit mir schlief!
Mit mir hat ihn Siegfried erweckt.

Siegfried in der vorigen Stellung verbleibend 7Entzückung
Auf wonnigem Munde weidet mein Auge: 32Jubel
in brünstigem Durst doch brennen die Lippen, 32
daß der Augen Weide sie labe!

40Liebesverwirrung
Brünnhilde deutet ihm mit der Hand nach ihren Waffen, die sie gewahrt
Dort seh’ ich den Schild,
der Helden schirmte;
dort seh’ ich den Helm,
der das Haupt mir barg:
er schirmt, er birgt mich nicht mehr!

SiegfriedEine selige Maid versehrte mein Herz;
Wunden dem Haupte schlug mir ein Weib:
ich kam ohne Schild und Helm!

Brünnhilde mit gesteigertem Wehmut
Ich sehe der Brünne prangenden Stahl:
ein scharfes Schwert schnitt sie entzwei;
von dem maidlichen Leibe löst’ es die Wehr:
ich bin ohne Schutz und Schirm,
ohne Trutz ein trauriges Weib!

SiegfriedDurch brennendes Feuer fuhr ich zu dir!
Nicht Brünne noch Panzer barg meinen Leib:
nun brach die Lohe mir in die Brust.
Es braust mein Blut in blühender Brunst; 40Liebesverwirrung
ein zehrendes Feuer ist mir entzündet:
die Glut, die Brünnhilds Felsen umbrann,
die brennt mir nun in der Brust!
O Weib, jetzt lösche den Brand! 40Liebesverwirrung
Schweige die schäumende Glut!
Er hat sie heftig umfaßt: sie springt auf, wehrt ihm mit der höchsten Kraft der Angst, und entflieht nach der anderen Seite.

BrünnhildeKein Gott nahte mir je!
Der Jungfrau neigten scheu sich die Helden:
heilig schied sie aus Walhall! 90Walhall
Wehe! Wehe!
Wehe der Schmach, der schmählichen Not!
Verwundet hat mich, der mich erweckt!
Er erbrach mir Brünne und Helm:
Brünnhilde bin ich nicht mehr!

SiegfriedNoch bist du mir die träumende Maid:
Brünnhildes Schlaf brach ich noch nicht.
Erwache, sei mir ein Weib!

Brünnhilde in Betäubung
Mir schwirren die Sinne,
mein Wissen schweigt:
soll mir die Weisheit schwinden?

SiegfriedSangst du mir nicht, 68Siegfriedliebe
dein Wissen sei 68
das Leuchten der Liebe zu mir?

68
Brünnhilde vor sich hinstarrend
Trauriges Dunkel trübt meinen Blick; 1386Fluch
Verzweiflung
mein Auge dämmert, das Licht verlischt: 1386
Nacht wird’s um mich. 1386
Aus Nebel und Grau’n 1386
windet sich wütend ein Angstgewirr: 1386
Schrecken schreitet und bäumt sich empor!
Sie birgt heftig die Augen mit beiden Händen

Siegfried indem er ihr sanft die Hände von den Augen löst
Nacht umfängt gebund’ne Augen.
Mit den Fesseln schwindet das finstre Grau’n.
Tauch’ aus dem Dunkel und sieh: 68Siegfriedliebe
sonnenhell leuchtet der Tag!

Brünnhilde in höchster Ergriffenheit
Sonnenhell leuchtet der Tag meiner Schmach!
O Siegfried! Siegfried! 95Wälsungenliebe
Sieh’ meine Angst!
Ihre Miene verrät, daß ihr ein anmutiges Bild vor die Seele tritt, von welchem ab sie den Blick mit Sanftmut wieder auf Siegfried richtet 55Reinheit
Ewig war ich, ewig bin ich, 55
ewig in süß sehnender Wonne, 55
doch ewig zu deinem Heil!
O Siegfried! Herrlicher! Hort der Welt! 37Liebesglück
Leben der Erde! Lachender Held! 37
Laß, ach laß, lasse von mir! 37
Nahe mir nicht mit der wütenden Nähe! 37
Zwinge mich nicht
mit dem brechenden Zwang,
zertrümmre die Traute dir nicht!
Sahst du dein Bild im klaren Bach? 37Liebesglück
Hat es dich Frohen erfreut? 37
Rührtest zur Woge das Wasser du auf,
zerflösse die klare Fläche des Bachs:
dein Bild sähst du nicht mehr, 40Liebesverwirrung
nur der Welle schwankend Gewog’! 40
So berühre mich nicht, 875537Waberlohe
Reinheit
Liebesglück
trübe mich nicht! 875537

Den folgenden Ausschnitt kann man sich in
verschiedenen Interpretationen anhören!
Ewig licht lachst du selig dann 875537
aus mir dir entgegen, 875537
froh und heiter ein Held! 875537
O Siegfried! Leuchtender Sproß! 875537
Liebe dich und lasse von mir: 61Schicksal
vernichte dein Eigen nicht!

87Waberlohe
SiegfriedDich lieb’ ich: o liebtest mich du!
Nicht hab’ ich mehr mich: 38Liebesgluth
o, hätte ich dich! 38
Ein herrlich Gewässer wogt vor mir; 40Liebesverwirrung
mit allen Sinnen seh’ ich nur sie, 40
die wonnig wogende Welle. 40
Brach sie mein Bild, so brenn’ ich nun selbst, 40
sengende Glut in der Flut zu kühlen; 40
ich selbst, wie ich bin, 40
spring’ in den Bach: 40
o, daß seine Wogen mich selig verschlängen, 4087Waberlohe
Siegfriedliebe
Entzückung
mein Sehnen schwänd’ in der Flut! 68
Erwache, Brünnhilde! 7
Wache, du Maid!
Lache und lebe, süßeste Lust! 32Jubel
Sei mein! Sei mein! Sei mein!

Brünnhilde sehr innig
O Siegfried! Dein war ich von je!

7Entzückung
Siegfried feurig
Warst du’s von je, so sei es jetzt!

40Liebesverwirrung
BrünnhildeDein werd’ ich ewig sein!

7Entzückung
SiegfriedWas du sein wirst, sei es mir heut’! 40Liebesverwirrung
Faßt dich mein Arm, 32Jubel
umschling’ ich dich fest; 32
schlägt meine Brust 32
brünstig die deine; 32
zünden die Blicke, 32
zehren die Atem sich; 7Entzückung
Aug’ in Auge, Mund an Mund: 7
dann bist du mir, 68Siegfriedliebe
was bang du mir warst und wirst!
Dann brach sich die brennende Sorge, 32Jubel
ob jetzt Brünnhilde mein? 32
Er hat sie umfaßt

BrünnhildeOb jetzt ich dein? 61Schicksal
Göttliche Ruhe rast mir in Wogen; 40Liebesverwirrung
keuschestes Licht lodert in Gluten: 40
himmlisches Wissen stürmt mir dahin, 40
Jauchzen der Liebe jagt es davon! 7Entzückung
Ob jetzt ich dein? 61Schicksal
Siegfried! Siegfried!
Siehst du mich nicht?
Wie mein Blick dich verzehrt, 7Entzückung
erblindest du nicht? 7
Wie mein Arm dich preßt, 7
entbrennst du mir nicht? 7
Wie in Strömen mein Blut entgegen dir stürmt, 40Liebesverwirrung
das wilde Feuer, fühlst du es nicht? 91Walküre
Fürchtest du, Siegfried, 91
fürchtest du nicht das wild wütende Weib? 9167Siegfried
Sie umfaßt ihn heftig

67
Siegfried in freudigem Schreck 67
Ha! Wie des Blutes Ströme sich zünden, 67
wie der Blicke Strahlen sich zehren, 67
Wie die Arme brünstig sich pressen, –
kehrt mir zurück mein kühner Mut, 67Siegfried
und das Fürchten, ach!
Das ich nie gelernt,
das Fürchten, das du mich kaum gelehrt:
das Fürchten, – mich dünkt – 88Waldvogel
ich Dummer vergaß es nun ganz! 88
Er hat bei den letzten Worten Brünnhilde unwillkürlich losgelassen

Brünnhilde im höchsten Liebesjubel wild auflachend
O kindischer Held! 92Walkürenruf
O herrlicher Knabe! 92
Du hehrster Taten töriger Hort! 92
Lachend muß ich dich lieben, 32Jubel
lachend will ich erblinden, 32
Lachend laß uns verderben – 32
lachend zugrunde gehn!

36Liebesbund
SiegfriedLachend erwachst du Wonnige mir: 36
Brünnhilde lebt, Brünnhilde lacht!

36
BrünnhildeFahr’ hin, Walhalls leuchtende Welt! 36
Zerfall in Staub deine stolze Burg! 36
Leb’ wohl, prangende Götterpracht!

367Entzückung
SiegfriedHeil dem Tage, der uns umleuchtet! 36
Heil der Sonne, die uns bescheint!

36
BrünnhildeEnd’ in Wonne, du ewig Geschlecht!

367Entzückung
SiegfriedHeil dem Licht, das der Nacht enttaucht!

36
BrünnhildeZerreißt, ihr Nornen, das Runenseil! 367Entzückung
Götterdämm’rung, dunkle herauf!
Nacht der Vernichtung, neble herein!

SiegfriedHeil der Welt, da Brünnhilde lebt!
Sie wacht, sie lebt,
sie lacht mir entgegen.

BrünnhildeMir strahlt zur Stunde Siegfrieds Stern;

68Siegfriedliebe
SiegfriedPrangend strahlt mir Brünnhildes Stern! 68
Sie ist mir ewig, ist mir immer, 36Liebesbund
Erb’ und Eigen, ein’ und all’:

36
BrünnhildeEr ist mir ewig, ist mir immer, 367Entzückung
Erb’ und Eigen, ein’ und all’:

36
Siegfriedleuchtende Liebe, lachender Tod! 673268Siegfried
Jubel
Siegfriedliebe
Brünnhilde stürzt sich in Siegfrieds Arme
Der Vorhang fällt.
Ende Siegfried