Tannhäuser 3. Aufzug 3. Szene 2

WolframHalt ein! Halt ein, Unseliger!

♫Noten
TannhäuserAch, laß mich nicht vergebens suchen, –
wie leicht fand ich doch einstens dich! ♫Noten
Du hörst, daß mir die Menschen fluchen, –
nun, süße Göttin, leite mich!

WolframWahnsinniger, wen rufst du an?
Leichte Nebel hüllen allmählich die Szene ein.

TannhäuserHa! fühlest du nicht milde Lüfte?

WolframZu mir! Es ist um dich getan!

TannhäuserUnd atmest du nicht holde Düfte?
Hörst du nicht jubelnde Klänge?

WolframIn wildem Schauer bebt die Brust!

TannhäuserDas ist der Nymphen tanzende Menge! –
Herbei, herbei zu Wonn’ und Lust!
Eine rosige Dämmerung beginnt die Nebel zu durchleuchten; durch sie gewahrt man wirre Bewegungen tanzender Nymphen.

♫Noten
WolframWeh, böser Zauber tut sich auf!
Die Hölle naht in wildem Lauf.

TannhäuserEntzücken dringt durch meine Sinne,
gewahr’ ich diesen Dämmerschein;
dies ist das Zauberreich der Minne,
im Venusberg drangen wir ein!
In heller, rosiger Beleuchtung wird Venus, auf einem Lager ruhend, sichtbar.

VenusWillkommen, ungetreuer Mann!
Schlug dich die Welt mit Acht und Bann?
Und findest nirgends du Erbarmen, ♫Noten
suchst Liebe nun in meinen Armen?

TannhäuserFrau Venus, o, Erbarmungsreiche
Zu dir, zu dir zieht es mich hin!

WolframDu Höllenzauber, weiche, weiche!
Berücke nicht des Reinen Sinn!

VenusNahst du dich wieder meiner Schwelle,
sei dir dein Übermut verziehn;
ewig fließt dir der Freuden Quelle,
und nimmer sollst du von mir fliehn!

TannhäuserMein Heil, mein Heil hab’ ich verloren, ♫Noten
nun sei der Hölle Lust erkoren!

Wolfram ihn heftig zurückhaltend
Allmächt’ger, steh dem Frommen bei!
Heinrich, – ein Wort, es macht dich frei –:
dein Heil – !

VenusZu mir!

Tannhäuser zu Wolfram
Laß ab von mir!

VenusO komm! Auf ewig sei nun mein!

WolframNoch soll das Heil dir Sünder werden!

TannhäuserNie, Wolfram, nie! Ich muß dahin!

WolframEin Engel bat für dich auf Erden –
bald schwebt er segnend über dir:
Elisabeth!

Tannhäuser der sich soeben von Wolfram losgerissen, bleibt, wie von einem heftigen Schlage gelähmt, an die Stelle geheftet♫Noten
Elisabeth!

Männergesang aus dem Hintergrunde
Der Seele Heil, die nun entflohn
dem Leib der frommen Dulderin!

Wolfram nach dem ersten Eintritt des Gesanges
Dein Engel fleht für dich an Gottes Thron, –
er wird erhört! Heinrich, du bist erlöst!

VenusWeh! Mir verloren!
Sie verschwindet, und mit ihr die ganze zauberische Erscheinung. Das Tal, vom Morgenrot erleuchtet, wird wieder sichtbar; von der Wartburg her geleitet ein Trauerzug einen offenen Sarg.

MännergesangIhr ward der Engel sel’ger Lohn,
himmlischer Freuden Hochgewinn.

Wolfram Tannhäuser in den Armen sanft umschlossen haltend
Und hörst du diesen Sang?

TannhäuserIch höre!
Von hier an betritt der Trauerzug die Tiefe des Tales, die älteren Pilger voran; den offenen Sarg mit der Leiche Elisabeths tragen Edle, der Landgraf und die Sänger geleiten ihn zur Seite, Grafen und Edle folgen.

♫Noten
MännergesangHeilig die Reine, die nun vereint
göttlicher Schar vor dem Ewigen steht!
Selig der Sünder, dem sie geweint,
dem sie des Himmels Heil erfleht!
Auf Wolframs Bedeuten ist der Sarg in der Mitte der Bühne niedergesetzt worden. Wolfram geleitet Tannhäuser zu der Leiche, an welcher dieser niedersinkt.

TannhäuserHeilige Elisabeth, bitte für mich!
Er stirbt.

Gesang der Jüngeren Pilger auf dem vorderen Bergvorsprung einherziehend
Heil! Heil! Der Gnade Wunder Heil! ♫Noten
Erlösung ward der Welt zuteil!
Es tat in nächtlich heil’ger Stund’
der Herr sich durch ein Wunder kund:
den dürren Stab in Priesters Hand
hat er geschmückt mit frischem Grün:
dem Sünder in der Hölle Brand
soll so Erlösung neu erblühn!
Ruft ihm es zu durch alle Land’, ♫Noten
der durch dies Wunder Gnade fand!
Hoch über aller Welt ist Gott,
und sein Erbarmen ist kein Spott!
Halleluja! Halleluja!
Halleluja!

Alle in höchster Ergriffenheit
Der Gnade Heil ist dem Büßer beschieden,
er geht nun ein in der Seligen Frieden! ♫Noten
Der Vorhang fällt.
Ende Tannhäuser