Walküre 2. Aufzug 2. Szene 2

BrünnhildeDoch der Wälsung, Siegmund, wirkt er nicht selbst?

107Zorn
WotanWild durchschweift’ ich mit ihm die Wälder; 70Siegmund
gegen der Götter Rat reizte kühn ich ihn auf:
gegen der Götter Rache
schützt ihn nun einzig das Schwert,
gedehnt und bitter
das eines Gottes Gunst ihm beschied. 79Unmuth
Wie wollt’ ich listig selbst mich belügen? 79
So leicht ja entfrug mir Fricka den Trug:
zu tiefster Scham durchschaute sie mich!
Ihrem Willen muß ich gewähren.

BrünnhildeSo nimmst du von Siegmund den Sieg?

86Verzweiflung
WotanIch berührte Alberichs Ring, 59Ring
gierig hielt ich das Gold! 59
Der Fluch, den ich floh,
nicht flieht er nun mich:
Was ich liebe, muß ich verlassen,
morden, wen je ich minne,
trügend verraten, wer mir traut!
Wotans Gebärde geht aus dem Ausdruck des furchtbarsten Schmerzes zu dem der Verzweiflung über 1365Fluch
Schwert
Fahre denn hin, herrische Pracht,
göttlichen Prunkes prahlende Schmach!
Zusammenbreche, was ich gebaut!
Auf geb’ ich mein Werk; nur eines will ich noch:
das Ende,
das Ende! –
Er hält sinnend ein 8Erda
Und für das Ende sorgt Alberich! 8
Jetzt versteh’ ich den stummen Sinn
des wilden Wortes der Wala:
«Wenn der Liebe finstrer Feind 51Nibelungenhass
zürnend zeugt einen Sohn, 51
der Sel’gen Ende säumt dann nicht!» 519054Walhall
Rheingold
Vom Niblung jüngst vernahm ich die Mär’,
daß ein Weib der Zwerg bewältigt,
des’ Gunst Gold ihm erzwang:
Des Hasses Frucht hegt eine Frau, 51Nibelungenhass
des Neides Kraft kreißt ihr im Schoß: 51
das Wunder gelang dem Liebelosen; 516Entsagung
doch der in Lieb’ ich freite,
den Freien erlang’ ich mir nicht.
mit bitterem Grimm sich aufrichtend
So nimm meinen Segen, Niblungen-Sohn! 9054Walhall
Rheingold
Was tief mich ekelt, dir geb’ ich’s zum Erbe,
der Gottheit nichtigen Glanz: 9054Walhall
Rheingold
zernage ihn gierig dein Neid!

Brünnhilde erschrocken
O sag’, künde, was soll nun dein Kind?

Wotan bitter 80Unruhe
Fromm streite für Fricka; hüte ihr Eh’ und Eid!
trocken
Was sie erkor, das kiese auch ich:
was frommte mir eigner Wille?
Einen Freien kann ich nicht wollen:
für Frickas Knechte kämpfe nun du!

BrünnhildeWeh’! Nimm reuig zurück das Wort!
Du liebst Siegmund;
dir zulieb’, ich weiß es, schütz’ ich den Wälsung.

WotanFällen sollst du Siegmund, 80Unruhe
für Hunding erfechten den Sieg! 80
Hüte dich wohl und halte dich stark, 80
all deiner Kühnheit entbiete im Kampf: 80
ein Siegschwert schwingt Siegmund; – 65Schwert
schwerlich fällt er dir feig!

80Unruhe
BrünnhildeDen du zu lieben stets mich gelehrt, 80
sehr warm 80
der in hehrer Tugend dem Herzen dir teuer, 80
gegen ihn zwingt mich nimmer dein zwiespältig Wort!

80
WotanHa, Freche du! Frevelst du mir?
Wer bist du, als meines Willens
blind wählende Kür? 83Vertrag
Da mit dir ich tagte, sank ich so tief,
daß zum Schimpf der eignen
Geschöpfe ich ward?
Kennst du, Kind, meinen Zorn?
Verzage dein Mut,
wenn je zermalmend
auf dich stürzte sein Strahl!
In meinem Busen berg’ ich den Grimm,
der in Grau’n und Wust wirft eine Welt,
die einst zur Lust mir gelacht:
wehe dem, den er trifft!
Trauer schüf’ ihm sein Trotz!
Drum rat’ ich dir, reize mich nicht! 80Unruhe
Besorge, was ich befahl: 80
Siegmund falle –
Dies sei der Walküre Werk!
Er stürmt fort und verschwindet schnell links in Gebirge.

806Unruhe
Entsagung
Brünnhilde steht lange erschrocken und betäubt 79Unmuth
So sah ich Siegvater nie,
sie starrt wild vor sich hin
erzürnt’ ihn sonst wohl auch ein Zank! 79Unmuth
Sie neigt sich betrübt und nimmt ihre Waffen auf, mit denen sie sich wieder rüstet 91Walküre
Schwer wiegt mir der Waffen Wucht: – 91
wenn nach Lust ich focht,
wie waren sie leicht! 91Walküre
Zu böser Schlacht schleich’ ich heut’ so bang.
Sie sinnt vor sich hin und seufzt dann auf.94Wälsungenleid
Weh’, mein Wälsung!
Im höchsten Leid 79Unmuth
muß dich treulos die Treue verlassen!
Sie wendet sich langsam dem Hintergrunde zu.