Tristan 2. Aufzug 2. Szene 3

Tristan Tristan zieht Isolde sanft zur Seite auf eine Blumenbank nieder, senkt sich vor ihr auf die Knie und schmiegt sein Haupt in ihren Arm.

Den folgenden Ausschnitt kann man sich in
verschiedenen Interpretationen anhören!
O sink hernieder,
Nacht der Liebe,
gib Vergessen,
daß ich lebe;
nimm mich auf
in deinen Schoß,
löse von
der Welt mich los!
Verloschen nun
die letzte Leuchte;

Isoldewas wir dachten,
was uns deuchte;

Tristanall Gedenken –

Isoldeall Gemahnen –

Tristanheil’ger Dämm’rung
hehres Ahnen
löscht des Wähnens Graus
welterlösend aus.

IsoldeBarg im Busen
uns sich die Sonne,
leuchten lachend
Sterne der Wonne.

TristanVon deinem Zauber
sanft umsponnen,
vor deinen Augen
süß zerronnen;

IsoldeHerz an Herz dir,
Mund an Mund;

Tristaneines Atems
ein’ger Bund;
bricht mein Blick sich
wonnerblindet,
erbleicht die Welt
mit ihrem Blenden:

Isoldedie uns der Tag
trügend erhellt,

Tristanzu täuschendem Wahn
entgegengestellt,
selbst dann
bin ich die Welt:
Wonne-hehrstes Weben,
Liebe-heiligstes Leben,
Nie-wieder-Erwachens
wahnlos
hold bewußter Wunsch.
Tristan und Isolde versinken wie in gänzliche Entrücktheit, in der sie, Haupt an Haupt auf die Blumenbank zurückgelehnt, verweilen.